Als meine Kinder noch klein waren, dachte ich immer, die Teenagerzeit wird die Phase der großen Sorgen. Sagt man ja auch: „kleine Kinder, kleine Sorgen, große Kinder, große Sorgen“. Ich dachte, wir würden regelmäßig Kämpfe über Partys, Alkohol, schlechte Gesellschaft oder nach Hause-komm-Zeiten führen. Eben alles, das in der Zeit wichtig für Jugendliche ist.
Lies auch: Gruppenzwang, Alkohol & Co.: Diese Stärke hilft deinem Teenager, Nein zu sagen
Aber weit gefehlt. Heute habe ich einen 16-jährigen Sohn und eine 13-jährige Tochter und natürlich gibt es manchmal solche größeren Sorgen. Und ich hoffe, dass sie vorsichtig sind, gute Entscheidungen treffen und sich melden, wenn etwas ist. Aber wenn ich ehrlich bin, halten mich diese großen Sorgen selten wach.
Es sind viel öfter die kleinen Dinge, die unscheinbaren Momente und Fragen, auf die es keine eindeutige Antwort gibt, die mir das größte Kopfzerbechen bescheren.
Hab ich heute genug zugehört?
Oft denke ich abends darüber nach, wie unser Tag gelaufen ist. Wie viel (oder wenig) Zeit wir miteinander verbracht haben und ob ich wirklich zugehört habe, wenn meine Kinder mir etwas erzählt haben. Oder ob ich vielleicht doch schon mit den Gedanken bei der Einkaufsliste, dem Essen oder noch bei der Arbeit hing.
Teenager erzählen vieles genau einmal und manchmal sind die eigentlichen Informationen so versteckt, dass man sie gar nicht richtig entschlüsseln kann. Nicht etwa, weil meine Kinder extra geheimnisvoll sein wollen, aber es fällt ihnen oft leichter, die Dinge irgendwie zu verpacken.
Und dann frage ich mich, ob ich sie richtig verstanden habe und alles erkannt habe, das sie mir sagen wollten.
Lesetipp: „Mama, ist das okay?“: Warum Teenager ständig nach Bestätigung suchen
Haben sie gemerkt, wie stolz ich bin?
Früher wurde jeder noch so kleine Schritt meiner Kinder frenetisch gefeiert. Der erste Schritt oder Kita-Tag, das erste Bild, die ersten guten Noten, jeder noch so kleine Erfolg bekam ein Lob. Und heute ist das alles ein bisschen leiser.
Ich sage ihnen immernoch, dass ich stolz auf sie bin, wenn sie eine gute Klassenarbeit nach Hause bringen. Davon ‚müssen‘ sie mir aktuell ja auch noch erzählen. Aber viele andere Momente, die sie selbstständig meistern, flutschen im Alltag so durch: den Streit, den sie selbst gelöst haben, etwas Neues, das sie ausprobiert haben, obwohl es ihnen vielleicht Angst gemacht hat.
Ich hoffe, dass ich das nicht zwischen Alltag und Organisation übersehe und meine Kinder wissen, dass ich ihre kleinen Erfolge genauso feiere wie früher und unglaublich stolz auf sie bin.
Lies auch: 7 Gründe, warum Teenager das Familienleben erleichtern
War ich heute zu streng?
Es gibt Tage, da bin ich einfach mega genervt. Manchmal sogar ohne (ersichtlichen) Grund. Und das lasse ich mein Umfeld wissen, denn dann ‚greife ich durch‘. Das nasse Handtuch auf dem Fußboden muss sofort aufgehangen, die Spülmaschine super schnell entladen werden und fang mir an dem Tag bloß nicht an, diskutieren zu wollen.
Später am Tag frage ich mich dann nicht selten, ob ich zu streng war oder vielleicht sogar ungerecht? Klar ist Konsequenz wichtig, aber manchmal wünschte ich mir, ich hätte nochmal tief durchgeatmet, bevor ich so losgepoltert bin.
Fühlen sich meine Kinder zu Hause noch genauso wohl wie früher?
Je älter meine Kinder werden, desto größer wird ihre Welt. Freunde werden wichtiger, das Handy sowieso, ihre Kalender werden voller und manchmal wirkt es so, als sei unser zu Hause dann nur noch ein Zwischenstop.
Ich wünsche mir, dass unser gemeinsames zu Hause aber der Ort bleibt, an dem sie sich entspannen können, an dem sie nicht perfekt sein müssen, wo sie schlechte Laune haben dürfen und von dem sie wissen, dass sie hier nichts darstellen müssen. Der Ort, an dem sie einfach sein können, wer sie sind.
Erzählen sie mir, wenn wirklich etwas ist?
Vermutlich begleitet mich diese Frage am häufigsten ins Bett. Nicht etwa, weil ich alles wissen muss, sondern weil ich wirklich, wirklich hoffe, dass meine Kinder den Mut und das Vertrauen in mich haben, zu mir zu kommen, wenn etwas schiefläuft, wenn sie Mist gebaut haben, wenn sie traurig sind oder einfach nicht weiter wissen.
Ich kann sicher nicht jedes Problem lösen, aber ich wünsche mir, dass sie nie das Gefühl haben, sie müssten es alleine schaffen.
Hab ich heute mehr kritisiert als gelobt?
Ich halte mich für eine gut organisierte Person, weshalb ich abends schon durchgehe, was am nächsten Tag so ansteht. Meine Kinder ticken da anders. Sie erinnere ich sehr oft am Tag an alles mögliche. Und manchmal hab ich abends das Gefühl, alles, was ich zu den Kids gesagt habe, war, „Mach dies, …“, „Denk an jenes…“, „Vergiss das nicht…“.
Unbedingt lesen: Solange wir Eltern das tun, übernehmen Teenager zu Hause keine Verantwortung
Dabei möchte ich eigentlich, dass meine Kinder gerne Zeit mit mir verbringen, dass es sich gut anfühlt, wenn wir zusammen sind und nicht wie eine fortwährende Ermahnung.
Werden sie irgendwann gern nach Hause kommen?
Ja, ich weiß, es ist (hoffentlich) noch lange nicht soweit, dass meine Kinder ausziehen. Aber trotzdem beschäftigt mich die Frage, ob sie später, wenn sie erwachsen sind und ihr eigenes Leben leben, gerne zu mir kommen werden? Werden sie mich regelmäßig anrufen oder ihren Partner oder ihre Partnerin ganz selbstvertsändlich mitbringen, wenn sie vorbei kommen?
Ich hoffe, dass ich und ihr Vater immer ein kleines bisschen ihr zu Hause bleiben, egal wie alt sie sind oder wo auf der Welt sie leben.
Die Sorgen, die man sich als Eltern macht, werden vermutlich nie aufhören. Schließlich sind die eigenen Kinder auch immer ein Teil von einem selbst.
Weitere Lesetipps:
