Meine Tochter (13) fragt ständig nach Rückmeldung. „Wie sieht das aus, Mama?“, „Findest du das okay?“, „Wirkt das komisch?“ sind Fragen, die ich nahezu täglich höre. Und ich werde mit Argusaugen beobachtet, wenn sie auf meine Antwort warten muss.
Warum braucht mein Kind so viel Rückversicherung? Vermutlich hat viel davon mit der Pubertät zu tun, schon klar. Schließlich ist genau das die Phase, in der Teenager nach sich selbst suchen. Aber wie kann ich ihr helfen, ohne ihr ständiges emotionales Sicherheitsnetz zu sein?
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Das Außen ist extrem wichtig
Die meisten Teenager möchten sich ausprobieren, ernst genommen werden und dazugehören. Es ist ihnen besonders wichtig, vor Freundinnen und Freunden zu glänzen. Nur fällt ihnen das schwer, weil sie eben bisher nicht wissen, wer sie sind. Genau da kommt die Bestätigung von Außen ins Spiel, denn sie gibt ihnen das Gefühl, dass sie etwas richtig machen.
Meine Tochter und viele andere Teenager im selben Alter, kennen ihren eigenen Wert noch nicht. Sie suchen also nach Bestätigung von der Familie, aber eben auch von Freund*innen und Mitschüler*innen. Ihre Anerkennung lässt sie sich wertvoll fühlen.
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Nicht jeder Teenager zeigt Unsicherheit gleich
Meine Tochter fragt ganz offen nach Bestätigung, wenn sie unsicher ist. Es gibt aber auch Kinder, die verstecken sich hinter Coolness, Rückzug oder übertriebener Selbstinszenierung. Andere reagieren auf vermeintlich harmlose Kommentare ganz extrem und wieder andere haben große Schwierigkeiten, sich zu entscheiden.
So unterschiedlich wie Kinder also reagieren, sind auch die Gründe für ihre Unsicherheiten. Oft spielen mehrere Dinge eine Rolle:
- ein instabiles Selbstwertgefühl
- hoher Leistungsdruck
- Druck durch Social Media und Vorbilder
- Angst vor Ablehnung
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Teenager wollen (soziale) Fehler vermeiden, am besten niemals bei Freund*innen anecken und am besten immer richtig sein. Eine schier unlösbare Aufgabe.
Wie wir Eltern Unsicherheit unbewusst verstärken
Für uns sind unsere Kinder ohnehin die besten. Und wenn sie unsere Bestätigung brauchen, fällt uns das sehr oft nicht schwer. Dann sieht das, was sie anhaben ‚richtig gut aus‘ oder ‚müssen sie sich keine Gedanken machen‘ ob die anderen dieses und jenes doof fanden.
Und klar hilft unsere kleine Bestätigung dem Teenie-Ego für einen kurzen Moment. Wir müssen aber aufpassen, dass wir nicht jede Unsicherheit auffangen und wegreden. Dann kann es nämlich passieren, dass das Kind immer jemanden braucht, der die ‚richtige‘ Entscheidung trifft.
Was Teenagern wirklich hilft
Während man als Mama oder Papa wohl bewerten kann, ob dem Kind ein bestimmtes Outfit steht, gibt es Sachen, die liegen außerhalb unseres Wissens und genau deshalb sollten wir dazu auch keine Rückmeldung geben. Also, zumindest keine Rückmeldung, die ein Problem für das Kind (vermeintlich) löst.
Wir können nicht wissen, ob ein Spruch bei Freundin X blöd ankam. Wir können auch nicht wissen, was Freund Y über unser Kind denkt. Und deshalb sollten wir einfach nur zuhören und unserem Kind helfen, seine Gefühle und Unsicherheiten zu sortieren.
Und manche Dinge muss man leider auch selbst erleben und spüren, um daran zu wachsen. Fragt der Teenager also nach Mamas oder Papas Meinung, gibt man ihm die Verantwortung einfach wieder zurück und fragt zum Beispiel, „Was denkst du selbst?“, „Wie fühlt sich das an?“ oder, „Welche Entscheidung, glaubst du, wäre die beste?“
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Wann Teenager Hilfe brauchen
Viele Unsicherheiten gehören einfach zur Pubertät. Es gibt aber auch Situationen, die gehen über das ’normale‘ Maß hinaus und benötigen Hilfe von außen.
Zum Beispiel wenn ein Teenager:
- sich sozial stark zurückzieht
- extreme Angst vor Bewertungen entwickelt
- von Selbsthass spricht
- kaum noch eigene Entscheidungen trifft
- sehr unter Druck steht
- Essverhalten verändert
- panisch auf Kritik reagiert
- depressive Symptome zeigt
Hilfsangebote findet man bei Beratungsstellen, Schulpsychologinnen und -psychologen oder beim Jugendamt. Manche Jugendliche benötigen einfach mehr Hilfe, ihren eigenen Wert zu erkennen.
Teenager brauchen innere Sicherheit
Teenager suchen so oft nach Bestätigung von außen, weil sie unsicher sind. Und ja, Selbstbewusstsein kann auch durch Feedback von außen entstehen. Es wächst jedoch viel mehr, wenn man Unsicherheiten übersteht und sich Fehler eingesteht und weiß, dass schlechte Tage okay sind.
Niemand kann an jedem Tag die beste Version von sich sein. Oder besser: nicht immer ist die beste Version, die man sein kann, die 100%-ige. Und das ist okay so.
Das wichtigste Feedback für Teenager sollte immer sein: dass sie okay sind, wie sie sind. Dass Menschen, die sie um ihrer selbst willen lieben, immer zu ihnen halten. Und dass sie sich in erster Linie selbst gefallen müssen und niemand anderem.
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