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Hat meine Katze Schmerzen oder ist sie entspannt? Diese Skala gibt Aufschluss

Katze schläft auf Sessel.
© Adobe Stock/onephoto

Vorab im Video: Beim Kraulen geht das Hinterteil in die Höhe?

Katzen zeigen es nur selten, wenn ihnen unwohl ist. Die sogenannte Feline Grimace Scale hilft dabei, Schmerzen trotzdem zu erkennen.

Als mein Kater letztes Jahr plötzlich schwer erkrankte, wurde mir noch einmal bewusst, wie gut Katzen darin sind, Schmerzen zu verbergen. Im Gegensatz zu Hunden zeigen sie ihr Unwohlsein selten offen. Wenn sie nicht gerade erbrechen, laut miauen oder sich auffällig verhalten, heißt das nämlich noch lange nicht, dass es ihnen wirklich gut geht.

Katzen leiden oft still. Sie ziehen sich lieber zurück, schlafen vielleicht viel und wirken auf viele Haustierbesitzer einfach nur ruhig. Doch diese Ruhe kann auch ein Anzeichen dafür sein, dass etwas nicht stimmt.

Versteckt meine Katze ihre Schmerzen?

Diese Frage stellen sich viel Cat-Moms und -Dads. Denn gerade bei chronischen Schmerzen oder Erkrankungen zeigen Katzen oft nur minimale Veränderungen.

Lesetipp: Ab wann ist meine Katze alt? Diese Tabelle zeigt das tatsächliche Katzenalter

Tierärztinnen und Tierärzte wissen das längst, weshalb sie ein spezielles Werkzeug entwickelt haben, um Schmerzen bei Katzen besser erkennen zu können: die Feline Grimace Scale.

Meine Tierärztin hat mir diese Skala im vergangenen Jahr ebenfalls empfohlen. Sie hilft dabei, anhand des Gesichtsausdrucks einer Katze einzuschätzen, ob sie Schmerzen haben könnte, selbst dann, wenn sie scheinbar nur entspannt daliegt.

Was ist die Feline Grimace Scale?

Die Feline Grimace Scale (übersetzt die Katzen-Mimik-Skala) ist ein wissenschaftlich entwickeltes Bewertungssystem zur Schmerzbeurteilung bei Katzen.

Entwickelt wurde sie im Veterinary Teaching Hospital, der Veterinärmedizinischen Fakultät der Université de Montréal. Das Forschungsteam wollte herausfinden, ob sich Schmerzen bei Katzen (ähnlich wie bei Menschen) im Gesicht ablesen lassen.

Dafür wurden Katzen vor und nach der Gabe von Schmerzmitteln gefilmt. Natürlich mit vorheriger Zustimmung der Besitzer. Anschließend analysierten die Forschenden unzählige Stunden Videomaterial.

Das Ergebnis: Katzen verändern tatsächlich ihren Gesichtsausdruck, wenn sie Schmerzen haben. Allerdings nur sehr subtil. Aus diesen Beobachtungen entstand die Feline Grimace Scale, die heute weltweit in der Tiermedizin eingesetzt wird.

Die fünf Gesichtsmerkmale der Schmerzskala

Die Skala konzentriert sich auf fünf Bereiche im Gesicht der Katze. Sie werden jeweils mit 0, 1 oder 2 Punkten bewertet – je nachdem, wie stark die Veränderung ausgeprägt ist.

Diese Merkmale sind:

1. Ohrposition

  • entspannt und nach vorne gerichtet = eher schmerzfrei
  • leicht nach außen gedreht = mögliches Unwohlsein
  • flach nach außen oder hinten gelegt = mögliches Schmerzsignal

2. Augen

  • weit geöffnet und entspannt = normal
  • halb geschlossen = mögliches Anzeichen
  • deutlich zusammengekniffen = möglicher Schmerz

3. Spannung im Maulbereich

  • rundes, weiches Gesicht = entspannt
  • leicht angespannter Maulbereich = mittlere Veränderung
  • deutlich angespannte Schnauze = mögliches Schmerzsignal

4. Schnurrhaare

  • locker und leicht gebogen = entspannt
  • etwas steifer = mögliche Spannung
  • gerade und nach vorne gerichtet = mögliches Schmerzzeichen

5. Kopfposition

  • Kopf über den Schultern = normale Haltung
  • auf Schulterhöhe = mögliche Veränderung
  • abgesenkt oder unter Schulterhöhe = mögliches Schmerzsignal

Für jedes Merkmal wird ein Wert vergeben. Addiert man alle Punkte, ergibt sich eine Gesamtzahl:

  • 0-3 Punkte: wahrscheinlich entspannt
  • 4 Punkte oder mehr: Schmerzen möglich, tierärztliche Abklärung empfohlen

Die Skala funktioniert am besten, wenn die Katze ruhig liegt oder sitzt, also nicht gerade spielt, frisst oder sich putzt. Genau dann lässt sich nämlich erkennen, ob sie einfach nur entspannt ist oder ob ihr Gesichtsausdruck Anzeichen von Schmerz zeigt.

Hilfreich für Katzenhalter

Natürlich ersetzt die Feline Grimace Scale (hier kannst du das Fakten-Sheet mit Beispielbildern herunterladen) keine tierärztliche Untersuchung. Aber sie kann ein wertvolles Frühwarnsystem sein.

Wer seine Katze regelmäßig beobachtet und kleine Veränderungen im Gesicht oder in der Haltung wahrnimmt, merkt oft schneller, wenn etwas nicht stimmt. Und genau das kann entscheidend sein, um seinem Haustier möglichst schnell zu helfen.

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Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient lediglich der Information. Bitte beachte, dass einzelne Verhaltensweisen, die dir ein Tier zeigt, immer im Kontext der Situation verstanden werden müssen. Bevor ein Haustier bei euch einzieht, bedenkt immer die große Verantwortung, die so ein Lebewesen mit sich bringt. Habt ihr bereits ein Haustier und habt Fragen zu Gesundheit oder Verhalten, dann kontaktiert bitte euren Tierarzt oder eure Tierärztin und bei Bedarf eine Tiertrainerin oder einen Tiertrainer.