Wer unter Adipositas leidet, wird wissen, dass es hier um mehr als um Kalorienzählen geht. Vielmehr hat das starke Übergewicht meist gesundheitliche Gründe, wie einen veränderten Stoffwechsel oder fehlende Sättigungssignale.
Dennoch werden Menschen mit Adipositas immer wieder Opfer von verletzenden Kommentaren, Blicken oder gar Fat Shaming. Adipösen Frauen mit Kindern geht das nicht anders. Dennoch kommt bei ihnen noch eine weitere Komponente dazu.
Während auf Social Media normalgewichtige „Supermoms“ ihren Afterbabybody präsentieren, den sie scheinbar mühelos innerhalb kürzester Zeit wieder erlangt haben, sieht die Realität vieler Frauen komplett anders aus. Sie schweben nicht Instagram-tauglich lächelnd zwischen Meal Prep, Morgenyoga und einem blitzsauberen Haus umher.
Wenn der Alltag mit Kind schwerfällt
Vor allem, wenn sie schon vor der Schwangerschaft einen hohen BMI hatten, ist der Alltag von Mütter deutlich beschwerlicher. Für sie ist Adipositas keine abstrakte Diagnose. Sie ist spürbar, jeden Tag.
Ist der Mama-Alltag per se schon anstrengend bis herausfordernd, so wirkt Adipositas noch mal wie ein Verstärker. Das zeigt sich in ganz konkreten Alltagssituationen: wenn die Energie für den Spielplatz fehlt oder die Knie beim Treppensteigen mit Kind auf dem Arm schmerzen. Erschöpfung fühlt sich bleierner an und es dauert auch länger, um sich vom fordernden Alltag mit Kind zu erholen.
Neben den körperlichen Beschwerden berichten viele Betroffene zudem von Schamgefühlen, etwa beim Eltern-Kind-Turnen, im Schwimmbad oder auf dem Spielplatz. Wie soll man hier konditionell mithalten, wenn der Körper streikt und schmerzt?
Oft erleben Mütter mit Adipositas auch kritische Blicke und Kommentare, wenn sie ihrem Kind beispielsweise ein Eis kaufen. „Soll das Kind jetzt auch dick werden?“ Sie müssen sich womöglich sagen lassen, dass sie kein gutes Vorbild für ihr Kind sind. Und diese psychische Komponente belastet oftmals mehr als die Zahl auf der Waage.

Gesundheitliche Folgeerkrankungen vermeiden
Neben den psychischen Auswirkungen ist es jedoch wichtig, die gesundheitlichen Aspekte im Blick zu haben. Adipositas ist bereits seit 1997 von der WHO als chronische Krankheit anerkannt. Zudem ist belegt, dass Betroffene meist ein erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen haben.
Laut der Deutschen Adipositas Gesellschaft haben Erwachsene mit Adipositas eine niedrigere Lebenserwartung und ein erhöhtes Risiko für chronische Krankheiten, wie etwa Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettleber und verschiedene Krebsformen.
Dennoch ist bei betroffenen Müttern das Wissen das eine, die Realität jedoch meist das Gegenteil. Oftmals haben Menschen mit Adipositas eine lange Leidensgeschichte hinter sich, mit immer neuen Versuchen endlich dauerhaft abzunehmen. Und mit immer neuen Phasen des Scheiterns.
Und so versuchen viele Mütter jahrelang zu funktionieren und die Warnsignale ihres Körpers zu ignorieren, statt sich ärztlichen Rat und Hilfe zu suchen. Oftmals gehen eben die Kinder immer vor. Das Fatale daran: Viele Folgeerkrankungen ließen sich durch ein frühzeitiges Gegensteuern verhindern oder zumindest abmildern.
Zwischen Vorbildfunktion und Selbstfürsorge
Neben einer konsequenten Ernährungsumstellung und realistischen Bewegungszielen, die in den Familienalltag passen, ist es wichtig und richtig, sich fachliche Hilfe bei einem Arzt oder einer Ärztin zu suchen. Sie können Möglichkeiten zur Gewichtsreduktion darlegen, notwendige Behandlungen und Medikamente verschreiben und beratend zur Seite stehen.
Moderne Arzneimittel können beispielsweise gut beim Gewichtsmanagement helfen, indem sie den Stoffwechsel unterstützen oder das Hungergefühl regulieren. Wichtig: Das sollte natürlich immer im engen Austausch mit einem Arzt oder einer Ärztin geschehen.
Gerade Mütter, die ihre Belange oft hinten anstellen, sollten ermutigt werden, hier den ersten Schritt zu machen. Sich über die für sich passenden Möglichkeiten zu informieren, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Akt der Selbstfürsorge.
Mehr als gesellschaftliche Erwartungen
Am Ende geht es nicht um vermeintliche Schönheitsideale oder gesellschaftliche Erwartungen, sondern um gesunde Lebensjahre. Um Kraft für das nächste Fußballspiel mit dem Kind im Park. Um schmerzfreies Treppensteigen. Um Nächte mit mehr Ruhe und Tage mit mehr Energie.
Und, schöner und wichtiger Nebeneffekt: Wenn Mütter sich die Zeit nehmen, an ihre eigene Gesundheit zu denken und sich Hilfe zu holen, sind sie ihren Kindern damit ein gutes Vorbild.
Haben die Eltern einen gesunden Umgang mit dem eigenen Körper, achten sie auf gute Ernährung und Bewegung im Alltag, prägt das Kinder langfristig. So leben sie ihren Kindern vor, dass es wichtig ist, auf sich zu achten und liebevoll mit seinem Körper umzugehen. Und sie zeigen, dass es absolut OK ist, Hilfe anzunehmen.
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Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient lediglich der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Treten Unsicherheiten, dringende Fragen oder akute Beschwerden auf, solltet ihr eure Ärztin oder euren Arzt kontaktieren oder in der Apotheke um Rat fragen. Über die bundesweite Nummer 116117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst erreichbar.
