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Mütter & Fat Shaming: Zwischen Selbstzweifeln und dem Wunsch, Vorbild zu sein

Frau mit hohem BMI steht vor dem Spiegel
Adipositas kann mehr als 200 Folgeerkrankungen verursachen.

Fat Shaming ist allgegenwärtig. In Kommentaren von Fremden und gut gemeinten Ratschlägen aus dem Umfeld, in Social Media und in der Werbung. Mütter trifft es hier gleich doppelt.

Inhaltsverzeichnis

Sicher wollen die meisten Mütter ein gutes Vorbild für ihre Kinder sein. Sie wollen ihnen vorleben, was Selbstliebe bedeutet, wie Selbstvertrauen aussieht und dass der eigene Körper kein Feind, sondern ein Zuhause ist.

Und doch stehen viele Frauen vor dem Spiegel und fühlen sich genau davon weit entfernt. Leidet man zudem noch unter Adipositas und ist Opfer von Fat Shaming, wird es noch schwieriger, all das von seinen Kindern fernzuhalten.

Wie können Mütter diesen innerlichen Konflikt für sich lösen? Wie können sie altersgerecht mit ihren Kindern über das Thema Adipositas und Body bzw. Fat Shaming sprechen?

Fat Shaming ist eine Form von Body Shaming und bezeichnet die Diskriminierung einer Person aufgrund ihres Übergewichts. Dabei wird Menschen mit hohem BMI häufig unterstellt, sie seien faul oder undiszipliniert und selbst schuld an ihrem Körpergewicht.

Natürlich möchte man als Eltern diese Art des Mobbings vor seinen Kindern verbergen. Sie sollen nicht mitbekommen, dass Menschen einander derart verletzen und vor allem sollen sie nicht mitbekommen, welche Wirkung das womöglich auf das Selbstwertgefühl ihrer Mutter hat.

Warum Fat Shaming für frisch gebackene Mütter besonders schmerzhaft ist

Die Geburt eines Kindes ist immer eine Zäsur. Der weibliche Körper hat sich durch Schwangerschaft, Geburt und (womöglich) Stillzeit verändert. Schwangerschaftskilos, Dehnungsstreifen und die körperlichen Folgen der Geburt – all das hat Spuren hinterlassen. Der Körper hat Unfassbares geleistet und muss sich erst einmal erholen.

Hinzu kommt: Da ist ein kleiner Mensch, der Schlaf und Energie braucht, der gestillt werden will und der körperliche Nähe braucht. Und das oftmals rund um die Uhr. Es fühlt sich an, als sei das bisherige Leben einmal komplett auf den Kopf gestellt worden.

Und trotz dieses Kraftakts wird genau dieser Körper bewertet, verglichen und kommentiert. Das Thema „After-Baby-Body“ oder Sätze wie „Du hast aber auch noch ordentlich Babypfunde drauf“ mögen harmlos klingen, können aber tief verletzen – besonders, wenn man bereits mit starkem Übergewicht zu kämpfen hat.

Fat Shaming verknüpft Körpergewicht mit Disziplin, Leistungsfähigkeit und Wert. Menschen mit Adipositas wird unterstellt, zu wenig Willen zu haben. Dieses Denken steht im krassen Widerspruch zur realen Alltag vieler Mütter. Einer Phase, die in der Regel von mentaler und körperlicher Dauerbelastung geprägt ist. Hier leisten Mütter enorm viel.

Den Kindern ein positives Körperbild vermitteln

Viele Mütter versuchen, sich ihren inneren Kampf gegen Pfunde, Scham, Frust und niedriges Selbstwertgefühl vor ihren Kindern nicht anmerken zu lassen. Doch Kinder merken schnell, wie ihre Mutter über sich selbst denkt. Sie hören Kommentare, sehen Blicke und nehmen wahr, wie über den eigenen Körper oder über Essen gesprochen wird.

Studien zeigen, dass Kinder früh Körperideale verinnerlichen. Abwertende Bemerkungen über den eigenen Körper können dazu beitragen, dass sie lernen: Der eigene Körper ist etwas, das man kontrollieren oder verbessern muss, um „okay“ zu sein.

Sie lernen womöglich, dass Essen eine Frage der Disziplin ist, dass es „gut“ und „schlecht“ gibt und dass Aussehen wichtiger ist als Persönlichkeit oder Gefühle. Mit der Folge, dass Kinder beginnen, ihren eigenen Körper kritisch zu betrachten.

Altersgerecht mit Kindern über Körper und Selbstwert sprechen

Deshalb ist es wichtig, mit Kindern über Körper, Essen und Gesundheit zu sprechen – altersgerecht und offen.

Bei kleineren Kindern reicht es, einen gesunden Umgang mit Essen und Körper vorzuleben und einfache Botschaften zu vermitteln wie: „Jeder Körper ist unterschiedlich und toll“ oder „Unser Körper hilft uns, zu spielen, zu denken und zu fühlen“.

Im Grundschulalter können Eltern erklären, dass Medien oft unrealistische Bilder zeigen und viele Fotos bearbeitet sind. Die Botschaft: Schönheit ist nicht an eine Kleidergröße gebunden.

Im Teenageralter darf man dann schon ehrlich über eigene Unsicherheiten sprechen – aber ohne zu dramatisieren – und immer wieder betonen: „Dein Wert hängt nicht von deinem Aussehen ab.“

Selbstfürsorge ist kein Egoismus

Mütter stehen oft unter dem Druck, stark zu sein, nicht zu klagen und gleichzeitig Vorbild zu bleiben. Doch eine Mutter, die mit sich selbst im Reinen ist, vermittelt ihren Kindern ganz selbstverständlich Selbstakzeptanz und Selbstliebe.

So schwer es auch fällt: Mütter dürfen sich selbst wichtig nehmen. Sich Zeit für Bewegung nehmen, die Freude macht, für Essen ohne Schuldgefühle und für Pausen ohne Rechtfertigung. Gesundheit bedeutet nicht, einem Ideal zu entsprechen, sondern sich im eigenen Körper möglichst wohlzufühlen – mental wie körperlich.

Der erste Schritt kann klein sein: ein liebevoller Gedanke, ein „Stopp“ bei abwertenden Kommentaren über den eigenen Körper oder ein bewusstes „Nein“ zu Gesprächen, die nur um Diäten und Körperkritik kreisen.

Der Weg zu langfristiger Gesundheit

Gleichwohl sollten sich Mütter mit Adipositas bewusst sein, dass es auch um ihre Gesundheit geht – jetzt und in der Zukunft. Viele Folgeerkrankungen lassen sich durch frühzeitige Behandlung vermeiden. An die eigene Gesundheit zu denken, ist kein Egoismus.

Und das muss niemand allein stemmen. Ärztliche, therapeutische und – wenn nötig – medikamentöse Unterstützung kann ein wichtiger Schritt sein. Wer unter Adipositas leidet, darf sich Hilfe holen.

Deshalb an alle Mütter, die unter Adipositas oder Fat Shaming leiden: Macht den ersten Schritt in eine gesunde Zukunft. Dieser Weg braucht Zeit und Durchhaltevermögen – aber gemeinsam ist er leichter zu gehen.

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Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient lediglich der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Treten Unsicherheiten, dringende Fragen oder akute Beschwerden auf, solltet ihr eure Ärztin oder euren Arzt kontaktieren oder in der Apotheke um Rat fragen. Über die bundesweite Nummer 116117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst erreichbar.