Inhaltsverzeichnis
- Haarausfall erkennen: Wie viele Haare verliert man pro Tag?
- Welcher Arzt bei Haarausfall?
- Die 3 häufigsten Arten von Haarausfall
- Ursachen für Haarausfall
- Therapie: Was hilft gegen Haarausfall?
- Haarausfall kaschieren: So gelingt’s
- Meine Erfahrung mit Haarausfall
Lange, volle Haare gelten gemeinhin als Schönheitsideal. Doch was, wenn die Mähne plötzlich an Fülle verliert oder sich kahle Stellen bilden? Haarausfall betrifft viele Frauen, doch nur wenige sprechen offen darüber. Zu groß ist die Scham, zu tief sitzt die Angst, negativ bewertet zu werden.
Dabei ist Haarausfall nichts, das einen weniger schön oder weiblich macht, sondern ein Signal des Körpers, das ernst genommen werden sollte – und in vielen Fällen auch gut behandelbar ist. Wie du deine Haare und dein Selbstvertrauen zurückgewinnst, liest du im Folgenden.
Haarausfall erkennen: Wie viele Haare verliert man pro Tag?
Wenn vereinzelt Haare ausfallen, ist das noch lange kein Grund zur Panik. Denn was viele nicht wissen: Auch Haare haben eine Lebensdauer. Dass sie irgendwann ausfallen, ist völlig normal und passiert täglich. Zwischen 70 und 100 Haare verliert ein Mensch laut onmeda.de pro Tag. Das mag sich nach viel anhören, ist bei einer Gesamtmenge von rund 100.000 Haaren jedoch nur ein winziger Bruchteil. Einzelne, ausgefallene Haare sind also erstmal kein Anlass zur Sorge.
Fallen die Haare jedoch in größeren Mengen aus, fühlen sich insgesamt dünner an oder bilden gar kahle Stellen, lohnt es sich, eine Fachperson zu Rate zu ziehen.
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Welcher Arzt bei Haarausfall?
Wenn du dir unsicher bist, ob dein Haarausfall normal ist und woher er kommt, ist dein Hausarzt oder deine Hausärztin die erste Anlaufstelle. Er oder sie kann eine Einschätzung abgeben, Blutuntersuchungen anordnen und dich bei Bedarf an eine*n Spezialist*in weiterleiten.
Tritt dein Haarausfall zyklusabhängig, nach einer Schwangerschaft, in den Wechseljahren oder nach Absetzen der Pille auf, liegt höchstwahrscheinlich eine hormonelle Ursache vor. Ein Besuch bei der Gynäkologin oder dem Gynäkologen schafft hier Klarheit.
Wissen weder der Hausarzt noch die Frauenärztin weiter, hilft man dir am besten im Fachbereich Dermatologie weiter. Hautärzt*innen haben die Möglichkeit, deine Kopfhaut und Haare mikroskopisch zu analysieren und eine entsprechende Therapie einzuleiten.
Die 3 häufigsten Arten von Haarausfall
Haarausfall ist nicht gleich Haarausfall, sondern kann unterschiedliche Formen annehmen. Am verbreitetsten sind androgenetischer, diffuser und kreisrunder Haarausfall.
1. Androgenetischer Haarausfall
Die häufigste Form ist der erblich-hormonell bedingte Haarausfall. Etwa 80 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen sind dem Bundesministerium für Gesundheit zufolge im Laufe ihres Lebens davon betroffen. Während er bei Männern typischerweise zu Geheimratsecken und einer Lichtung am Hinterkopf führt, kommt es bei Frauen in der Regel „nur“ zu einer Ausdünnung am Scheitel.

2. Diffuser Haarausfall
Leidest du unter diffusem Haarausfall, fallen gleichmäßig über den gesamten Kopf verteilt viele Haare aus – ohne klare kahle Stellen. Dies geschieht relativ plötzlich, oft zwei bis drei Monate nach dem Auslöser (Stress, Infektion etc.).
3. Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)
Bei kreisrundem Haarausfall handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die eigenen Haarwurzeln angreift. Die Folge sind runde, kahle Stellen, meist am Hinterkopf oder an den Seiten. In schweren Fällen kann eine Alopecia areata in eine Alopecia totalis (ganzer Kopf) oder universalis (ganzer Körper) übergehen.

Ursachen für Haarausfall
Die Gründe für Haarausfall sind vielfältig und oft komplex – und entscheidend, um die passende Behandlung zu finden. Nur wenn klar ist, warum die Haare ausfallen, lassen sich Maßnahmen dagegen ergreifen. Typische Auslöser sind:
DHT-Empfindlichkeit
Androgenetischer Haarausfall ist in erster Linie auf eine vererbte Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber Dihydrotestosteron (DHT), einem Abbauprodukt des männlichen Hormons Testosteron, zurückzuführen. DHT verkürzt die Wachstumsphase der Haare, wodurch sie dünner und lichter werden. Neben DHT spielen bei Frauen oft noch weitere Faktoren, wie beispielsweise ein Abfall des Östrogens, eine Rolle.
Hormonelle Ursachen
Hormonveränderungen, genauer gesagt Schwankungen des Östrogen- oder Androgenspiegels, können den Haarzyklus stark beeinflussen und sich negativ auf das Wachstum der Haare auswirken. So stellen viele Frauen nach der Geburt, in den Wechseljahren, nach dem Absetzen hormoneller Verhütungsmittel oder im Zusammenhang mit dem Polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) diffusen Haarausfall fest.
Neben den Geschlechts- können aber auch die Schilddrüsenhormone den Haarstoffwechsel stören. Dies ist sowohl bei einer Über- als auch bei einer Unterfunktion der Schilddrüse möglich.
Stress und psychische Belastung
Die bei Stress ausgeschütteten Hormone Cortisol und Adrenalin sorgen dafür, dass der Körper den sogenannten Kampf-oder-Flucht-Modus aktiviert und sich auf die lebenswichtigen Organe konzentriert. Die Kopfhaut hat dabei das Nachsehen. In der Folge wechseln viele Haarfollikel vorzeitig in die Ruhephase, bis sie schließlich ausfallen. Dies ist typischerweise zwei bis drei Monate nach einem bestimmten Ereignis der Fall. Die gute Nachricht: Sobald der Druck nachlässt, wächst das Haar in der Regel wieder nach.
Nährstoffmangel
Das Haar braucht bestimmte Nährstoffe, um gesund wachsen zu können. Dazu zählen unter anderem Eisen, Vitamin D, B-Vitamine (Biotin, B12, Folsäure), Zink und Eiweiß. Liegt ein Mangel vor, kann es zu diffusem Haarausfall kommen.
Krankheiten
Auch Infektionen wie beispielsweise eine starke Grippe oder Covid-19 können temporären Haarausfall auslösen. Hat sich der Körper erholt, normalisiert sich das Haarwachstum meist innerhalb weniger Monate.
Anders sieht es bei bestimmten Autoimmunerkrankungen (Alopecia areata) aus. Dabei greift das Immunsystem fälschlicherweise die Haarfollikel an, sodass das Haar in den betroffenen Bereichen nicht mehr nachwächst.
Medikamente
Haarausfall kann außerdem als Nebenwirkung bestimmter Medikamente wie Chemotherapeutika, Akne-Präparaten oder einigen Antidepressiva auftreten. Der Haarverlust setzt meist zwei bis drei Monate nach Beginn der Behandlung ein und normalisiert sich oft wieder, sobald du das Medikament absetzt oder die Medikation umstellst. Wichtig: Da die genannten Medikamente bei ernsthaften Erkrankungen eingesetzt werden, sollte die Dosierung nur in ärztlicher Absprache und nicht eigenmächtig verändert werden!
Mechanische oder chemische Belastung
Neben inneren können auch äußere Einflüsse wie stramme Frisuren, Colorationen oder Hitze-Styling zu Haarbruch oder -ausfall führen. Keine Sorge, das heißt nicht, dass du deine Haare nie wieder flechten oder glätten darfst. Wichtig ist aber, dass du ihnen regelmäßige Pausen gönnst und sie sanft pflegst.
Therapie: Was hilft gegen Haarausfall?
Die richtige Therapie bei Haarausfall hängt stark davon ab, welche Art und welche Ursache dahintersteckt. Es gibt nicht die eine Behandlung, sondern eine Vielzahl von wirksamen Optionen:
Ernährungsumstellung
Die Ernährung anzupassen und Eisen, B-Vitamine und Co. in den Speiseplan zu integrieren, ist eine einfache und effektive Methode, um Haarausfall entgegenzuwirken. Vorausgesetzt, es liegt ein Nährstoffmangel vor. Dies bitte immer erst ärztlich abklären lassen!
Bestätigt sich der Verdacht, kann es eventuell notwendig sein, zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Diese sollten aber gezielt und nur in Absprache mit einem Arzt oder einer Ärztin eingenommen werden. Auch bei rezeptfreien Präparaten wie etwa Priorin solltest du die empfohlene Tagesdosis nicht überschreiten.
Vitamine für die Haare: So klappt’s mit der Traummähne von innen
Vitamine und Spurenelemente spielen eine entscheidende Rolle für das Wachstum und die Gesundheit der Haare. Bei der Einnahme gibt es allerdings ein paar Punkte zu beachten.
Stressmanagement
Liegt deinem Haarausfall Stress zu Grunde, gilt es, den Auslöser zu bekämpfen. Leichter gesagt, als getan. Yoga, Entspannungsübungen und ausreichend Schlaf können dir dabei helfen, zur Ruhe zu kommen.
Unterstützende Therapie bei hormonellem Haarausfall
Bei hormonell bedingtem Haarausfall – etwa nach der Schwangerschaft, dem Absetzen der Pille oder in den Wechseljahren – braucht der Körper Zeit, um sich einzupendeln. Oft normalisiert sich das Haarwachstum innerhalb einiger Monate von selbst. Eine ausgewogene Ernährung, Stressreduktion und milde Kopfhautpflege fördern die Regeneration. Hält der Haarausfall über einen längeren Zeitraum an, lohnt sich eine ärztliche Abklärung, um mögliche Hormon- oder Nährstoffdefizite gezielt zu behandeln.
Shampoo gegen Haarausfall
Wenn beim Waschen vermehrt Haare ausfallen, liegt die Vermutung nah, das Shampoo sei schuld. Auf ein anderes Produkt umzusteigen, wird das Problem aber leider nicht lösen. Denn Shampoos stoppen den Haarausfall nicht, ersetzen keine Therapie und können eine solche auch nur bedingt unterstützen. Möchtest du dem Ganzen trotzdem eine Chance geben, solltest du auf Inhaltsstoffe wie Koffein, Rosmarin, Biotin, Niaciamid, Aminexil oder Sandalore achten.
Tipp: Seren enthalten die genannten Stoffe in einer höheren Konzentration und wirken direkt an der Wurzel. Ideal, wenn du das Haarwachstum gezielt anregen möchtest.
Hier findest du eine Auswahl an Shampoos und Seren, die bei Haarausfall in Frage kommen:
Bonus-Tipp: Zum Einmassieren eignen sich die Fingerkuppen oder eine spezielle Scalp Brush (erhältlich bei Douglas)*. Tägliche Kopfhautmassagen von fünf bis zehn Minuten helfen, die Durchblutung und das Haarwachstum zu fördern.
Hausmittel gegen Haarausfall
Wer kein Geld für teure Shampoos und Seren ausgeben will, kann seine eigene Haartinktur herstellen. Beliebte Hausmittel gegen Haarausfall sind Rosmarinöl-, Pfefferminz- und Kürbiskernöl, Zwiebelsaft sowie Brennesselwurzel- und Sägepalmen-Extrakt. Wie du ein Haarwasser auf Basis von Rosmarin herstellst, erfährst du hier. Wichtiger Hinweis: Die Wirksamkeit von Hausmitteln gegen Haarausfall ist wissenschaftlich nicht ausreichend bestätigt.
Hausmittel gegen Haarausfall: Welche helfen am besten?
Haarausfall stoppen mit natürlichen Mitteln? Hier erfährst du, wie gut das wirklich funktioniert und wann du besser zum Arzt gehst.
Minoxidil
Wenn klassische Mittel nicht ausreichen (beispielsweise bei androgenetischer Alopezie), kann eine Therapie mit Minoxidil sinnvoll sein. Minoxidil wird als Lösung oder Schaum direkt auf die Kopfhaut aufgetragen und wirkt, indem es die Durchblutung der Kopfhaut verbessert und die Wachstumsphase der Haare verlängert. Vorausgesetzt, du wendest es kontinuierlich an. Setzt du es ab, lässt der positive Effekt wieder nach und die Haare können erneut ausfallen.
Wichtiger Hinweis für Haustier-Besitzer*innen: Minoxidil ist giftig für Hunde, Katzen und Co. und kann schon in kleinen Mengen schwere Reaktionen hervorrufen.
Weitere Behandlungen
Neben topischen Mitteln gibt es eine Reihe von medizinischen Behandlungen und experimentellen Verfahren, die versprechen, das Haarwachstum zu stimulieren. Dazu zählen beispielsweise Low-Level-Laser-Therapien oder PRP-Therapien mit Eigenblut, deren Wirkung aber nicht eindeutig belegt ist. Bei fortgeschrittenem Haarausfall kann außerdem eine Haartransplantation infrage kommen.
Egal, für welche Methode du dich entscheidest: Hab Geduld. Haarausfall lässt sich leider nicht von heute auf morgen stoppen. Meist normalisiert sich der Haarzyklus aber innerhalb von sechs bis zwölf Monaten.
Haarausfall kaschieren: So gelingt’s
Haarausfall kann, gerade im fortgeschrittenen Stadium, sehr belastend sein und am Selbstbewusstsein nagen. Kleine Styling-Tricks helfen, es zurückzugewinnen und dünner gewordene Stellen zu kaschieren.
Frisuren bei Haarausfall
Frisuren sind oft der einfachste Weg, um feines Haar voller wirken zu lassen. Welche Frisuren bei Haarausfall besonders vorteilhaft wirken, liest du hier:
Es muss aber nicht zwingend ein komplett neuer Look sein. Schon den Mittel- zu einem Seiten- oder Zickzack-Scheitel zu ändern oder Farbakzente zu setzen, kann einen Unterschied machen. Auch die Föhn-Technik spielt eine entscheidende Rolle. Für mehr Volumen empfiehlt es sich, die Haare über Kopf oder mit einer Rundbürste vom Ansatz weg zu trocknen.
Streuhaar
Wenn die Kopfhaut bereits durchschimmert, lassen sich die lichten Partien mit sogenannten Micro Fibres auffüllen. Dabei handelt es sich um winzige, meist aus Keratin oder Baumwollfasern hergestellte Partikel, die auf das eigene Haar gestreut werden und sich elektrostatisch daran binden.
Perücken
Bei stärkerem oder dauerhaftem Haarausfall kann es sich lohnen, über ein Haarteil, einen Topper oder eine Perücke nachzudenken. Diese sind mittlerweile so gut gemacht, dass sie aussehen wie die eigenen Haare. Natürlich hat eine maßgefertigte Echthaarperücke ihren Preis. Unter bestimmten Bedingungen übernimmt aber die Krankenkasse die Kosten.
Meine Erfahrung mit Haarausfall
Als Betroffene weiß ich, wie verzweifelt und machtlos man sich fühlt, wenn die Haare plötzlich ausfallen. Ich weiß mittlerweile aber auch, dass Haarausfall in vielen Fällen heilbar ist – vorausgesetzt, es handelt sich um die diffuse Variante. Wichtig ist, ihn frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Denn sind die Haare einmal ausgefallen, müssen sie erst wieder nachwachsen. Und das dauert.
Ich habe meinen Haarausfall inzwischen zwar im Griff und sehe Baby-Härchen sprießen, von einer dicken Mähne bin ich aber weit entfernt. Hab also Geduld und gib nicht auf, wenn du nicht auf Anhieb Ergebnisse siehst. Ich hatte gefühlt alles probiert, bevor ich endlich eine Methode fand, die für mich funktionierte. Und seither heißt es: Dranbleiben. Kontinuität ist bei der Behandlung von Haarausfall entscheidend!
Dieser Artikel wurde durch die Expert*innen der Gesundheitsredaktion von onmeda.de geprüft.


