Manchmal schreibe ich meinen Kindern Nachrichten, obwohl wir zur selben Zeit am selben Ort sind, einfach, weil ich zu faul bin, durchs Haus zu rufen oder die Treppen zu ihnen hoch zu gehen. Auf Antwort oder gar eine Reaktion (meistens will ich ja irgendwas) warte ich sehr oft vergebens.
Aber ich weiß, dass die beiden sehr wahrscheinlich am Handy sind. Ihren Freunden antworten sie ja binnen Sekunden, Anrufe müssen auch immer sofort entgegengenommen werden. Bei mir nicht. Wenn ich anrufe, passiert nichts. Wenn ich schreibe, auch nicht. Da färben sich nicht einmal die beiden Haken blau. Warum ist das so? Warum antworten meine Teenager allen, nur mir nicht?
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1. Peergroup auf die Eins
Freundinnen und Freunde sind im Leben meiner Kinder aktuell viel angesagter als Mama und Papa. Das ist wohl okay und völlig normal. Außerdem weiß ich, dass sie das für sich und ihre Entwicklung brauchen. Sie müssen und sollen ja lernen
- eigenständig zu denken,
- sich in Gruppen zu positionieren,
- Freundschaften aufzubauen
- und unabhängig von uns Eltern zu sein.
Und weil Freund*innen so viel wichtiger sind aktuell, müssen vermutlich auch ihre Nachrichten und Anrufe sofort beantwortet werden. Das heißt ja nicht, dass Mama und Papa unwichtig sind. Aber die Top-Position bei unseren Kindern müssen wir wohl ein für alle Mal hergben.
2. Elternnachrichten bedeuten oft ein To-do
Als ich ein bisschen zu dem Thema recherchiert habe, ist es mir wie Tomaten von den Augen gefallen. Die große Mehrheit meiner Nachrichten an meine Kinder beinhalten im weitesten Sinn ein To-do für sie:
- Wann bist du zu Hause?
- Hast du deine Hausaufgaben gemacht?
- Kannst du bitte eine Runde mit dem Hund gehen?
- Kannst du auf dem Heimweg Brot mitbringen?
Irgendwas will ich meistens von ihnen. Und das ist ja kein Gespräch, wie die beiden das mit ihren Freund*innen über Messenger führen, sondern eigentlich eine To-do-Liste. Und dann passiert, was bei (meinen) Teenagern gerne passiert. Die Aufgabe rutscht in die ‚Mach ich später‘-Liste (was ein Code ist für: Ich werde es so lange aufschieben, bis ich es vergessen habe). Beim Prokrastinieren bis zur letzten Sekunde macht meinen beiden nämlich niemand was vor.
Und der Nachrichtenaustausch mit Freund*innen läuft ganz anders ab. Da wird gewitzelt, der neueste Gossip ausgetauscht oder andere, meine Teenager betreffende Nachrichten, werden ausgetauscht. Wenn ich ehrlich bin, kann ich verstehen, warum sie ihren Freund*innen immer antworten und mir, naja, selten bis gar nicht.
3. Elternnachrichten wirken kontrollierend
Und als wären unsere Messenger-To-do-Listen nicht schon schlimm genug, verstehen viele Teenager die Nachrichten ihrer Eltern auch noch als Kontrolle. Eigentlich will man mit einem ‚Wo bist du?‘ nur wissen, wo der Nachwuchs aktuell ist, bei ihm kommt aber an, ‚Ich kontrolliere dich‘.
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Kontrolle ist aber eines der letzten Dinge die Teenager wollen, die nach Autonomie und Selbstständigkeit streben. Also antworten sie eben gar nicht. Getreu dem Motto, was ich nicht sehe, ist auch nicht da.
4. Ignorieren vor diskutieren
Hand aufs Herz, liebe Eltern: Aber wenn euer Teen, bei einer Bitte eurerseits, euch auf später vertröstet, dann diskutiert ihr doch auch mit ihm? Oder? Und hört euch Dinge sagen wie: „Aber wenn du es gleich erledigst, ist es weg“ oder „Was du heute kannst besorgen, …“. Schuldig im Sinne der Anklage? Ich auch.
Aber genau das ist oft der Grund, warum Kinder eben nicht auf unsere Nachrichten antworten. Würden sie es tun, würden wir ja auch wieder reagieren und ihnen eben schriftlich runterbeten, dass man Dinge manchmal sofort erledigen sollte. Darauf haben sie schlichtweg keine Lust und antworten dann eben erst mal gar nicht.
Kann man das jetzt ändern?
Jaein, ist an der Stelle wohl die ehrlichste Antwort. Ein bisschen vielleicht, wenn wir ein paar Dinge mit den Teens klären. Denn wenn wir uns Sorgen um unsere Kinder machen, möchten wir, dass sie sich kurz melden. Und vielleicht kann man ihnen genau das sagen, statt sie einfach nur auszufragen.
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Weniger Aufgaben via Messenger senden, und die stattdessen im direkten Kontakt vermitteln, ist vermutlich auch eine Lösung. Und in jedem Fall Humor. Der hat sich bei mir als wirksame Reaktionsmaschine etabliert. Ein Meme oder eine witzig Nachricht sind ja auch für beide Seiten unterhaltsamer, als die Bitte, den Müll noch rauszubringen.
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