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So stellst du deinem Teenager Fragen, ohne ihn zu verhören

Sohn zeigt der ratlosen Mutter etwas am Laptop.
© Getty Images/ Westend61

Vorab im Video: Wenn Kommunikation mit Teenagern zur Herausforderung wird

Erfahre, wie du deinem Teenager Fragen stellst, die Nähe schaffen. Mit konkreten Beispielen aus dem Familienalltag.

„Wie war die Schule?“
„Gut.“
„Und sonst?“
„Nichts.“

Wer einen Teenager zu Hause hat, kennt diese (Gesprächs)Situation nur zu gut. Sie dauert maximal 10 Sekunden und fühlt sich doch eigenartig an. Man selbst ist unbefriedigt ob der schmallippigen Antworten, der Teen ist genervt, weil er sich ungerecht ausgefragt fühlt.

Dabei wollen wir Eltern doch nur verstehen, was in diesem wilden, lauten, verletzlichen Teenagerleben gerade so los ist. So wird das auf jedenfall nichts. Denn Kommunikation mit einem Teenager braucht wohl ein bisschen Fingerspitzengefühl. Aber keine Sorge, das steckt in jedem Elternteil.

Hier kommen ein paar Ideen, wie du deinem Teenager Fragen stellst, ohne dass er innerlich die Tür zuschlägt.

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Vermeide Kontrollfragen

Teenager haben ein sehr feines Gespür für (vermeintlich) versteckte Botschaften. Fragen die Eltern z.B. „Hast du deine Hausaufgaben gemacht?“, „Mit wem warst du unterwegs?“ oder „Warum antwortest du nicht?“ meinen sie das vielleicht neutral, in den Ohren eines Teens klingen sie aber nach Kontrolle. Und das triggert Widerstand.

Fragen sollten also besser offen gelassen werden und keine Wertung beinhalten. Frag also zum Beispiel: „Was war heute entspannt für dich?“ Eine offene Frage, die hoffentlich eine offenere Antwort fördert.

Frag nicht, wenn du die Antwort kennst

Eigentlich weißt du schon, dass dein Teen zu spät war, dass die Mathearbeit in die Hose gegangen ist oder dass es Streit mit der besten Freundin gab und trotzdem fragst du: „Und? Was gibt’s neues?“

Das ist ein Fehler. Auch wenn diese Frage neutral klingt, weil sie alles bedeuten kann, so kommt bei deinem Teenager ein Vorwurf an. Sei ehrlich zu deinem Kind und lass es wissen, was du weißt. Aber das du fragst, weil du helfen möchtest: „Ich hab gehört, Mathe lief nicht so gut. Magst du erzählen, was los war?“

Deine Ehrlichkeit vermittelt deinem Kind, dass du es respektierst. Mit ein bisschen Glück bekommst du auch eine ehrliche Antwort.

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Verzichte auf frontale Gespräche

Nach der Schule beim Mittagessen oder abends am Tisch, oft versuchen wir Eltern, in diesen spärlich gesähten gemeinsamen Momenten zu erfahren, wie es unseren Kindern geht. Das klappt aber nur selten bis nie, weil die Situation dem Kind unangenehm ist. Man sitzt sich gegenüber, es ist still, alle Augen sind aufs Kind gerichtet. Sich zu öffnen, kann da extrem schwerfallen.

Besser funktioniert es, wenn die Unterhaltung nebenbei passiert – bei der Autofahrt zum Sport, bei einem kurzen Spaziergang oder abends auf der Couch zwischen der Tagesschau und einer Serie. Solche Situationen fühlen sich weniger erdrückend an, der direkte Augenkontakt fällt weg und vieles erzählt sich so leichter.

Frag indirekt nach Gefühlen

Teenager machen vieles mit sich oder ihren Freunden aus. Mit den Eltern reden sie nur verhalten über Gefühle. Deshalb kann eine Frage wie „Wie fühlst du dich damit?“ sie abschrecken.

Einfacher macht man es ihnen, wenn man ihnen ein wenig Orientierung gibt, und bspw. fragt: „War das eher nervig oder nur anstrengend?“ oder „Auf einer Skala von 1 bis 10, wie blöd war’s?“ Man signalisiert so bereits Verständnis und das kann helfen, eine richtige Antwort zu bekommen.

Halte Stille aus

Das ist wohl eine der schwersten Aufgaben für die meisten Menschen, nicht nur für Eltern von Teenagern. Denn oft fällt es uns enorm schwer, wenn niemand etwas sagt. Deshalb stellen wir gerne Fragen. Und antwortet unser Teen nicht, stellen wir die Frage noch mal, nur anders formuliert.

Aber genau das erhöht den Druck. Dabei ist seine Stille in der Regel gar kein Widerstand, sondern Verarbeitung. Gib deinem Kind deshalb Zeit, wenn du eine Frage gestellt hast. Halte die 5, 10 oder auch 20 Sekunden Schweigen aus. Und schau, was dann passiert.

Verzichte auf Sofort-Lösungen

Es ist ganz normal, dass wir unseren Kindern helfen wollen, wenn sie traurig, enttäuscht oder auch wütend (auf jemand anderen als uns) sind. Aber wenn wir immer und sofort eine vermeintliche Lösung bereit halten, ist nicht nur das Gespräch sofort beendet, sondern wir rauben unserem Kind die Möglichkeit, sich selbst zu helfen.

Ein Beispiel:
Das Kind ärgert sich über den Schultag und sagt: „Die Bio-Lehrerin ist voll unfair.“ Statt sowas zu sagen wie, „dann lern fleißig und zeig ihr, dass du mehr drauf hast.“ reagiere empathischer. Sag, „Das klingt echt frustrierend.“ und hilf deinem Kind, seine Unzufriedenheit zu verstehen. Mehr musst du nicht tun. Dein Kind aber wird vermutlich mehr erzählen.

Achte aufs Timing

Es gibt Momente, da ist kein Teenager der Welt zugänglich. In der Regel ist das:

  • unmittelbar nach der Schule,
  • wenn Freund*innen zu Besuch sind,
  • während er oder sie am PC oder der Konsole zockt
  • und kurz vorm Einschlafen bzw. früh am Morgen.

Das ‚richtige‘ Zeitfenster zu finden, ist vermutlich eine Wissenschaft für sich. Ich hab gelernt, es öffnet sich oft dann, wenn ich nichts erwarte.

Respektiere ein Nein

Sprichst du deinen Teenager an und er sagt gerade heraus, dass er nicht mit dir darüber reden möchte, dann ist das schwer und tut im elterlichen Herzen weh, akzeptieren müssen wir diese Antwort trotzdem. Das einzige, was man in dieser Situation antworten sollte ist, „Okay. Wenn du doch willst, bin ich da.“

Das signalisiert Vertrauen und Respekt. Und genau deshalb kommen die meisten Teenager später zurück.

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5 Fragen, die fast immer funktionieren

Als Eltern will man sich sicher sein können, dass es dem eignen Kind emotional und körperlich gut geht. Und deshalb fragt man. Wenn du also demnächst nach einem Gesprächsöffner suchst, der nicht gleich nach Verhör klingt, versuch es mal mit einer dieser fünf Fragen:

  • Was hat dich heute überrascht?
  • Gab es einen Moment, in dem du dachtest: Echt jetzt?
  • Was war heute komplett unnötig?
  • Worauf freust du dich diese Woche?
  • Was würde deinen Tag morgen besser machen?

Teenager spüren Druck, sie fühlen sich bewertet und manchmal fühlen sie sich von ihren Eltern kontrolliert. Aber wenn du Fragen stellst, um dein Kind besser zu verstehen, verändert sich etwas. Und irgendwann sitzt ihr im Auto, schaut beide nach vorn, und dein Teenager erzählt. Ganz freiwillig und ohne, dass du nachhaken musstest.

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