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Dieser Erziehungsfehler bringt fast jeden Teenager gegen seine Eltern auf

Porträt eines Mädchens, das traurig und wütend in die Kamera schaut.
© Getty Images/ Halfpoint Images

Vorab im Video: Wenn Kommunikation mit Teenagern zur Herausforderung wird

Lies hier, warum Teenager ein strenges Regime ablehnen und Eltern brauchen, die sie ein bisschen wie Coaches behandeln.

Wer versucht, seinen Teenager in der Pubertät mit Kontrolle und engen Regeln zu ‚managen‘ wird schnell scheitern. Mitten in der Pubertät funktionieren die Gehirne unserer Kinder nämlich anders. Es braucht deshalb weniger Macht und mehr Haltung, weniger Kontrolle und mehr Coaching, wenn es darum geht, (s)einen Teen zu erziehen.

Lesetipp: Warum gesunde Erziehung nicht immer harmonisch verläuft

Was bedeutet Coaching?

Keine Sorge, Coaching bedeutet nicht, dass ihr euren Teen sehenden Auges ins Unglück laufen lasst und es bedeutet auch nicht, ihm alles zu erlauben. Viel mehr steckt dahinter, dass ihr euer Kind dabei begleitet, schrittweise mehr Verantwortung zu übernehmen.

Um es mal konkret an einem Beispiel zu benennen:
Angenommen der Teen kommt spät, vielleicht auch zu spät, nach Hause. Da ist man schnell dabei, das Fragenfeuerwerk abzufeuern: „Wo warst du? Mit wem warst du unterwegs? Warum kommst du so spät?“

Alle diese Fragen schreien danach, dass du die Kontrolle haben willst, danach, den Teenager zu verhören. Hier mit einer ’normalen‘ und ehrlichen Antwort zu rechnen, ist vergebens. Eher wahrscheinlich ist, dass das Kind abblockt und sich einfach zurückzieht.

Lies auch: So stellst du deinem Teenager Fragen, ohne ihn zu verhören

Besser, man begegnet dem Kind offen und fragt, „Was war heute los? Gab es etwas, das dich besonders gefordert hat?“ Der große Unterschied hier ist, dass die Fragen das Kind zum Reflektieren annimieren. Sie setzen ihm nicht die Pistole auf die Brust und bauen keinen Druck auf. Stattdessen implizieren sie echtes Interesse und auch Verständnis.

Der Perspektivwechsel

Manchmal hilft es uns Eltern, zu begreifen, dass das Kind gar nicht mehr so klein ist, wenn wir uns selbst daran erinnert, wie ‚groß und erwachsen‘ wir uns mit 14, 15 oder 16 Jahren schon vorgekommen sind. Was wir uns selbst zugetraut haben und an welchen Stellen es uns sehr unangenehm war, wenn die Eltern dazwischen gefunkt haben.

Statt also weiterhin das Kind, das sich schon groß fühlt und so wahrgenommen werden möchte, zu überwachen, korrigieren oder Dinge für es zu organisieren, sollten wir ihm helfen, eigene Entscheidungen zu treffen.

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Gib deinem Teenager also viel öfter einfach mal Feedback, statt bloßer Anweisungen. Stell ihm Fragen, die ihm helfen, selbst eine Lösung zu finden, lass Fehler zu und hilf ihm, herauszufinden, warum sie passiert sind.

Entwicklungsgespräche

Im Job kennen wir Entwicklungsgespräche, die Mitarbeitenden helfen sollen, ihre Potenziale auszuschöpfen und Chef*innen deutlich machen, wo Mitarbeitende stehen, was gut und was weniger gut läuft. Alles mit dem Zweck, Firma/ Betrieb, Chefetage und Mitarbeitende möglichst zufrieden zu machen.

Auch in der Erziehung von Teenagern sind genau solche Entwicklungsgespräche effizient. Das heißt, man setzt sich regelmäßig mit dem Kind zusammen, bevor oder ohne dass es knallt und beugt so eventuell Auseinandersetzungen vor.

Idealerweise führt man das Gespräch, anders als im Job, nicht frontal, sondern schön entspannt und ganz nebenbei – bei einem Besuch im Café, bei einem Spaziergang oder auf einer Autofahrt. Sprecht bspw. über diese drei Fragen:

  • Was lief in den letzten Wochen besonders gut bei dir?
  • Wo hast du gemerkt, dass du über dich hinausgewachsen bist?
  • Wo brauchst du gerade Unterstützung?

Der Fokus liegt so nicht bei der Fehlersuche, sondern trainiert die Selbstwahrnehmung. Und hilft dem Teenager dabei, die eigene Identität zu finden.

Grenzen bleiben wichtig

Seinen Teenager im weitesten Sinne zu coachen, bedeutet natürlich nicht, ihn einfach losziehen und machen zu lassen. Das Gegenteil ist eher der Fall. Denn Teenager brauchen Grenzen, um sich orientieren zu können. Auch wenn sie diese regelmäßig hinterfragen.

Übrigens: Wenn Teenager nicht aufräumen, ist das für Eltern ein gutes Zeichen

Manchmal wird man als Eltern konsequent sein müssen, manchmal wird man Kompromisse mit dem Teenager treffen müssen. Wichtig ist, dass Grenzen nicht einfach nur existieren, sondern das Teenager ihre Bedeutung begreifen.

Sätze wie, „Weil ich es sage“ oder „Das ist nun mal so“ schaffen das nicht. Aber Sätze wie, „Ich möchte, dass du sicher nach Hause kommst. Deshalb ist es mir wichtig, dass wir eine Uhrzeit vereinbaren, mit der wir beide leben können“, schon.

Angst ist ein schlechter Berater

So sehr wir unserem Teenager und seinen Entscheidungen vertrauen wollen, die Angst schwingt immer mit. Die Angst vor falschen, unehrlichen Freund*innen, die Angst vor digitalen Risiken oder die Angst vor Abstürzen. Aber Angst ist immer ein schlechter Berater, denn sie lässt uns zu kleinen Kontrollfreaks werden.

Coachen wir unser Kind hingegen, Probleme selbst zu lösen, zu reflektieren, Verantwortung zu übernehmen und auf seine Fähigkeiten zu vertrauen, helfen wir ihm auch, bessere Entscheidungen zu treffen.

Im Prinzip ist Erziehung in der Pubertät mehr Begleitung als Machtausübung. Und wenn man das verstanden hat, ist alles andere fast ein Klacks.

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