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‚Teen-ternity‘: Dieser neue Erziehungstrend wirft eine wichtige Frage auf

Porträt von Mutter und Sohn. Beide sitzen auf dem Boden vor einer weißen Wand, die Mutter schaut in die Kamera, der Sohn schaut seine Mutter an.
© Getty Images/ Heide Benser

Vorab im Video: So verbesserst du die Beziehung zu deinem Teenager

Hilft es der Beziehung zum Teenager, wenn man als Eltern weniger arbeitet, um mehr zu Hause zu sein?

Als ich zum ersten Mal von dem, natürlich über Social Media populär gewordenen, Trend ‚Teen-ternity‚ gehört habe, musste ich sofort schmunzeln. Zusammengesetzt aus den beiden englischen Worten ‚Teenager‘ und ‚Maternity (leave)‘ meint die Wortneuschöpfung grob übersetzt nämlich: Teenager-Elternzeit.

Ganz genau. So, wie viele Eltern nach der Geburt ihres Kindes Elternzeit nehmen und/oder beruflich kürzertreten, entscheiden sich heute scheinbar Eltern von Teenagern dafür, bewusst weniger oder sogar gar nicht zu arbeiten, um mehr Zeit für ihren oder ihre Teenager zu haben.

Klingt in meinen Ohren anders wild und irgendwie paradox. Denn Teenager sind Meister darin, ganz viel Zeit ohne ihre Eltern und lieber hinter verschlossenen Zimmertüren zu verbringen. Und doch ist an dem Trend was dran, über das es sich lohnt, nachzudenken.

Teenager wirken selbstständig, sind es aber oft noch nicht

In Sachen Freizeit, Schule oder allgemein der Organisation ihres Alltags haben wir Eltern nicht mehr viel zu tun, denn der Teenager wuppt das meiste alleine. Hier und da darf man bei Kleinigkeiten mitwirken, im Großen und Ganzen scheint es aber so, braucht ein Teenager seine Eltern immer weniger.

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Entwicklungspsycholog*innen sehen das ein klitzekleines Bisschen anders. Let me explain: In der Pubertät ändert sich extrem viel für unsere Kinder. Sie entwickeln ihre eigene Identität, lösen sich dafür vom Elternhaus, ihre Freundschaften verändern sich, der gesellschaftliche, aber auch soziale Druck auf sie verändert sich, vielleicht verlieben sie sich zum ersten Mal und all das benötigt vielleicht weniger die Anwesenheit von Eltern. Aber dennoch ganz viel emotionale Unterstützung durch sie.

Auch wenn sie oft und öfter auf Distanz gehen, so brauchen unsere Teenager uns vor allem als sicheren Hafen. Wir sollten auch jetzt noch für unsere Kinder der Ort sein, an dem sie einfach sein können und alle Gefühle Platz haben, gute wie schlechte. Sie müssen zu jederzeit wissen, dass wir immer für sie da sind.

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Ist weniger Arbeiten dafür die Lösung?

Weniger Arbeit ist aber nicht das Mittel, um ihnen emotionale Sicherheit zu vermitteln. Ich finde es sogar ein bisschen schwierig, dass ‚Teen-ternity‘ den Eindruck vermittelt, gute Teenagereltern müssten beruflich zurücktreten, um ihrem Erziehungsauftrag gerecht werden zu können.

Steigende Lebensmittel- oder Benzinpreise, hohe Mieten und andere finanzielle Verpflichtungen machen es vielen Familien gar nicht möglich, ganz oder zu Teilen auf ein Gehalt zu verzichten. Für Alleinerziehende ist das schon gar keine Option.

Und selbst wenn es rein finanziell möglich ist, bedeutet Zeit ja nicht automatisch Nähe. Nur weil jemand zu Hause ist, geht es einem Teenager ja nicht direkt besser. Entscheidend ist oft etwas anderes.

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Qualität vor Quantität

In der Pubertät geht es nicht darum, möglichst viele Stunden gemeinsam zu verbringen. Die wenigsten Teenager möchten nämlich 24/7 bei ihren Eltern sein. Es geht vielmehr um Verlässlichkeit. Teenager wollen sich ernstgenommen fühlen, sie wollen gehört werden und sie brauchen das Gefühl, dass sie sich ihren Eltern anvertrauen können, wenn sie das möchten.

Die emotionale Verfügbarkeit von Eltern ist deshalb viel wichtiger als ihre physische Anwesenheit. Eltern, die echtes Interesse zeigen, zuhören und präsent sind, wenn der Teen sie braucht, sind entscheidend. Und dafür reichen manchmal 10 Minuten am Abend oder auch nur 5 Minuten beim gemeinsamen Essen.

Gewusst? Teenager streiten nur mit Eltern, denen sie wirklich vertrauen

Genau diese kleinen Momente, die nebenbei entstehen, lassen sich nicht planen. Sie werden auch nicht mehr, nur weil Mama oder Papa auf dem Sofa sitzt und darauf wartet, dass der Teen dazustößt. Sie sind aber ganz entscheidend für das Wohlbefinden eines Teenagers.

Der Kern von Teen-ternity

Auch wenn ich skeptisch bin, was den Trend an sich betrifft, dass Eltern weniger Arbeiten um (theoretisch) mehr bei ihrem heranwachsenden Kind zu sein, so trifft die Idee dahinter trotzdem einen Nerv.

Denn Pubertät bedeutet nicht, dass Eltern überflüssig sind. Jugendliche brauchen ihre wichtigsten Bezugspersonen auch weiterhin, denn sie bedeuten Schutz und Geborgenheit. Und genau deshalb sollte es nicht um weniger Arbeit gehen, sondern um mehr bewusste Zeit füreinander.

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