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6 Dinge, bei denen wir Teenager völlig unterschätzen

Porträt eines Teenagerjungen.
© Getty Images/ kate_sept2004

Vorab im Video: Warum die Hochphase der Pubertät so anstrengend ist

Teenager sind gar nicht so unorganisiert und unzuverlässig, wie wir Eltern oft glauben. Wir müssen ihnen nur viel mehr zutrauen.

Ich weiß, dass meine Kinder (13, 16) keine kleinen Kinder mehr sind. Aber ich merke immer wieder, wie schwer es mir fällt, meinen Blick mit ihnen wachsen zu lassen. Was ich meine, ist, dass ich ihnen gewisse Dinge nicht zutraue. Gar nicht, weil ich denke, sie könnten das nicht schaffen, sondern, weil ich sie oft noch als die Kinder sehe, die sie mal waren.

Dabei können Teenager oft viel mehr, als wir Eltern ihnen zutrauen. Manchmal müssen wir ihnen einfach die Gelegenheit geben, es zu beweisen.

Lies auch: 7 Erfahrungen, die Teenager alleine machen müssen

1. Sie können deutlich mehr Verantwortung übernehmen, als wir ihnen geben

Ich beschwere mich gerne bei meinen Kindern, dass sie dieses und jenes nicht gemacht haben. Dabei geht es um Kleinigkeiten wie die Spülmaschine ausräumen, das Kochen oder den Abwasch. Oft erledige ich dann die Dinge.

Dabei könnten meine Kinder längst den Wocheneinkauf mitplanen, selbst Kochen, die Wäsche erledigen oder ihre Termine selbst planen. Aber viel zu oft nehme ich ihnen die Aufgaben ab, weil es schneller geht.

Ein wahrer Teufelskreis, denn Selbstständigkeit entsteht nur, wenn man die Möglichkeit hat, es selbst zu machen. Jeder Handgriff, den ich übernehme, ist eine Gelegenheit weniger für sie, Verantwortung zu lernen. >> Mehr dazu liest du hier: Solange wir Eltern das tun, übernehmen Teenager zu Hause keine Verantwortung

2. Sie lösen erstaunlich viele Probleme selbst

Sobald mir eines meiner Kinder von Problemen mit Freund*innen erzählt hat oder es mal Zoff in der Klasse gab, hat es in meinem Kopf gerattert. Ich wollte mit einer Lösung aufwarten können.

Aber das wollen meine Kinder oft gar nicht. Sie erzählen mir davon, weil sie wollen, dass ich zuhöre, eventuell ihre Gedanken mit ihnen ordne und sie dabei unterstütze, das Problem selbst zu lösen. Komme ich nämlich mit dem vermeintlichen Problemlöser um die Ecke, sind sie ganz schnell wieder weg.

Und ja, es gibt auch bei ihnen noch Situationen, in denen wirklich das Eingreifen eines Erwachsenen erforderlich ist. Aber alltägliche Konflikte mit Freund*innen, Lehrer*innen oder Organisatorischem, können und müssen sie alleine bewältigen. Wenn wir Eltern nämlich versuchen, jedes Problem aus dem Weg zu räumen, nehmen wir ihnen ja die Chance, sich selbst zu beweisen.

Übrigens: Teenager streiten nur mit Eltern, denen sie wirklich vertrauen

3. Sie beobachten uns viel genauer, als sie zugeben

Oft hab ich das Gefühl, meine Worte prallen regelrecht an meinen Kindern ab. Egal was ich sage oder manchmal fordere, keine Reaktion. Was mir aber auch aufgefallen ist, meine Kinder beobachten uns Eltern ganz genau.

Sie sehen, wie wir in stressigen Situationen reagieren, wie wir uns beieinander entschuldigen und auch, wie wir Fehler machen und damit umgehen. Und auch wie wir mit anderen Menschen umgehen, beobachten sie sehr genau.

Meine Teenager hören mir also weniger zu als mir lieb ist, aber sie lernen dennoch aus meinem, unserem Verhalten.

4. Sie können mehr organisieren, als wir denken

Das Aufräumen des Zimmers, Termine, Geburtstage, ich weiß nicht, wie es bei euch zu Hause läuft, aber ich höre mich ständig Erinnerungen an meine Kinder aussprechen. Und sehr oft frage ich mich, ob ich das vielleicht zu früh gemacht habe, weil sie ja vielleicht doch selber daran gedacht hätten.

Sich zu organisieren muss man nämlich lernen. Und wenn ich immer an alles erinnere, muss das ja niemand selber machen. Mit Sicherheit wird so ein Termin verpasst, eine Abgabefrist verstreicht oder ein Geburtstagsgeschenk muss last minute besorgt werden, aber schlimm ist das nicht. Im Gegenteil. Es ist ein Lerneffekt.

5. Sie denken länger über Kritik nach, als sie zeigen

Wenn ich meinen Teenagern einen Hinweis gebe, reagieren sie oft mit einem ‚Okay‘, ziehen von dannen und lassen mich mit dem Gefühl zurück, dass das, was ich gesagt habe, nicht wirklich gehört wurde. Allerdings habe ich mich schon öfter getäuscht. Denn auch, wenn sie im Moment kaum bis gar nicht reagieren, arbeitet es oft in ihnen.

Lesetipp: Kritik formulieren, die dein Teenager annimmt: So geht’s

Und manchmal kommen sie dann zwei Tage später und wollen darüber sprechen. Sie haben einfach nur Zeit gebraucht, ihre Gedanken dazu zu sortieren.

6. Sie merken sofort, ob wir ihnen etwas wirklich zutrauen

Es gibt einen großen Unterschied zwischen Unterstützung und Kontrolle und Teenager haben ein feines Gespür dafür. Wenn wir Eltern nämlich jede Kleinigkeit überprüfen, ihre Entscheidungen immer wieder hinterfragen und vielleicht auch zu oft kontrollieren, senden wir die Botschaft, dass wir nicht glauben, dass sie das alleine packen. Was oft darin endet, dass der Teen frustriert aufgibt.

Dabei bedeutet Vertrauen gar nicht, alles einfach laufen zu lassen, aber schon, das Kind einfach mal machen zu lassen, auch wenn es dann schiefgeht. Ich habe nämlich gemerkt, wenn ich meinen Kindern ehrlich etwas zutraue und nicht dazwischenfunke, dann trauen sie sich selbst mehr zu und wachsen immer ein Stück über sich hinaus.

Sie brauchen Chancen, sich auszuprobieren

Meine Kinder sind einfach nicht mehr klein. Sie brauchen mich nicht mehr als ihre Problemlöserin. Was nicht heißt, dass ich mich nicht trotzdem manchmal einmische, aber ich versuche mich immer öfter daran zu erinnern, dass Erwachsenwerden nicht von heute auf morgen passiert.

Je älter die beiden werden, desto weniger geht es darum, ihr Leben zu organisieren. Es geht mehr darum, ihnen das Vertrauen zu geben, dass sie ihr Leben immer öfter selbst organisieren können.

Ich hau mir deshalb mittlerweile selbst innerlich auf die Finger, wenn ich mich frage, ob meine Teenager das schon können. Besser ist nämlich die Frage: Habe ich ihnen schon die Chance gegeben, es zu probieren?

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