Der kleinen Schwester das Handy wegnehmen, fiese Bemerkungen über die Lieblingsserie des kleinen Bruders machen oder ständig Grimassen ziehen, wenn er oder sie etwas sagt. So ein großes Teenager-Geschwisterkind kann ganz schön fies sein. Und am liebsten stänkern und ärgern die Großen so lange, bis die Kleinen explodieren.
Aber warum? Warum bringen ältere (Teenager-) Geschwister ihre kleinen Brüder oder Schwestern am liebsten zum Schreien und Toben?
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Grenzen innerhalb der Familie
In der Pubertät entwickeln Teenager ihre eigene Identität, lösen sich von ihren Eltern und suchen nach ihrem Platz in der Welt. Dabei werden auch Beziehungen neu sortiert, sowohl im Freundeskreis als auch in der Familie. Und hier geht es mit Geschwistern immer auch um Machtverhältnisse. Provoziert ein Teen sein jüngeres Geschwisterkind, will er zeigen, dass er der stärkere ist und stichelt so lange, bis er eine Reaktion erhält.
Und jüngere Geschwister sind ein leichtes Ziel. Ihre großen Brüder und Schwestern wissen sehr genau, wie sie welche Reaktion auslösen können.
Kleine Geschwister reagieren zuverlässig
Geschwister kennen sich oft besser als jeder andere Mensch. Sie wissen bei welchen Themen der oder die andere empfindlich reagiert, welche Wörter sofort eine Reaktion triggern und welche Gegenstände dem anderen heilig sind. Auch Ängste oder Unsicherheiten nehmen sie zuverlässig wahr.
Und das ist der Grund, warum Provokationen unter Geschwistern sofort funktionieren. Und warum Teenager bevorzugt ihre jüngeren Geschwister ärgern. Oft reicht bei ihnen schon ein einziger Satz, um eine Reaktion zu bekommen. Und die finden sie meist sehr unterhaltsam.
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Es geht nicht nur darum, gemein zu sein
Als Eltern empfindet man die Sticheleien des älteren Kindes oft als besonders gemein. Und das sind sie zuweilen auch. Teenager sind zu ihren Geschwistern oft aus zweierlei Gründen so fies.
Zum einen wissen sie, dass, egal was sie sagen, der kleine Bruder oder die kleine Schwester nicht weggehen wird und den Kontakt abbricht. So, wie es beispielsweise bei Freund*innen passieren könnte, wenn die genug haben von den Sticheleien. Zum anderen, weil das ihre Methode ist, mit eigenem Frust, Kummer, Stress oder Unsicherheiten umzugehen. Oft können Teenager ihre eigenen Gefühle nämlich noch nicht so gut regulieren.
Das entschuldigt die fiesen Sticheleien natürlich nicht, erklärt sie aber.
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Typisch Geschwister
Ein Teenager mag vielleicht 15 oder 16 Jahre alt sein und kann sich mit seinen Freundinnen und Freunden wunderbar unterhalten, mit seinem jüngeren Geschwisterkind wird er trotzdem streiten, als sei er erst sieben oder acht Jahre alt. Und zwar deshalb, weil er seit Jahren der (oder die) Große ist, aufpasst und den Ton vorgibt. Große Geschwister reagieren deshalb nicht auf eine aktuelle Situation, sondern immer auch auf die gesamte gemeinsame Geschichte der letzten Jahre.
Und da gab es gewiss einiges, was die beiden hat streiten lassen.
Es geht auch um Aufmerksamkeit
In der Teenagerzeit ziehen sich viele Jugendliche immer mehr zurück und gehen auf Abstand zu den Eltern. Trotzdem brauchen sie weiterhin Aufmerksamkeit, Nähe und Bestätigung. Dreht sich der Familienalltag also viel um ein jüngeres Geschwisterkind, kann beim älteren das Gefühl entstehen, ständig zurückstecken zu müssen. Nicht jeder Teenager spricht das aus.
Stattdessen suchen sie sich indirekte Wege, um auch mal im Mittelpunkt zu stehen. Selbst dann, wenn die Aufmerksamkeit negativ ausfällt.
Geschwisterstreit ist wichtig
Niemand streitet gern, und doch ist es wichtig, dass Kinder lernen sich zu streiten. Denn Konflikte haben eine wichtige soziale Funktion. Kinder lernen beim Streiten, ihre eigenen Grenzen zu setzen und Grenzen anderer zu akzeptieren, sie lernen Kompromisse zu machen und immer auch ein bisschen Empathie.
Wichtig ist, dass der Konflikt nicht dauerhaft verletzend oder gar aggressiv ausgetragen wird. Aber gelegentliche Reibereien unter Geschwistern gehören dazu und sind nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass in der Familie etwas nicht stimmt oder die beiden sich abgrundtief hassen.
Ausführlichere Informationen dazu, warum Streit für Geschwister so wichtig ist und wann Eltern eingreifen sollten, findest du hier.
Das Wichtigste zum Schluss
Teenager provozieren ihre kleinen Geschwister, dahinter steckt aber kein großer böser Masterplan. Oft treffen mehrere Dinge zusammen: die Suche nach der eigenen Identität, Stress, Familienrollen, der Wunsch nach Aufmerksamkeit und der einfache Fakt, dass Geschwister immer eine zuverlässige Reaktion auf kleine Hänseleien liefern.
Das ist für Eltern anstrengend, ja. Häufig geht es dem Streitsuchenden aber nicht darum, seinem jüngeren Geschwisterkind zu schaden, sondern mit den eigenen Gefühlen, Unsicherheiten und Veränderungen zurechtzukommen.
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