Gebärmutterhalskrebs ist eine der wenigen Krebsarten, bei denen wir durch regelmäßige Früherkennung frühzeitig reagieren und mit der HPV-Impfung vorbeugen können.
Dennoch ist das Wissen um HPV erschreckend gering, wie die aktuelle Befragung der Initiative ENTSCHIEDEN. Gegen Krebs. zeigt: So hat ein Drittel der 18- bis 19-Jährigen noch nie von HPV gehört. Nur etwa die Hälfte der Frauen weiß, dass HPV sexuell übertragbar ist. Da sich die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens mit HPV infizieren, ist der Bedarf an Aufklärung dementsprechend groß.
Grund genug also, für mehr Awareness zu sorgen. Wir sprachen deshalb mit der Autorin, Moderatorin und Influencerin Louisa Dellert über HPV, Dr. Google und wie wichtig es ist, offen über Dinge wie HPV, Vorsorge und Frauengesundheit zu sprechen.
Ich weiß noch, dass ich früher mit dem Begriff HPV nicht wirklich etwas anfangen konnte. Wie ging es dir, als du von dem Ergebnis erfahren hast?
Louisa Dellert: „Als der Brief mit dem HPV-positiven Befund bei mir ankam, wusste ich ehrlich gesagt gar nicht, was das bedeutet. Ich konnte niemanden in der Praxis erreichen und habe dann gegoogelt, danach war ich eher überfordert als informiert. Hätte ich vorher gewusst, wie verbreitet HPV ist und was das konkret heißt, hätte ich damit ganz anders umgehen können. Ich hab mich erstmal super hilflos gefühlt und geweint.“
Oftmals ist man unter Schock und denkt, HPV bedeutet direkt, dass man Krebs haben könnte. Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht und wenn ja welche?
Louisa Dellert: „Die erste Phase war auch für mich total verunsichernd. Man bekommt einen Brief, ein Ergebnis, versteht es nicht richtig und steht erstmal alleine damit da – es war Wochenende, die Praxis hatte zu und mir kam schnell Angst auf. Dann steht man da und kann niemand anderen ausser Dr. Google fragen, was natürlich super kontraproduktiv ist. Genau deshalb finde ich es so wichtig, dass wir offener darüber sprechen und besser aufklären.“
Wo bekommt man gute Infos, also im Idealfall natürlich bei der behandelnden Gynäkologin oder dem Gynäkologen. Aber wo noch, wenn man dort eben kaum Infos bekommt?
Louisa Dellert: „Im Idealfall natürlich in der behandelnden Praxis. Aber ich finde es genauso wichtig, dass wir uns untereinander austauschen und offen über Erfahrungen sprechen. Gleichzeitig würde ich immer dazu raten, bei Unsicherheiten nochmal gezielt bei medizinischem Fachpersonal nachzufragen, statt sich nur auf Internetrecherche zu verlassen.“
Es gibt noch einen zweiten Aspekt, wenn es um HPV geht: Viele Menschen wissen wenig darüber, und wenn, dann meist nur bestimmte Mythen. So z.B. dass man ein aussachweifendes Sexleben haben muss, um HPV zu bekommen. Kannst du näher erklären, warum das natürlich Blödsinn ist?
Louisa Dellert: „HPV betrifft fast alle irgendwann im Leben. Es hat nichts mit einem bestimmten Lebensstil zu tun. Diese Stigmatisierung ist total fehl am Platz und sorgt nur dafür, dass sich Menschen schämen und genau diese Scham ist einfach Quatsch!“
Wie verhält man sich nach der Diagnose: Stichwort Schutz vor Ansteckung beim Sex. Wie schützt man seinen Partner bzw. seine Partnerin?
Louisa Dellert: „Ich glaube, das Wichtigste ist, offen damit umzugehen und sich nicht zu schämen. Kommunikation, Aufklärung und ein bewusster Umgang sind entscheidend.“
Du machst dich auf deinem Instagram Kanal stark gegen Bodyshaming, für einen gesunden Umgang mit dem eigenen Körper. Dort habe ich auch deine aufklärende Story zum Thema HPV gesehen. Welche Resonanz hast du von deiner Community bekommen, was das Thema HPV angeht?
Louisa Dellert: „Das Feedback war unglaublich lieb und durchweg positiv – ich war total happy zu sehen, dass ich nicht allein bin mit dem Thema.“
Das Thema weiblicher Körper und weibliche Sexualität ist ja noch recht schambehaftet. Deshalb ist es so gut, dass du das Thema ohne Tabu und offen ansprichst. Musstest du erst lernen, so entspannt damit umzugehen?
Louisa Dellert: „Auch ich habe lange gebraucht und lerne hier und da immer noch mich für vieles nicht zu schämen.“
Ich danke jeder Person, die sich traut, auf Social Media offen und ehrlich über ihre Gesundheit zu sprechen. Es erfordert Mut, weil man dafür auch ver- und beurteilt wird. Ich persönlich erhoffe mir durch die öffentliche Aufklärung, dass mehr Frauen, aber auch Männer mit dem Thema in Berührung kommen und sich über HPV informieren. Je mehr wir über Gesundheitsthemen wissen, desto besser können wir Entscheidungen für unsere Gesundheitsvorsorge treffen. Je offener wir sind, desto normaler wird’s. – Louisa Dellert
Dass das Wissen um den eigenen Körper wie das Beispiel HPV zeigt, oft fehlt (auch seitens der Ärzt*innen) zeugt auch von fehlender Gendermedizin. Frauen wurden lange Zeit als kleine Männer angesehen, was Studien, Medikamente usw. angeht. Was würdest du dir hier wünschen, was müsste sich dringend ändern?
Louisa Dellert: „Frauengesundheit wird immer noch oft wie ein Nischenthema behandelt oder tabuisiert. Das zeigt sich an fehlenden und lückenhaften Studien rund zum weiblichen Körpern, wenn es um Medikamentenzulassungen geht. HPV ist dafür ein gutes Beispiel. Es braucht viel mehr Aufklärung und vor allem eine Selbstverständlichkeit, über diese Themen zu sprechen.“
Letzte Frage: Was ist dein Appell an alle Mädchen und Frauen in Bezug auf HPV? Gibt es etwas, was du ihnen mitgeben möchtest?
Louisa Dellert: „Lasst euch regelmäßig untersuchen, nehmt Befunde ernst und stellt lieber eine Frage mehr in der Praxis, als euch auf Google zu verlassen. Und: sprecht darüber. Je offener wir sind, desto besser können wir mit dem Thema umgehen.“
Ich bin meinem Körper dankbar, dass er mich durchs Leben trägt und finde es wichtig, dass wir uns mit regelmäßiger Gesundheitsvorsorge um ihn kümmern. – Louisa Dellert
Gynäkologin erklärt: Das sollten Frauen wissen
-> HPV wird häufig als Thema für Jugendliche wahrgenommen. Warum kann das Thema auch im Erwachsenenalter relevant sein?
Gynäkologin Dr. Nicole Mattern: „In meiner Praxis erlebe ich oft die Vorstellung, HPV betreffe nur junge Menschen. Aber sexuelle Aktivität endet ja nicht mit 18. Die Humanen Papillomviren sind für viele Erwachsene über verschiedene Lebensphasen ein stetiger Begleiter – auch unabhängig vom Beziehungsstatus.
Hinzu kommt: Von einer HPV-Infektion merkt man meist nichts und sie heilt in der Regel von selbst ab. Bleibt sie aber längerfristig bestehen, kann sie zu gewissen HPV-bedingten Zellveränderungen, Krebsvorstufen und schließlich Krebs führen. Deshalb sehen wir die medizinische Relevanz nicht selten erst im Erwachsenenalter. Genau deshalb ist regelmäßige Vorsorge so entscheidend.“
-> Wie würden Sie HPV kurz erklären – und was sollten erwachsene Frauen dazu grundsätzlich wissen?
Gynäkologin Dr. Nicole Mattern: „HPV ist ein sehr verbreitetes Virus, das vor allem durch sexuelle Kontakte übertragen wird. Die meisten Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens – oft ohne es zu merken. In vielen Fällen heilt die Infektion von selbst ab. Aber bestimmte HPV-Typen können über Jahre hinweg zu gewissen HPV-bedingten Zellveränderungen, Krebsvorstufen und schließlich Krebs entwickeln – unter anderem auch Gebärmutterhalskrebs.
Mir ist wichtig, dass Frauen wissen: Gebärmutterhalskrebs wird fast vollständig durch HPV verursacht. Auch für Erwachsene kann die HPV-Impfung noch individuell sinnvoll sein, um bestimmten HPV-bedingten Erkrankungen vorbeugen zu können.“
-> Was bedeutet „Vorsorge“ im Zusammenhang mit HPV konkret – welche Bausteine gehören aus Ihrer Sicht dazu?
Gynäkologin Dr. Nicole Mattern: „Für mich gehört zu einer Vorsorgeuntersuchung deutlich mehr als nur einen Abstrich zu machen. Es geht um ein Gespräch auf Augenhöhe: individuelle mögliche Risiken einschätzen, den Impfstatus prüfen, Fragen klären und gemeinsam informierte Entscheidungen treffen.“
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient lediglich der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Treten Unsicherheiten, dringende Fragen oder akute Beschwerden auf, solltet ihr eure Ärztin oder euren Arzt kontaktieren oder in der Apotheke um Rat fragen. Über die bundesweite Nummer 116117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst erreichbar.
