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Kind adoptieren: Ablauf, Voraussetzungen, Rechte & Pflichten in Deutschland

Familie, bestehend aus einer Mutter, einem Vater, einem Kind, die sich anlächelt und sich umarmt.
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Ein Kind adoptieren: Wie das geht und was ihr wissen müsst

So läuft eine Adoption in Deutschland ab: mit allen wichtigen Informationen zu Ablauf, Kosten, Rechten und Pflichten.

Inhaltsverzeichnis

Ein Kind zu adoptieren, ist für viele Menschen ein Herzenswunsch. Und zugleich ein Weg, der Mut, Geduld und Offenheit erfordert. Adoption bedeutet nicht nur, einem Kind ein Zuhause zu geben, sondern auch, Verantwortung für ein ganzes Leben zu übernehmen.

Wie eine Adoption in Deutschland abläuft, wer ein Kind adoptieren darf, welche Rechten und Pflichten adoptierende Eltern haben und welche Hürden es gibt, erklären wir hier Schritt für Schritt.

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Was bedeutet Adoption eigentlich?

Wer ein Kind adoptiert, wird rechtlich und sozial vollständig Mutter oder Vater dieses Kindes, mit allen Rechten und Pflichten, die auch leibliche Eltern haben.

Die rechtlichen Beziehungen zu den leiblichen Eltern enden mit der Adoption. Das Kind wird Teil der neuen Familie, mit allem, was dazugehört: Name, Unterhalt, Erbrecht, Fürsorge.

Rechtsgrundlage:
Die Adoption ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt und darf nur erfolgen, wenn sie dem Wohl des Kindes dient.

Wie läuft eine Adoption in Deutschland ab?

1. Kontakt zur Adoptionsvermittlungsstelle

Der erste Schritt führt immer zu einer Adoptionsvermittlungsstelle, meist beim örtlichen Jugendamt. Dort geht es zunächst um Beratung:

  • Was bedeutet Adoption wirklich?
  • Welche Erwartungen haben die Bewerber*innen?
  • Welche Bedürfnisse bringen Adoptivkinder oft mit?

Diese zum Teil ausführlichen Gespräche sollen helfen, eine bewusste und realistische Entscheidung zu treffen.

2. Bewerben und Eignungsprüfung

Entscheiden sich Interessierte für eine Adoption, beginnt das sogenannte Eignungsprüfungsverfahren. Dazu gehört:

  • Gespräche mit Fachkräften
  • Fragen zu Lebenssituation, Partnerschaft und Motivation
  • Gesundheits- und Führungszeugnisse
  • Einkommensnachweise

Es geht bei diesen Prüfverfahren nicht um Perfektion, sondern um Stabilität, Belastbarkeit und die Fähigkeit, einem Kind dauerhaft Sicherheit zu geben.

>> Ausführliche Informationen rund um das Thema Adoption, Voraussetzungen und Unterstützung findest du auf der Seite des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ).<<

3. Wartezeit und Vermittlung

Sind Bewerber*innen als geeignet anerkannt, beginnt oft eine längere Wartezeit. In Deutschland gibt es deutlich mehr Adoptionsbewerbungen als Kinder, die zur Adoption freigegeben werden.

Wird ein Kind vermittelt, geschieht das immer sehr sorgfältig und immer mit Blick auf das Kindeswohl.

Was ist die Adoptionspflegezeit?

Vor der endgültigen Adoption lebt das Kind zunächst ‚auf Probe‘ in der Familie. Diese Phase nennt sich Adoptionspflegezeit. Das heißt, das Kind wohnt bereits bei den zukünftigen Eltern, die Adoption ist rechtlich aber noch nicht abgeschlossen. In der Pflegezeit begleitet das Jugendamt Eltern und Kind fachlich.

Erst wenn sich zeigt, dass das Zusammenleben dauerhaft gelingt, wird die Adoption vom Familiengericht ausgesprochen.

Wer darf in Deutschland ein Kind adoptieren?

Ein Kind adoptieren können:

  • verheiratete Paare (gemeinsam)
  • einzelne Personen (Single-Adoption)

Wichtig:: Es gibt keine feste gesetzliche Altersgrenze. Entscheidender ist, ob Bewerber*innen dem Kind langfristig gerecht werden können. Das bedeutet, der Altersabstand zum Kind wird individuell geprüft.

Lies dazu auch die Broschüre des BMBFSFJ: Ein Kind adoptieren – Rechtliche Informationen und Hinweise (PDF)

Können gleichgeschlechtliche Paare ein Kind adoptieren?

Ja.

Seit der Einführung der Ehe für alle sind gleichgeschlechtliche Ehepaare rechtlich vollständig gleichgestellt:

  • Sie dürfen gemeinsam ein Kind adoptieren.
  • Sie haben dieselben Rechten und Pflichten wie heterosexuelle Ehepaare.

Welche Rechte haben Adoptiveltern?

Nach der rechtskräftigen Adoption gelten Adoptiveltern in jeder Hinsicht als Eltern des Kindes. Dazu gehört:

  • volles Sorgerecht
  • Anspruch auf Elternzeit und Elterngeld
  • Anspruch auf Kindergeld
  • Erbrecht wie bei leiblichen Kindern
  • Namensrecht (das Kind kann den Familiennamen erhalten)

Welche Pflichten gehen mit einer Adoption einher?

Adoptiveltern übernehmen dauerhaft Verantwortung, unter anderem:

  • Unterhaltspflicht
  • Fürsorge- und Erziehungspflicht
  • Schutz und Förderung des Kindes
  • Verantwortung auch über die Volljährigkeit hinaus (z. B. Unterhalt in Ausbildung)

Ihre Pflichten unterscheiden sich nicht von denen leiblicher Eltern.

Was kostet es, ein Kind zu adoptieren?

Adoptionen, die über öffentliche Jugendämter durchgeführt werden, sind in der Regel kostenfrei. Bei anerkannten, freien Trägern können Gebühren entstehen. Adoptionen im Ausland sind in der Regel mit hohen Kosten verbunden (Reisen, Übersetzungen, Verfahren).

Adoption im Ausland: Was ist wichtig?

Internationale Adoptionen unterliegen strengen Regeln, die im Haager Adoptionsübereinkommen festgehalten sind. Das dient dem Schutz von Kindern vor illegaler Vermittlung und der Zusammenarbeit.

Wer eine Adoption aus dem Ausland in Betracht zieht, sollte darauf achten, dass

  • diese nur über anerkannte Stellen abgewickelt wird
  • zusätzliche Prüfungen stattfinden
  • eine Anerkennung der Adoption in Deutschland erforderlich ist.

Eine Adoption ist kein Ersatz, sondern ein eigener Weg zu einer Familie. Sie verlangt viel Offenheit, Geduld und die Bereitschaft, sich auf ein Kind mit eigener Geschichte einzulassen.

Wichtiger Hinweis: Der Inhalt dieses Artikels dient lediglich der Information und ersetzt keine persönliche Beratung durch Adoptionsvermittlungsstellen oder rechtliche Fachberatung.

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