Aktuelle Zahlen zeigen, dass sich in Deutschland immer mehr Frauen bewusst dagegen entscheiden, Kinder zu kriegen. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von steigenden Lebenserhaltungskosten bis zu dem Wunsch nach Freiheit, Selbstverwirklichung und einem Leben, das nicht rund um die Uhr fremdbestimmt ist.
Dazu kommt, dass das Elternsein heute weniger romantisiert wird. Auf Social Media berichten Mütter und Väter offen von Schlafmangel, mentaler Überlastung und gesellschaftlichem Druck. Früher war es oft selbstverständlich, tapfer zu lächeln und bloß nicht zu klagen, aus Angst, als „schlechte Mutter“ abgestempelt zu werden.
Für mich persönlichen haben diese Faktoren meine Entscheidung, keine eigenen Kinder zu wollen, sicher untermauert. Aber der eigentliche Grund ist viel einfacher: Ich hatte noch nie einen eigenen Kinderwunsch. Während andere mit Baby-Born-Puppen Familie spielten, gehörte ich eher zum Team Barbie, die als Delfintrainerin und Popstar die Welt bereist hat. Mutterschaft stand schlichtweg nie auf meiner inneren Zukunftsliste.
Als vor ein paar Jahren in meinem Freundeskreis die ersten Schwangerschaften angekündigt wurden, war ich als Tante und Patentante plötzlich trotzdem von jede Menge Kinder umgeben. Ich liebe es! Aber eben als Tante. Nicht als Mutter. Und das sind meine 10 ganz persönlichen Gründe dafür:
1. Ich genieße die Ruhe
Kinder bedeuten Leben. Lautes Leben. Spielen, Toben, Lachen, Schreien. Sich davon auszuklinken (und sei es nur, um mal alleine auf Toilette zu gehen) ist als Elternteil zumindest in den ersten Jahren ein Ding der Unmöglichkeit. Ich bin gerne für ein paar Stunden mittendrin. Und genauso gern wieder raus.
2. Erziehungsauftrag light
Ich möchte meinem Patenkind und meiner Nichte vieles mitgeben, sie unterstützen, inspirieren und sehen, wie sie aufwachsen. Aber die richtig harten Erziehungsfragen gebe ich nur zu gerne ab.
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3. Tanten sind verdammt wichtig
Kinder brauchen neben den eigenen Eltern weitere Bezugs- und Vertrauenspersonen, an die sie sich wenden können, wenn sie zum Beispiel mal böse auf Mama und Papa sind oder ihnen in Teenagerjahren etwas unangenehm ist.
Als Tante und Patentante weiß ich um meinen besonderen Stellenwert und will den Kindern in meinem Leben stets das Gefühl vermitteln, dass ich für sie da bin.
4. „It takes a village“
Kinder großzuziehen ist in vielen Teilen Teamarbeit und deshalb bin ich froh, meinen Anteil zu leisten und meine Freund*innen und Familie zu unterstützen, wo es nur geht. Sei es, um einen Kindergeburtstag zu planen, wenn beide Elternteile mit der Grippe flachliegen, als Babysitterin einzuspringen oder mit einer großen Lasagne vor der Tür zu stehen, wenn sie zu gestresst zum Kochen sind.
5. Ich darf verwöhnen (ohne schlechtes Gewissen)
Oh, wie ich es liebe, durch niedliche Babykleidung und Spielwarenabteilungen zu stöbern. Fürs Geschenke kaufen und verwöhnen sind Tanten, Onkel und Großeltern nun mal da, oder?
6. Schlafmangel? Nein, danke
Wenn ich eine Woche nicht gut geschlafen habe (und damit meine ich 5 statt 8 Stunden), dann geht es mir wirklich gar nicht gut. Aus nächster Nähe weiß ich, dass viele Eltern davon nur träumen können und Schlafmangel nach der Geburt zum Alltag gehört.
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7. Ich werde nie zwischen Kind und Haustier entscheiden müssen
Vor der Adoption meiner Kater habe ich viele Tierheimseiten durchgeschaut und leider auch mitbekommen, dass Familien ihre Haustiere abgeben, sobald Kinder da sind. Manchmal, weil das Kind eine Allergie entwickelt hat oder weil das Tier auf diese neue Lebenssituation mit einem veränderten Verhalten reagiert hat. Ich bin unendlich froh, niemals in dieser Zwickmühle stecken zu müssen.
8. Ich darf selbst wieder Kind sein
Ich liebe es, mal wieder selbst so richtig Kind zu sein, ohne die nächsten Verantwortungen (Baden, Schlafenszeit, Hausaufgaben…) im Kopf haben zu müssen. Wenn wir in Fantasiewelten eintauchen oder Lego bauen, kann auch ich komplett abschalten und meine Sorgen für einen Moment vergessen.
9. Keine Eltern-WhatsApp-Gruppen, kein Mom-Shaming
Wenn ich mitbekomme, womit sich meine Freund*innen rumschlagen müssen, bin ich wahnsinnig froh, nicht in ihren Schuhen zu stecken. Neben dem Druck, den sich viele Eltern selber machen, kommt von außerhalb eine weitere Lawine auf sie zu: „Gut“ gemeinte Tipps von Fremden, Bewertungen von der Gesellschaft und Mom-Shaming in der Eltern-WhatsApp-Gruppe („Wie, du hast für die Kita-Feier keine 500 zucker- und glutenfreie Kekse gebacken, sondern einfach fertige gekauft?“).
10. Ich habe Kinder im Leben, ohne mich selbst zu verlieren
Ich habe Kinder in meinem Leben, ohne mich zwischen Karriere und Familie entscheiden zu müssen. Ohne Schwangerschaft, körperliche Veränderungen, ohne hormonelle Achterbahn, ohne berufliche Nachteile (allein in meinem engsten Umfeld kenne ich zwei Frauen, die direkt nach dem Mutterschutz gekündigt wurden). Darum bleibt mir nur zu sagen: Euch Eltern gilt mein größter Respekt. Wirklich.



