Veröffentlicht inFamilie, Kind & Teenager

Pubertät: Warum Teenager so oft mit „Keine Ahnung“ antworten

Gelangweile Teenager auf dem Rücksitz eines Autos.
© Getty Images/ Cavan Images

Vorab im Video: Warum dein Sohn kaum noch was sagt

Und warum das nicht gegen euch Eltern gerichtet ist.

Warum Teenager auf Fragen oft mit „Keine Ahnung“ antworten und was hinter dem vorgeschobenen Desinteresse steckt, wissen wir.

Fragt man Teenager, wie ihr Tag war, was sie essen wollen oder ob sie Lust auf einen Film haben, lautet die Antwort in den allermeisten Fällen „Keine Ahnung“. Diese zwei Worte scheinen ihre universelle Antwort auf alles zu sein. Aber warum?

Die gute Nachricht ist: Teenager sind meistens weder sprachlos noch unhöflich, wenn sie einem so antworten und richtig egal sind ihnen diese Dinge auch nicht.
Die schlechte Nachricht: Hinter diesem so einfachen Satz steckt richtig viel. Es geht um Entwicklung und Emotionen und Kommunikationsstrategien.

Hier sind die wahren Gründe, warum Teenager so oft „Keine Ahnung“ sagen:

1. „Keine Ahnung“ ist die höfliche Version von „Lass mich in Ruhe“

Aus der Erwachsenensicht wirkt so ein Teenieleben recht entspannt. Ein bisschen Schule, vielleicht ein Sportverein oder kleine Haushaltsaufgaben, aber andere Verpflichtungen haben die wenigsten Jugendlichen.

Und doch empfinden unsere Kinder es anders. Ständig will jemand was von ihnen. In der Schule sinds die Lehrer*innen, beim Sport die Trainer*innen, zu Hause die Eltern. Manchmal trifft man noch Nachbarn oder die Großeltern kommen zu Besuch und alle haben Fragen. Fragen. Fragen. Und genau die sind anstrengend für unsere Kinder. Es ist, als führten sie ein endloses Interview und haben kaum eine Möglichkeit, dem zu entkommen.

„Keine Ahnung“ ist dann eigentlich eine elegante Lösung. Denn der Satz beendet ein Gespräch in der Regel, ohne, dass man sagen muss „Ich möchte nicht drüber reden.“

Lesetipp: So stellst du deinem Teenager Fragen, ohne ihn zu verhören

2. Sie haben wirklich „Keine Ahnung“ warum sie so fühlen

Teenager sind aufgrund der Entwicklungsphase, in der sie stecken, nicht wirklich in der Lage, zu reflektieren. Der Teil in ihrem Gehirn arbeitet einfach noch nicht so zuverlässig. Ihr Gefühlszentrum auf der anderen Seite arbeitet 24/7 auf Hochtouren. Sie fühlen viel, denken schnell, aber oft fehlen ihnen die Worte dafür. Antworten sie also mit einem „Keine Ahnung“ trifft manchmal genau das zu. Sie wissen dann nicht, warum sie an dem Tag so schlecht drauf waren, warum sie plötzlich explodiert sind oder auch, warum sie sich niedergeschlagen fühlen.

3. Sie haben keine Lust auf Diskussionen

Teenager haben ein feines Gespür dafür, welche Antworten ein Gespräch verlängern, oder sogar eine Diskussion auslösen könnten. Wenn wir Eltern fragen, warum jemand zu spät nach Hause gekommen ist, warum das Zimmer aussieht wie ein Saustall oder warum die Mathearbeit so schlecht ausgefallen ist, wissen unsere Kinder: Wenn ich jetzt ausführlich antworte, kommen Nachfragen.

Und darauf haben sie keine Lust. Sie wollen nicht erklären müssen, was sie auf dem Heimweg aufgehalten hat, sie wollen keinen Vortrag zum Thema Verantwortung hören und schon gar nicht, dass sie mehr lernen müssen, wenn sie besser werden wollen in der Schule.

„Keine Ahnung“ wirkt da beinah genial als Antwort. Erstaunlich oft bewirkt der Satz nämlich, was er soll. Das Gespräch endet zeitnah.

Lies auch: Warum dein Teenager bei Kritik explodiert und wie du es besser machst

4. Sie testen ihre Unabhängigkeit

Jugendliche in der Pubertät sind auf der Suche nach ihrem Ich. Und dafür möchten sie sich von ihren Eltern lösen. Sowohl räumlich, besonders aber emotional. Deshalb schweigen sie sich auch oft über ihren Tag, ihre Erlebnisse und Gefühle aus. Sie ziehen eine Grenze zu uns Eltern. Und das fällt ihnen mit einem „Keine Ahnung“ sehr leicht.

5. Teenager führen Gespräche anders

Für unsere pubertierenden Kinder ist ein Schultag nicht einfach ein Schultag. Er besteht aus hunderten kleinen und großen Momenten, die alle verarbeitet werden müssen. Kommen die Kids also frisch aus der Schule und wir feuern unser Fragenfeuerwerk aus „Wie war’s in der Schule?“, „Was gibt’s Neues?“ und „Hast du noch viele Hausaufgaben auf?“ ab, sind sie direkt überfordert, machen dicht und antworten mit „Keine Ahnung!“

Sie brauchen nicht nur ein bisschen Zeit, um mit der Sprache rausrücken zu können, sondern bevorzugen es auch, wenn sie nicht frontal und ganz direkt angesprochen werden. Lieber öffnen sie sich auf einer Autofahrt, später am Abend oder beim Kochen nebenbei.

Lies auch: Pubertät: 7 Teenager-Sätze, die schlimm klingen, aber etwas anderes meinen

6. Manchmal sind Teens einfach nur faul

Manchmal ist die beste Erklärung für die Sprachlosigkeit unserer Kinder die einfachste: Sie haben keine Lust zu quatschen. Sie sind müde. Und wollen ihre Ruhe.

Geht uns ja auch so nach einem längeren Meeting und einem scheinbar nie enden wollenden Arbeitstag. Lassen wir uns also für den Moment von unseren Kindern abwimmeln und warten wir zur Abwechslung vielleicht darauf, dass sie auf uns zukommen. Und bis dahin genießen wir einfach die Ruhe.

Weitere Themen: