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Mein Mama-Tipp: So lernte mein Kind zu warten (und geduldiger zu sein)

Kleines Mädchen mit verschränkten Armen
© Getty Images

Vorab im Video: Erziehung ohne Drohung und Erpressung

Kinder können nicht warten. Von Geduld brauchen wir gar nicht erst zu sprechen. Doch auch die Kleinsten können lernen, dass Warten gar nicht so schlimm ist.

Es gibt diese Momente im Alltag als Mama (oder auch Papa), in denen man plötzlich merkt: Geduld ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine echte Lebensaufgabe. Zum Beispiel, wenn ich nur „Ich komme gleich“ zu meinem Kind sage und es mich anschaut, als hätte ich gerade angekündigt, für drei Wochen auf Weltreise zu gehen.

Früher war Warten für mich ehrlich gesagt kein großes Thema. Ich habe an der Supermarktkasse aufs Handy geschaut, im Café entspannt geplaudert und im Stau Musik gehört. Heute weiß ich: Mit Kind bekommt das Wort „sofort“ eine ganz neue Bedeutung. Geduld wird zu etwas, das wir beide, ich und mein Kind, erst lernen müssen.

Inzwischen sind wir ein gutes Stück weiter. Es ist nicht perfekt, aber deutlich entspannter. Und ich habe ein paar Dinge entdeckt, die bei uns wirklich funktionieren. Ohne Druck, ohne starre Regeln, dafür mit viel Alltag, ein bisschen Humor und einer großen Portion Verständnis.

Warum Warten für Kinder wirklich schwer ist

Kinder leben komplett im Moment. Für sie zählt das Jetzt, nicht das „gleich“, nicht das „in fünf Minuten“ und schon gar nicht das „wenn ich fertig bin“. Zeit ist etwas Abstraktes und kaum Greifbares. Wenn ich also sage „Warte kurz“, fühlt sich das für mein Kind eher wie „unbestimmte Ewigkeit“ an.

Mir hat es geholfen, das nicht als Trotz oder Absicht zu sehen. Geduld ist keine Charakterfrage, sondern ein Entwicklungsschritt. Kinder müssen erst lernen, Impulse auszuhalten, Bedürfnisse aufzuschieben und darauf zu vertrauen, dass ihr Moment wirklich kommt. Das ist ziemlich viel verlangt. Vor allem, wenn man erst vier Jahre alt ist und das Leben grundsätzlich jetzt stattfinden sollte.

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Mein wichtigster Trick: Warten sichtbar machen

Was bei uns einen riesigen Unterschied gemacht hat, war Zeit sichtbar zu machen. Statt vage „gleich“ zu sagen, formuliere ich konkret: „Wenn der große Zeiger oben ist, bin ich bei dir“ oder „Noch einmal das Zähneputzlied, dann gehen wir los.“

Manchmal stelle ich auch ganz klassisch einen Küchen-Timer. Dieses leise Ticken wirkt fast magisch, weil es zeigt: Es passiert etwas. Die Zeit läuft. Das Ende kommt wirklich.

Seitdem gibt es deutlich weniger Diskussionen. Nicht, weil mein Kind warten plötzlich liebt, sondern weil es versteht, wann es vorbei ist. Ein absehbares Ende fühlt sich einfach sicherer an.

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Kleine Warte-Momente bewusst üben

Geduld entsteht nicht durch große Reden, sondern im ganz normalen Alltag. Ich baue deshalb kleine Situationen ein, in denen mein Kind kurz warten muss. Aber in einem machbaren Rahmen.

Zum Beispiel sage ich: „Ich höre dir gleich zu, ich wasche mir nur noch eben schnell die Hände.“ oder „Du bist dran, wenn ich bis zehn gezählt habe.“ Wichtig ist, dass ich danach wirklich präsent bin. Wenn ich „gleich“ verspreche, muss dieses Gleich auch stattfinden.

Der Anfang war natürlich schwer. Da wurde protestiert, diskutiert und Drama gemacht. Doch mit der Zeit hat sich etwas verändert. Mein Kind erlebt, dass Mama meint, was sie sagt. Und ich auch wirklich komme. Diese Verlässlichkeit brauchen Kinder.

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Frust darf dazugehören

Natürlich läuft es nicht immer harmonisch ab. Es gibt Tage, da ist Warten schlicht unerträglich. Dann wird gestampft, geschimpft oder geweint. Und ganz ehrlich: Manchmal würde ich am liebsten mitmachen.

In solchen Momenten versuche ich nicht, die Gefühle wegzuerklären. Stattdessen gehe ich auf mein Kind ein und nehme seine Gefühle ernst. „Ich weiß, das ist schwer. Warten ist wirklich doof.“ Und das stimmt ja auch. Niemand wartet gern.

Aber genau in diesem Aushalten liegt etwas Wichtiges. Kinder merken, dass das Gefühl unangenehm ist, aber dass es auch vorbeigeht.

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Der unbequeme Teil: Vorbild sein

So gern ich es anders hätte, aber unsere Kinder schauen sich alles ab. Wenn ich an der Ampel ungeduldig aufs Lenkrad klopfe oder genervt auf mein Handy starre, ist die Botschaft ziemlich klar: Mama kann auch nicht warten.

Also übe ich selbst. Ich atme bewusst durch, lasse mein Kind ausreden und versuche, kleine Verzögerungen gelassener zu nehmen. Manchmal fühlt sich das auch für mich unangenehm an, aber wenn ich das Verhalten von meinem Kind abverlange, muss ich es selbst auch vorleben.

Geduld wächst langsam (und das ist okay)

Mein Kind ist noch weit entfernt von meditativer Tiefenentspannung. Und ich auch. Es gibt gute Tage, an denen das Warten fast selbstverständlich klappt. Und dann gibt es diese anderen Tage, an denen „jetzt“ oder „sofort“ wieder das Lieblingswort ist.

Geduld entsteht nicht durch Druck, sondern durch Vertrauen, Wiederholung und viele kleine Alltagssituationen, in denen Kinder erleben, dass sie nicht alles sofort bekommen müssen, sie sich aber trotzdem sicher fühlen können.

Vielleicht ist das am Ende mein größter Mama-Tipp: Geduld ist kein Ziel, das man abhakt. Sie ist ein gemeinsamer Weg mit kleinen Schritten und ehrlichen Gefühlen. Und ab und zu einem Küchen-Timer, der uns beide daran erinnert, dass fünf Minuten gar nicht so lang sind.

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