Als Mama und Papa kennt man diese alltäglichen Momente, die so harmlos beginnen und doch in Frust enden. Man bittet sein Kind, die Jacke anzuziehen, das Spielzeug wegzuräumen oder an den Tisch zu kommen. Zunächst ruhig und liebevoll. Doch es passiert nichts.
Also sagt man es noch einmal. Und noch einmal. Bis aus einer liebgemeinten Bitte ein genervter Tonfall wird und aus Geduld ein brodelnder Vulkan. Mit Schreien und Drohungen.
Ich selbst kenne das nur zu gut. Mein Sohn ist gerade drei Jahre alt und irgendwie habe ich seit Wochen und Monaten das Gefühl, als ob er mich einfach nicht hören möchte. Er schaltet stumpf auf Durchzug. Heute weiß ich: Er hört mich sehr wohl, nur gibt es keinen (für ihn sinnvollen) Grund, sofort zu reagieren.
Der Fehler: Wir wiederholen zu oft
Der Fehler, den viele Eltern machen, ist erstaunlich simpel und gleichzeitig tief verankert im Familienalltag. Wir sagen Dinge zu oft. Nicht zweimal, sondern immer und immer wieder. Aus Fürsorge, aus Bequemlichkeit oder schlicht aus Gewohnheit.
Dabei übersehen wir, dass Wiederholungen keine Klarheit schaffen, sondern das Gegenteil bewirken. Sie nehmen unseren Worten ihre Bedeutung. Kinder sehen und erkennen dann nicht, dass sie etwas direkt machen sollen, sondern es entsteht eine Erwartung: Ich habe Zeit. Es kommt noch ein drittes oder viertes Mal.
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Wenn Worte ihre Wirkung verlieren
Kinder lernen unglaublich schnell. Vor allem lernen sie Muster. Und eines dieser Muster lautet in vielen Familien: Erst beim fünften Mal wird es ernst. Alles davor ist verhandelbar.
So werden Anweisungen zu einem akustischen Hintergrundrauschen. Man hört sie, aber man fühlt sich nicht angesprochen. Nicht, weil die Kinder respektlos sind, sondern weil das Gehirn des Kindes gelernt hat, dass keine unmittelbare Konsequenz folgt.
In dem Moment, in dem mir das bewusst wurde, konnte ich wieder die Verantwortung bei mir sehen. Und nicht bei meinem Kind, das scheinbar nicht hören wollte.
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Warum es dennoch schwer ist, sein Verhalten zu ändern
Und trotzdem tun wir es immer wieder: Wir wiederholen uns ständig. Weil wir hoffen, dass es so doch noch klappt und weil wir Konflikte vermeiden wollen. Weil wir glauben, dass unser Kind uns doch „gleich“ hört.
Manchmal weiderholen wir auch deshalb, weil es einfacher ist, aus der Küche zu rufen, als aufzustehen, hinzugehen und eine Grenze wirklich durchzusetzen. Doch genau darin liegt der Unterschied zwischen einfach nur reden und wirken.
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Einmal sagen und dann präsent sein
Die entscheidende Wendung kam, als ich began, mir selbst eine klare Regel zu setzen: Ich sage Dinge einmal. Vielleicht ein zweites Mal. Ganz ruhig, klar und verbindlich. Danach handle ich. Ohne, dass ich laut werde, ohne Schreien, ohne Drama und (meistens) ohne Drohung. Ich gehe zu meinem Kind hin, gehe auf Augenhöhe, stelle Blickkontakt her und zeige, dass ich da bin.
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Zuhören entsteht durch Klarheit und Konsequenz
Kinder hören nicht besser, wenn wir lauter werden. Sie hören besser, wenn sie wissen, dass unsere Worte Bedeutung haben. Wenn sie erleben, dass das Gesagte nicht verhandelbar ist, sondern Orientierung bietet.
Diese Klarheit und letztendlich auch Konsequenz fühlt sich für Kinder sicher an. Sie müssen nicht testen, wie oft etwas wiederholt wird. Sie wissen: Das erste Mal zählt.
Weniger Worte, mehr Verständnis und Beziehung
Was ich daraus gelernt habe? Kinder brauchen keine langen Diskussionen und Wiederholungen. Sie brauchen klare Ansagen, die man durchsetzt. Heute spreche ich weniger und werde trotzdem besser gehört. Nicht, weil mein Kind plötzlich anders ist, sondern weil ich mein Verhalten verändert habe.
Konsequenz hat nichts mit Härte zu tun, sondern mit Verlässlichkeit. Zuhören ist kein Machtkampf, sondern ein Ergebnis von Klarheit und Beziehung. Wenn einem das als Mama und Papa bewusst wird, lässt sich der Alltag in vielen Fällen viel einfacher gestalten.
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