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HPV-Impfung: Wann und warum Mädchen & Jungen sie erhalten sollten

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Eine Infektion mit HPV, Humane Papillomviren, verläuft oft unbemerkt, verursacht keine Beschwerden und heilt von selbst aus. Trotzdem empfehlen Ärzte, Jungen und Mädchen gegen eine HPV-Infektion impfen zu lassen. Wann die Impfung erfolgen sollte, welche Wirkung und welche Nebenwirkungen sie hat, erfahrt ihr bei uns.

Inhaltsverzeichnis

Die große Mehrheit der sexuell aktiven Menschen (85 % bis über 90 %) infiziert sich im Laufe des Lebens mindestens einmal mit einem HP-Virus. Zu den HP-Viren, kurz für Humane Papillomviren, zählen mittlerweile über 200 verschieden Typen, die sich hauptsächlich auf Haut und Schleimhäuten ansiedeln.

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In der Regel verläuft die Infektion mit HPV harmlos. Es treten oft keine Symptome oder Beschwerden auf. Manchmal können sich kleine Hautwarzen bilden. Aber diese Papillomen sind ungefährlich. Eine besondere Behandlung bedarf die Infektion nicht. Sie bedarf unter Umständen jedoch einer genauen Beobachtung.

Eine HPV-Infektion kann nämlich Jahre später zu Gebärmutterhals-, Vaginal- und Peniskrebs oder Krebs im Mund-Rachen-Bereich führen. Tatsächlich stehen rund 50 % aller infektionsbedingten Krebserkrankungen in Zusammenhang mit HPV. Doch das Krebsrisiko lässt sich minimieren, mit einer Impfung gegen HPV.

Die empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) deshalb seit 2007 für Mädchen, seit 2018 auch für Jungen. Wann Kinder den HPV-Schutz erhalten sollten, wie er wirkt und welche Nebenwirkungen eine Impfung verursachen kann, wollen wir erklären.

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Wie wird HPV übertragen?

Besonders häufig werden HP-Viren durch sexuellen Kontakt übertragen. Über kleinste Verletzungen der Haut oder über die Schleimhäute gelangen die Erreger in den Körper. Die Verwendung eines Kondoms schützt nicht sicher vor einer Übertragung von HP-Viren, wie das RKI informiert. Denn einige HPV-Typen kommen auch auf der Haut im Genital- und Analbereich vor. Sehr enger Körperkontakt (dazu zählt zum Beispiel auch Petting) kann also bereits Erreger übertragen.

Seltener ist die Übertragung der Viren durch eine Schmierinfektion, jedoch nicht unmöglich. Ähnlich selten kann eine Mutter HPV bei der Geburt auf ihr Baby übertragen.

In welchem Alter erfolgt eine Impfung gegen HPV?

Idealerweise erfolgt eine HPV-Impfung vor dem ersten sexuellen Kontakt eines Menschen. Hat man sich bereits mit einem HPV-Typ infiziert, kann auch die Impfung vor diesem Typ nicht mehr schützen. Die STIKO (Ständige Impfkommission) empfiehlt deshalb eine erste Impfung für Jungen und Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren.

Untersuchungen haben gezeigt, je jünger Mädchen bei der HPV-Impfung waren, umso höher waren ihre Antikörperspiegel im Vergleich mit älteren geimpften Mädchen – auch noch 10 Jahre nach der Impfung. Die STIKO empfiehlt dennoch, dass auch, wer die HPV-Impfung nicht bis zum Alter von 14 Jahren erhalten hat, diese noch bis zum Alter von 17 Jahren nachholen kann. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Impfung bei minderjährigen Kindern.

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Auch im Erwachsenenalter kann eine Impfung gegen HPV noch sinnvoll sein. Hier kommt es darauf an, wie viele sexuelle Kontakte die Person bereits hatte. Am besten bespricht man dies mit seinem Hausarzt oder der Hausärztin. Vorab sollte man zudem klären, ob die Krankenkasse die Kosten für die Impfung übernimmt.

Eine HPV-Immunisierung besteht in der Regel aus zwei Impfungen im Abstand von fünf Monaten. Erhält ein Kind vor Ablauf der fünf Monate bereits eine zweite Impfung, muss es ein paar Monate später noch eine dritte Impfung erhalten. Auch Personen, die erst nach ihrem 14. Geburtstag die erste Immunisierung erhalten, müssen insgesamt drei HPV-Impfungen bekommen.

Wie wirksam ist eine HPV-Impfung?

In Deutschland erkranken nach Auskunft des Zentrums für Krebsregisterdaten jährlich etwa 6.250 Frauen und etwa 1.600 Männer an Karzinomen (bösartige Krebserkrankungen), die durch HP-Viren bedingt wurden. Besonders häufig verursachen bestimmte HP-Viren Gebärmutterhalskrebs bei Frauen. Etwa 4.600 Erkrankungen entfallen auf das Zervixkarzinom jährlich. Bei Männern kann eine HPV-Infektion Peniskrebs, Analkrebs und Mundhöhlenkrebs verursachen.

Die Impfung gegen HPV schützt nach Auskunft des RKI zu nahezu 100 % gegen die im Impfstoff enthaltenen HPV-Typen. Dazu zählen Hochrisiko-HPV-Typen, die für den Großteil aller Gebärmutterhalskarzinome verantwortlich sind und weitere HPV-Typen, die für andere Krebsarten ursächlich sind. Zudem schützt eine Impfung auch sehr gut vor Genitalwarzen, die ebenfalls als Folge einer HPV-Infektion auftreten können.

Was sind Nebenwirkungen der HPV-Impfung?

Bisherige Studien an Mädchen und Frauen zu den Nebenwirkungen einer HPV-Impfung haben bisher keine schweren Nebenwirkungen gezeigt. In Deutschland überwacht das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) seit 2007 mögliche Nebenwirkungen nach einer HPV-Impfung.

Da der Impfstoff in den Oberarm injiziert wird, kann es an der Einstichstelle, wie bei anderen Impfungen auch, zu vorübergehenden Hautreaktionen kommen. Auch eine Rötung, leichte Schwellung oder Schmerzen können an der Einstichstelle entstehen. Selten kam es im Zusammenhang mit der Impfung zu Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Muskelschmerzen.

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Da es vorkommen kann, dass die Injektion einer Spritze bei (jungen) Patient*innen zu Schwindel oder Ohnmacht führt, wird Patient*innen geraten, noch 15 – 20 Minuten in der Praxis zu verweilen. Eine solche Reaktion ist jedoch nicht auf den Impfstoff zurückzuführen, sondern vielmehr auf den Stress oder die Angst, die das Injizieren einer Spritze bei Patient*innen verursachen kann.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) sehen nach aktuellem Forschungsstand keine Hinweise auf schwere Nebenwirkungen durch die HPV-Impfung. Es gibt im Internet jedoch zwei Todesfälle aus dem Jahr 2007, die im Zusammenhang mit der Impfung diskutiert werden. Dazu informiert das RKI wie folgt: „Für beide Todesfälle konnten nach ausführlicher Untersuchung keine Anzeichen für einen ursächlichen Zusammenhang mit der HPV-Impfung festgestellt werden.“

Wichtiger Hinweis: Der Inhalt dieses Artikels dient lediglich der Information und ersetzt keine Diagnose beim Arzt. Treten Unsicherheiten, dringende Fragen oder Beschwerden auf, solltet ihr euren Arzt kontaktieren. Über die bundesweite Nummer 116117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst erreichbar.