Es ist 12.30 Uhr. Ich hole meinen Sohn aus der Kita und freue mich schon auf einen entspannten Nachmittag mit dem Kleinen, denn heute möchten wir mit seinem neuen Rennauto spielen. Doch innerlich weiß ich schon, dass mein Kind, sobald es das eigene Zuhause betritt, ausrastet.
Das Mittagessen bekommen wir gerade so noch hin, aber von entspannter Nachmittagsbeschäftigung müssen wir uns regelmäßig verabschieden. Manchmal scheint es, als würde wegen einer winzigen Kleinigkeit plötzlich die ganze Welt zusammenbrechen.
Doch warum ist das so? Die Antwort ist oft einfacher als gedacht. Und gleichzeitig sehr berührend. Denn dieser sogenannte Nachmittags-Meltdown hat meistens viel weniger mit dem Moment zu tun, als mit dem ganzen Tag, der schon hinter dem Kind liegt.
Kita ist anstrengend
Ein Tag in der Kita ist für Kinder voller schöner Dinge. Sie spielen mit anderen Kindern, entdecken neue Spielsachen, hören Geschichten und erleben kleine Abenteuer. Doch gleichzeitig fordert dieser Tag unglaublich viel von ihnen.
Kinder müssen sich viele Stunden lang an Regeln halten. Sie müssen warten, zuhören, teilen, Konflikte lösen und immer wieder ihre eigenen Gefühle kontrollieren. Außerdem müssen sie sich in einer Gruppe zurechtfinden, ihre eigenen Bedürfnisse (manchmal) zurückstellen und sie an Abläufe anpassen, die sie nicht selbst bestimmen.
Für uns Erwachsene klingt das vielleicht ganz normal. Schließlich kennen wir solche Muster aus dem Job. Doch für ein kleines Kind ist das eine enorme Leistung. Viele Kinder versuchen den ganzen Tag über zu „funktionieren“. Sie geben sich die größte Mühe und passen sich an.
Und genau das kostet sehr viel Kraft. Letztendlich ist ein Kita-Tag vergleichbar mit einem Arbeitstag. Und auch wir sind nach einem langen Arbeitstag ausgelaugt, fertig und kaputt. Warum soll es deinem Kind da anders gehen?
Zuhause ist der Safe-Place
Wenn du dein Kind nach der Kita abholst, passiert emotional etwas sehr Wichtiges. Es kommt zurück an seinen Ort, an dem es sich wirklich sicher fühlt. Bei Mama oder Papa muss man nicht stark sein. Man muss sich nicht zusammenreißen. Kinder dürfen bei ihren Eltern traurig sein, wütend sein oder einfach völlig erschöpft.
Die Gefühle, die sich über Stunden in der Kita angesammelt haben, suchen sich dann oft genau in diesem Moment ihren Weg nach draußen. Deshalb kann es passieren, dass dein Kind plötzlich wegen einer Kleinigkeit explodiert. Das kann der falsche Becher sein oder die Jacke, die nicht ausgezogen werden darf, oder die Kita-Tasche, die sich heute komisch auf dem Rücken anfühlt.
Doch eigentlich geht es selten um diese Dinge. Nicht die Jacke oder der Becher oder die Kita-Tasche sind das Problem. Der Ausbruch ist oft einfach ein Ventil für all die Anspannung, die sich über den Tag aufgebaut hat.
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Müdigkeit, Hunger und Reizüberflutung
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die körperliche Erschöpfung. Viele Kinder sind nach einem langen Kita-Tag müde, auch wenn sie vielleicht keinen Mittagsschlaf mehr machen. Ihr Körper und ihr Kopf haben unglaublich viele Eindrücke zu verarbeiten.
Was dann noch dazukommt ist oft Hunger. Zwischen Mittagessen und Abholen liegen manchmal mehrere Stunden. Oder das Kind hat noch gar kein Mittag gegessen, und die Frühstücksbrotdose wurde auch nur halb geleert. Kein Wunder also, dass das Kind hungrig ist. Und wir wissen von uns selbst: Ein hungriger Mensch hat deutlich weniger Geduld und weniger emotionale Kontrolle.
Außerdem erleben Kinder in der Kita sehr viele Reize gleichzeitig: Stimmen, Geräusche, Bewegung, Musik, Gespräche, Konflikte, Spiele. Das alles muss das kindliche Gehirn verarbeiten. Und irgendwann ist der Kopf einfach voll.
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Warum Kinder gerade bei ihren Eltern ausrasten
Wenn ich meinen Sohn aus der Kita hole, wird mir fast immer gesagt, dass er lieb war und sich benommen hat. Es gab keine Probleme, er hat schön gespielt und bei allem mitgemacht. Und zu Hause frage ich mich dann, warum genau dieses Kind plötzlich wie aus dem Nichts schreit, weint oder sich auf dem Boden wirft.
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Doch die Antwort darauf ist eigentlich etwas sehr Schönes. Kinder lassen ihre stärksten Gefühle dort heraus, wo sie sich am sichersten fühlen. Bei den Menschen, die sie am meisten lieben. Das bedeutet im Klartext: Dein Kind vertraut dir so sehr, dass es sich bei dir fallen lassen kann.
Es weiß, auch wenn es ausrastet, bist du immer bei ihm, hältst zu ihm und liebst es. Auch wenn dieser Moment sich manchmal wie ein emotionaler Sturm anfühlt und es unglaublich viel Geduld, Nerven und Kraft braucht, um zusammen mit deinem Kind durch diese Situation zu kommen.
Wie kannst du in solchen Momenten reagieren?
Wenn ein Nachmittags-Meltdown passiert, hilft es selten, sofort viele Fragen zu stellen, zu schimpfen oder selbst laut zu werden. Kinder brauchen in diesem Moment vor allem eines: Verbindung und Ruhe.
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Eine Umarmung (wenn das Kind sie zulässt), ein ruhiger Moment auf dem Sofa oder einfach ein kleiner Snack können schon viel verändern. Manche Kinder brauchen nach der Kita erst einmal Zeit, um wieder in der Familie anzukommen.
Ein ruhiger Nachmittag ohne zu viele Termine oder Verpflichtungen kann ebenfalls sehr helfen. Manchmal reicht es schon, einfach da zu sein und zu zeigen, dass dein Kind zu Hause sicher ist und sich wohlfühlen kann.
Du bist mit diesem Gefühl nicht allein
Wenn dein Kind nach der Kita regelmäßig zusammenbricht, kann sich das für Eltern sehr anstrengend und manchmal auch frustrierend anfühlen. Doch du bist mit dieser Erfahrung nicht allein.
Viele Familien erleben genau diese Nachmittags-Gefühlsstürme. Oft steckt dahinter kein schwieriges Verhalten oder ein Erziehungsfehler, sondern einfach ein kleines Kind, das den ganzen Tag über sein Bestes gegeben hat. Und das zu Hause endlich wieder einfach nur Kind sein darf.
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