Erziehung klingt erst einmal nach Regeln und Verboten. Das greift allerdings viel zu kurz. Erziehung bedeutet, Kinder in ihrer Entwicklung zu begleiten, ihnen Werte, Orientierung, Fähigkeiten und soziale Regeln zu vermitteln. Um sie Schritt für Schritt auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten. Man formt also keinen perfekten Menschen, vielmehr hilft man ihm, seinen eigenen Weg zu finden.
Und genau da beginnt die eigentliche Herausforderung.
Auch lesenswert: Wann ist die Pubertät am schlimmsten?
Was ist Erziehung? Eine kurze Definition
Erziehung ist weit mehr als seinem Kind bestimmte Dinge zu verbieten. Genau genommen ist sie eine Mischung aus Begleitung, Einfluss und Beziehung.
Eltern helfen ihrem Kind:
- die Welt zu verstehen
- sich selbst zu regulieren
- mit anderen klarzukommen
- eigene Werte zu entwickeln
Erziehung passiert aber nicht unbedingt durch Worte, sondern viel mehr durch das Verhalten der Eltern.
Was bedeutet Erziehung im Alltag?
Erziehung muss nicht zwangsläufig ein Konzept oder die Umsetzung eines großen Plans sein. Vielmehr passiert Erziehung ständig. Am Frühstückstisch geht’s um ‚Tischmanieren‘, am Nachmittag auf dem Spielplatz um das Miteinander und danach beim Einkaufen um Impulskontrolle oder das Aushalten von Frust, weil es heute mal kein Ü-Ei gibt.
Im Alltag bedeutet Erziehung deshalb vor allem:
- einem Kind Grenzen zu zeigen, ohne es klein zu machen
- ihm Werte vorzuleben, statt nur darüber zu reden
- es beim Umgang mit Gefühlen zu begleiten
- Konflikte auszuhalten, statt sie nur zu lösen
Eltern sind also Vorbilder, die ihrem Kind die Welt erklären. Manchmal sind sie auch einfach nur der Biltzableiter, den das Nervensystem ihres Kindes braucht.
Tipps dazu, was es bedeutet, sein Kind gut zu erziehen, findest du in unserem Artikel: Gute Erziehung: Was sie ausmacht und wie sie gelingt
Welche Ziele sollte Erziehung haben?
Glückliche Kinder haben in der Regel schon mal glückliche Eltern. Es liegt also nahe, dass Eltern das Glück ihres Kindes erzieherisch weit vorn sehen. Damit allein ist es aber natürlich nicht getan. Erziehung geht noch weiter.
Wichtige Ziele sind:
- Selbstständigkeit, damit das Kind ohne seine Eltern klarkommt
- Verantwortungsbewusstsein, für sich und andere
- soziale Kompetenz in Form von Empathie, Rücksicht und Kooperationsbereitschaft
- Aufbau eines inneren Kompasses für richtig und falsch
- Frustrationstoleranz, denn selten klappt alles sofort im Leben
- Streit aushalten und lösen können (Konfliktfähigkeit)
Ziel von Erziehung sollte also immer sein, die Entwicklung eines Kindes zu einem stabilen und eigenständigen Menschen zu fördern.
Wie erzieht man ‚richtig‘?
Natürlich ist Erziehung immer individuell, denn Werte und Vorstellungen variieren in jeder Familie. Gewisse Merkmale sind aber essenziell für etwas, das man als richtige oder gute Erziehung bezeichnen würde.
Was sind das für Merkmale?
- Erziehung fördert die Entwicklung eines Kindes
- Erziehung ist beziehungsgebunden, funktioniert also über Nähe und Vertrauen
- Erziehung vermittelt Werte und Normen
- Erziehung ist individuell, denn jedes Kind braucht andere Dinge
- Erziehung ist immer auch geprägt vom Umfeld der Familie
- Erziehung ist dynamisch, denn Kinder benötigen je nach Alter Unterschiedliches
Erziehung ist in der Regel kein starres System. Sie entwickelt sich genauso weiter wie das Kind und auch die Eltern. Woran du erkennst, dass es bei euch gut läuft, kannst du hier nachlesen: An diesen Dingen erkennt man direkt, dass ein Kind gut erzogen ist
Was ist das Wichtigste in der Erziehung?
Eltern entscheiden, ob sie ihr Kind autoritär, bedürfnisorientiert oder autoritativ erziehen. Entscheidend ist immer, dass man klar und sich treu bleibt. Denn genau dann bleibt man auch verständlich für das Kind.
Was dabei immer zählt ist, dass man
- Beziehung vor Perfektion setzt,
- Orientierung gibt und nicht Kontrolle ausübt,
- klare und liebevolle Grenzen setzt,
- Respekt zeigt, auch dem Kind gegenüber und
- das Kind ernst nimmt und nicht versucht, es zu formen.
Am besten funktioniert Erziehung, wenn die Beziehung zwischen Kind und Eltern stimmt. Und das gilt für jedes Alter. Sogar für die Pubertät.
Lesestoff: Kindererziehung: Erziehen Typ-B-Moms besser?
Was ist gute Erziehung?
Gute Erziehung versucht nicht, perfekt zu sein und sie ist auch selten stressfrei. Sie hat nicht das Ziel, dass ein Kind funktioniert, sondern dass es selbst denkt, eigene Entscheidungen trifft und sich als wertvoll erlebt. Deshalb ist sie immer auch eine Mischung aus:
- Nähe und Verlässlichkeit
- klaren Regeln
- Respekt und Verständnis
- Konsequenzen ohne Härte
Lesetipp: 11 Dinge, die früher in der Erziehung normal waren und heute undenkbar sind
Erziehung, Erziehungsstil, Bildung und Sozialisation: Wo ist der Unterschied?
Erziehung ist die gezielte Begleitung eines Kindes und die Einflussnahme durch Eltern oder eine andere Bezugsperson.
Erziehungsstil bezeichnet die Art und Weise, wie Eltern ihr Kind erziehen (streng, locker, bedürfnisorietniert usw.). Wenn du wissen willst, welcher Erziehungsstil bei dir vorherrscht, kannst du das hier testen: Erziehungsstile im Vergleich: Wie erziehst du?
Bildung ist die Aneignung von Wissen und Fähigkeiten durch Lernen.
Sozialisation ist alles, was ein Kind durch Umwelt, Gesellschaft und Erfahrung prägt.
Erziehung ist also nur ein kleiner Teil dessen, was Kinder in ihrer Entwicklung fördert und fordert.
Auch interessant: Alltagsstress in der Erziehung? 6 praktische Tipps, die wirklich helfen
Häufige Fragen von Eltern zur Kindererziehung
Erziehung bedeutet, ein Kind in seiner Entwicklung zu begleiten und ihm Werte, Fähigkeiten und Orientierung für ein selbstständiges Leben zu vermitteln.
Gute Erziehung verbindet Nähe, Klarheit, Respekt und Verlässlichkeit, ohne Anspruch auf Perfektion zu haben.
Selbstständigkeit, soziale Kompetenz, Verantwortungsbewusstsein und emotionale Stabilität.
Eine stabile Eltern-Kind-Beziehung, klare Orientierung und respektvoller Umgang.
Ab dem ersten Tag durch Beziehung, Nähe und die Vorbildfunktion.
Erziehung will Entwicklung fördern. Bestrafung will Verhalten kurzfristig kontrollieren.
Weitere Erziehungs-Themen:
Dein Teenie räumt nicht auf? Gut so! Dahinter steckt eine erstaunlich gesunde Entwicklung
Emotional überfordert: Wie Überfürsorge die Entwicklung deines Kindes sabotiert
Erziehung: Wenn Kinder ständig Geschenke bekommen, passiert DAS
