Die ehrliche Antwort direkt zu Beginn: Die Pubertät hat keinen festen ’schlimmsten Zeitpunkt‘ für alle Kinder. Aber, viele Eltern erleben die mittlere, intensive Phase der Pubertät als besonders herausfordernd. Meist dann, wenn körperliche und emotionale Veränderungen und der Wunsch nach Abgrenzung gleichzeitig vorhanden sind.
Dann wird aus dem gerade noch kooperativen Kind ein waschechter Teenager, der diskutiert, sich zurückzieht, mit Türen knallt und die Eltern und ihre Aussagen grundsätzlich in Frage stellt. Dabei aber selbst oft überfordert wirkt. Genau diese Mischung macht die Pubertät für viele Familien zur Belastungsprobe.
Die kurze Antwort: Wann ist die Pubertät am schlimmsten?
Bringen wir es auf den Punkt: die Pubertät ist in der Hochphase am schlimmsten. Und wann ist die? Wenn viele Dinge gleichzeitig passieren:
- Hormone fahren Achterbahn
- das Kind ist auf der Suche nach seiner Identität
- Freundschaften rücken in den Mittelpunkt
- Schule, Social Media und das Selbstbild erzeugen Druck
- Grenzen werden täglich hinterfragt und getestet
Es gibt also nicht einen Auslöser, der diese Entwicklungsphase zu einer besonders herausfordernden macht, sondern viele kleine Dinge, die in Kombination zu einer explosiven Mischung werden können.
In welchen Phasen verläuft die Pubertät?
Die Pubertät kommt nicht plötzlich über Nacht, vielmehr entwickelt sie sich in mehreren Phasen. Wer weiß, wo in etwa das eigene Kind gerade steht, kann vieles besser verstehen.
Vorpubertät
Es sind die Kleinigkeiten, die den Eintritt in die Entwicklungsphase Pubertät andeuten. Meist reagieren Kinder zu Beginn empfindlicher, auf das, was Eltern sagen oder tun.
Außerdem
- nehmen Diskussionen deutlich zu,
- das Kind zieht sich immer öfter zurück und verbringt lieber Zeit allein in seinem Zimmer oder
- trifft sich vermehrt mit Freund*innen, die zusehend in den Mittelpunkt rücken.
Wenn du noch tiefer in das Thema Vorpubertät einsteigen willst, schau gerne hier vorbei: Vorboten der Pubertät: Das brauchen Kinder zwischen 9 und 12 Jahren wirklich
Hochphase der Pubertät
Das ist die Phase, die viele meinen, wenn sie fragen: Wann ist die Pubertät am schlimmsten? Typisch für die Hochphase sind:
- extreme Stimmungsschwankungen
- vermehrter Streit um Regeln und Freiheiten
- impulsives Verhalten
- deutliche körperliche Veränderungen
- distanzierteres Verhalten
- Unsicherheiten
Genau jetzt kann sich vieles einfach ‚zu viel‘ anfühlen. Das gilt für das Kind, aber genauso für Eltern.
Wenn du verstehen willst, was hinter diesem Verhalten steckt, lies unbedingt hier dazu weiter: Die 10-Minuten-Methode: So verstehst du dein Kind auch in der Pubertät
Spätpubertät
Irgendwann wird es wieder entspannter, versprochen. Und zwar dann, wenn das Kind:
- reflektierter wird
- weniger Konflikte sucht
- ein stabiles Selbstbild entwickelt hat
- immer eigenständiger wird
Die Pubertät ist dann noch nicht vorbei, aber sie fühlt sich sehr viel weniger nach diesem Dauerkonflikt an.
Wann beginnt die Pubertät bei Mädchen und Jungen?
Eine allgemeine Aussage zum Beginn der Pubertät lässt sich nicht treffen, denn jedes Kind entwickelt sich in seinem Tempo. Und doch gibt es typische Zeiträume.
- Mädchen: etwa zwischen 8 und 13 Jahren
- Jungen: etwas zwischen 9 und 14 Jahren
Mädchen starten im Durchschnitt etwas früher, Jungen etwas später. Warum das so ist, kannst du hier weiterlesen: Wissenschaft erklärt: Darum wirken Mädchen in der Pubertät reifer.
Wichtig: Abweichungen sind hier völlig normal. Machst du dir Sorgen um die Entwicklung deines Kindes, weil es besonders früh oder spät ‚dran ist‘, sprich idealerweise mit eurer Kinderärztin oder eurem Kinderarzt darüber.
Pubertät bei Mädchen
Das Einsetzen der Pubertät bei einem Mädchen ist oft geprägt von den offensichtlichen, körperlichen Veränderungen, besonders aber von der sehr hohen emotionalen Sensibilität.
Typische Merkmale für den Beginn der Pubertät eines Mädchens sind:
- Brustwachstum
- das Einsetzen der Periode
- gesteigerter Körpergeruch
- stärkeres Körperbewusstsein
- Selbstzweifel und Vergleiche
- intensive Freundschaften
Viele Mädchen (und Jungen) wirken in der Pubertät nach außen gefasst, stark und selbstbewusst, oft brodelt es aber in ihnen. Besonders ihr Körperbild beschäftigt pubertierende Mädchen, aber auch die Zugehörigkeit und Anerkennung einer Gruppe oder Clique ist ihnen enorm wichtig.
Spannend dazu ist auch: So anders streiten Mädchen in der Pubertät
Pubertät bei Jungs
Auch Jungs zeigen mit Beginn der Pubertät körperliche, aber auch emotionale Veränderungen. Auch sie sind durch die vielen Veränderungen verunsichert, zeigen das aber oft ganz anders.
Typische Merkmale für den Beginn der Pubertät bei Jungen:
- körperliche Veränderungen (Stimme, Wachstum, Kraft, Körpergeruch)
- räumlicher Rückzug
- emotionaler Rückzug
- gesteigerte Impulsivität
- intensive Freundschaften
- Wunsch, sich zu beweisen (zu Hause, besonders im Freundeskreis)
Auch wenn Jungs in der Pubertät sehr viel weniger über Gefühle sprechen als Mädchen, sie fühlen dennoch genauso intensiv. Was dazu führen kann, dass Konflikte schneller eskalieren oder Missverständnisse entstehen können. >> Lies dazu auch: Pubertät bei Jungs: Darum reden sie so wenig mit ihren Eltern
Woran merken Eltern, dass die schlimmste Phase gerade da ist?
Raten muss man ganz und gar nicht, denn es gibt deutliche Anzeichen:
- dein Kind ist schnell gereizt
- Diskussionen eskalieren wegen Kleinigkeiten
- Regeln werden ständig infrage gestellt
- Rückzug nimmt zu
- Freunde sind wichtiger als Familie
- Kritik wird persönlich genommen
- der Schlafrhythmus verschiebt sich
- das eigene Aussehen wird zum großen Thema
Und auch Klassiker wie das dauerhaft unaufgeräumte Teenie-Zimmer oder das Phänomen, dass Teenager alles ‚vergessen‘, gehören zur Hochphase der Pubertät und machen das Zusammenleben manchmal besonders anstrengend.
Was ist in der Pubertät noch normal und wann sollten Eltern Hilfe holen?
Die Pubertät ist eine besonders aufwühlende Zeit für Teenager. Sie fühlen intensiver, suchen nach dem eigenen Ich und sind dabei oft unsicher. So normal es ist, dass sie dabei vermehrt Konflikte suchen und Abstand zu den Eltern brauchen, es gibt Grenzen für ihr Verhalten. Oder besser gesagt, Warnzeichen, die man als Eltern nicht mit der Pubertät abtun sollte.
Genauer hinschauen sollte man bei:
- anhaltender Niedergeschlagenheit
- starkem sozialen Rückzug über Wochen oder Monate
- Selbstverletzung
- Essstörungen oder extremem Körperbilddenken
- Suchtverhalten oder riskantem Verhalten
- massiver Schulverweigerung
- Angstzuständen oder depressivem Verhalten
Wenn du das Gefühl hast, alles ist deinem Kind zu viel und es kommt nicht mehr zurecht, sucht euch und ihm Unterstützung, bei der Familienberatung, dem Jugendamt oder Online-Beratungen. Idealerweise so früh wie möglich. Das bedeutet nicht, dass du oder ihr als Eltern versagt habt, sondern dass du Verantwortung übernimmst.
Lesetipp: Warum Teenager lügen und was kluge Eltern NICHT tun
Wie Eltern ihr Kind durch die Pubertät begleiten können
Egal wie gut man seine Kinder erziehen will, in der Regel kommt einem die Realität in die Quere. Einen strikten und immer funktionierenden Erziehungsplan gibt es genau deshalb für keine Familie. Dinge, die Eltern aber helfen können und die dazu führen, dass die Beziehung zum Kind auch in dieser komplizierten Entwicklungsphase nicht abreißt, können diese sein:
Zuhören statt sofort lösen
Dein Kind braucht nicht immer sofort eine Antwort. Es braucht jemanden, der ihm zuhört, der Verständnis zeigt und es ernst nimmt. So klein und unbedeutend Probleme deines Teens auf dich wirken mögen, für ihn selbst sind sie groß. Hör zu und sei präsent, wenn dein Kind diese Dinge mit dir teilt. >>Lies dazu auch: Pubertät: Eltern, die DAS sagen, zerstören das Vertrauen ihrer Teenager-Kinder
Regeln klar, aber flexibel halten
Starre Regeln und Strukturen funktionieren bei kleinen Kindern bestens, denn sie bieten ihnen Orientierung im Alltag. Bei einem Teenager aber bewirken starre Regeln oft Rebellion. Halte deshalb an Regeln fest, die dir und für eure Familie wichtig sind, erkläre deinem Teen, warum und sei ansonsten auch mal flexibel.
Konflikte priorisieren
Nicht jeder Konflikt ist es wert, ausgetragen zu werden. Als Erwachsene können wir unsere Gefühle um ein Vielfaches besser kontrollieren als unser Teenager. Genau deshalb kann man sich an der einen oder anderen Stelle bewusst dafür entscheiden, einen Konflikt nicht hochkochen zu lassen. >>Mehr zum Thema findest du hier: Türknallen, Brüllen, Schweigen: Was in der Pubertät „normal“ ist
Rückzug nicht persönlich nehmen
Es fühlt sich an wie Ablehnung, wenn das Kind lieber alleine in seinem Zimmer sitzt als gemeinsam mit den Eltern auf dem Sofa. Allerdings hat der Rückzug des Kindes in der Regel nichts mit seinen Eltern zu tun. Das Kind lehnt nicht Mutter und Vater ab, sondern sucht sich selbst.
Gespräche im richtigen Moment führen
Ist die Stimmung bereits angespannt und man fühlt die Luft schon knistern, ist das nie der richtige Moment für ein klärendes Gespräch. Besser ist es, sich und seinem Teenager Zeit zu geben. Haben sich alle Gemüter wieder beruhigt, kann man einen Versuch starten.
Autonomie zulassen
Es kann einem schon schwer fallen, dass gerade noch kleine Kind plötzlich ganz allein in die Welt ziehen zu lassen, aber genau das fordern Teenager. Und genau das brauchen sie. Und so lange alles sicher ist und Leib und Leben nicht in Gefahr sind, sollte man es ihm zugestehen.
Typische Streitpunkte im Alltag
…und was dahinter steckt.
- Ausgehen und Feiern: Darf mein Teenager das schon mit 14 oder 15 Jahren?
- Alleine verreisen: Ab wann dürfen Teenager alleine Urlaub machen?
- Urlaub mit Teenagern: Tipps, die jeden Urlaub mit Teenager gelingen lassen
Eigentlich steckt hinter all diesen Themen immer dieselbe Frage: Wie viel Freiheit ist okay?
Alles ist Teil der Entwicklung
Genau genommen ist die Pubertät keine Krise, die man irgendwie überstehen muss, sondern sie ist eine Phase des Umbaus. Dabei kann es zuweilen chaotisch und laut zugehen und mit Sicherheit ist es auch mal besonders anstrengend. Aber diese Phase ist auch notwendig, damit aus einem abhängigen Kind eine eigenständige und unabhängige Person werden kann.
Und irgendwann ist auch die Pubertät wieder vorbei. Versprochen.
FAQs zur Pubertät
Wenn sich Identität und Emotionen stabilisieren, hat man das ‚Schlimmste‘ überstanden. Wann das bei einem Kind soweit ist, ist abhängig von seiner Entwicklung. Manche Teenager sind schon mit 16 ‚vernünftig‘, andere mit 17 und wieder andere mit 19 Jahren.
Jaein. Im Durchschnitt sind Mädchen im Reifungsprozess ein bisschen früher dran, aber auch das ist nicht immer so. Entwicklung ist immer individuell.
Gereiztheit ist oft ein Zeichen für Überforderung, auch bei Teenagern. Es passiert so viel gleichzeitig in ihrem Körper und emotional, dass sie einfach schneller überreizt sind.
Im Durschnitt dauert die Pubertät vier bis sechs Jahre. Aber auch hier gibt es keinen festen Stichtag.
Weder Kleinkinder noch Teenager sind wirklich ansprechbar, wenn sie in einem Wutausbruch stecken. Deshalb sollten Eltern Ruhe bewahren, selbst nicht auch eskalieren und ein klärendes Gespräch auf später schieben.
Wenn ein Kind dauerhaft leidet, sich stark zurückzieht oder sich selbst verletzt, sollten Eltern sich Hilfe holen.
