Teenager wollen sich lösen, frei sein und die Welt erkunden. Ginge es nach ihnen, würden sie das ganz ohne elterliche Aufsicht tun. Das geht aber nicht und führt oft zu Streit zwischen Eltern und Kind. Denn was Eltern als sinnvoll, liebevoll und stabilisierend erachten, kann bei Teenagern auf massive Ablehnung stoßen.
Ablehnung in der Pubertät bedeutet aber keinesfalls Ablehnung der Eltern. Es ist vielmehr Ausdruck innerer Prozesse. Jugendliche definieren sich auch ein Stück weit über die Abgrenzung. Und dann sind es gerade die Dinge, die sie lautstark ablehnen, die ihre Entwicklung fördern, ihr Vertrauen stärken und sie zu selbstbewussten jungen Erwachsenen machen.
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Was die meisten Teenager also augenrollend ablehnen, wenn wir Eltern es sagen, und warum es wichtig ist, dass wir die Dinge trotzdem genau so handhaben, das liest du gleich hier.
1. Klare Grenzen
Viele Jugendliche reagieren ablehnend auf Regeln, Uhrzeiten oder Forderungen, weil sie gerade Unabhängigkeit entwickeln und die Kontrolle der Eltern als Rückschritt empfinden. Dabei ist es zweitrangig, wo sich die Eltern einmischen, also ob es um Bildschirm- oder Ausgehzeiten geht. Gemeckert wird über alles.
Wichtig sind diese Grenzen aber allemal, denn sie geben dem Teenager Orientierung und Sicherheit, ob er oder sie das nun wahrhaben will oder nicht. Alles im Leben eines Teenagers steht in der Hochphase der Pubertät auf wackeligen Beinen. Ohne klare Strukturen und Grenzen kann sich ein Teenie dann schnell überfordert und allein gelassen fühlen.
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2. Nachfragen
Teenager fühlen sich schnell überwacht, wenn man sie fragt, wo und mit wem sie unterwegs waren oder was sie so vorhaben. Gern reagieren sie kaum bis sehr wenig darauf.
Und trotzdem machen wir es immer wieder, weil wir Teil ihres Lebens sein wollen und weil wir sicher gehen wollen, dass unsere Kinder sich gesehen und gehört fühlen. Denn auch wenn ein Teenager in den allermeisten Fällen mit den Augen rollt, wenn man etwas von ihm wissen möchte, es wird der Moment kommen, da wird er darauf warten, dass wir fragen.
3. Präsent sein
Teenager ziehen sich zurück, reagieren abweisend und geben nur kurze Antworten. Das kann für Eltern frustrierend sein.
Und trotzdem sind wir da, hören zu oder sind einfach nur präsent. Auch das stille Dabeisein schafft Nähe. Wir wissen, dass Jugendliche Raum brauchen. Aber sie sollen auch wissen, dass wir da sind, wenn sie uns brauchen.
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4. Mithilfe
Die Bitte darum, den Müll rauszubringen, die Spülmaschine auszuräumen oder mal das Wohnzimmer zu saugen, kann einen Teenager auf die Palme bringen. Lästig und bevormundend empfinden sie derlei Aufgaben.
Drumherum kommen sie trotzdem nicht, denn Verantwortung, auch die im Haushalt, gehört zur Vorbereitung auf ein selbstständiges Leben dazu. Und auch wenn die Kids mit den Augen rollen, so erleben sie durch die Mithilfe, dass ihr Beitrag zählt, dass sie wichtig sind. Das fördert ihren Selbstwert und das Gefühl, dazuzugehören.
5. Bildschirmzeiten
Smartphones und Social Media sind für die meisten Teenager zentrale Lebenswelten. Sie stehen aber auch in der Kritik. Und genau deshalb haben wir Eltern gern ein Auge darauf, was und vor allem wie lange unsere Kinder vor dem Bildschirm sitzen. Ganz zum Missfallen des Nachwuchses.
Und klar kann ein 16-Jähriger anders über sein Smartphone verfügen als vielleicht ein 11- oder 12-Jähriger. Aber auch in späteren Teenagerjahren möchten wir Eltern, dass unsere Kinder eine gesunde Balance finden zwischen Medienzeit und echten sozialen Kontakten. Deshalb ist es kein Rückschritt, klare Grenzen zu setzen, sondern es soll dem Teenager helfen, gesunde Gewohnheiten zu entwickeln.
6. Nein
Teenager können sehr überzeugend sein, wenn sie etwas wirklich haben oder machen wollen, und reagieren sehr stark, wenn man es ihnen (aus gutem Grund) versagt.
Das Nein ist in dem Fall aber keine Boshaftigkeit und auch kein Liebesentzug, sondern Ausdruck unserer Fürsorge und Verantwortung. Eine Grenze zu setzen, und diese zu erklären, gibt dem Kind das Werkzeug, selbst zu reflektieren. Es zeigt ihm Werte statt Worte und hilft ihm, auch wenn er oder sie es bisher nicht sieht, später bessere Entscheidungen zu treffen.
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7. Gefühle
In den Augen eines jungen Erwachsenen machen Eltern sich viel zu viele Sorgen. Sie reagieren genervt, wenn man seine Bedenken und Gefühle teilt.
Wir machen es aber trotzdem. Gefühle zu haben, sie benennen und äußern zu können, sind nämlich wichtige Fähigkeiten für das Leben. Sie helfen, sich selbst und andere Menschen besser zu verstehen. Gefühle sind kein Makel und sie sind auch nicht lästig. Sie sind eine Stärke. Sie helfen einem, respektvolle Beziehungen einzugehen und Vertrauen zu haben.
Ihr ‚Hass‘ ist ein Mittel zur Selbstbehauptung
Wirken unsere Teenager ablehnend, wollen sie uns nicht verletzen, sondern sich selbst helfen. Sie sind dabei, herauszufinden, wer sie sind, sie suchen ihren Platz in der Welt. Und auch wenn sie das Gegenteil behaupten, sie brauchen dabei auch ein bisschen Hilfe. Klare Strukturen und Grenzen sind genau das.
Nehmen wir das Augenrollen also einfach weiter in Kauf, mit dem Wissen, dass wir so verantwortungsbewusste und selbstbewusste Erwachsene erziehen. Und wer weiß, eines Tages werden sie sich vielleicht sogar dafür bedanken.
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