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Sapiosexuell: Wenn Geist geil ist – die andere Art zu lieben

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Sapiosexuell: Wenn Geist geil ist

Sapiosexuell zu sein ist keine sexuelle Ausrichtung, sondern bezeichnet vielmehr eine Vorliebe. Und zwar die für geistreiche Menschen. Was genau hinter Sapiosexualität steckt, erfahrt ihr hier.

Sapiosexuell zu sein ist keine sexuelle Ausrichtung, sondern bezeichnet vielmehr eine Vorliebe. Und zwar die für geistreiche Menschen. Was genau hinter Sapiosexualität steckt, erfahrt ihr hier.

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Heterosexuell, homosexuell, bisexuell: Sexualität ist für jeden etwas anderes. Von wem wir uns angezogen fühlen, was uns sexuell erregt und wie das unsere Partnerwahl beeinflusst, ist komplett individuell. Jeder legt auf bestimmte Dinge wert – und das macht Liebe so schön, bunt und vielfältig. Was aber hat es mit sapiosexuell auf sich?

Eine Person, deren Körper und Aussehen du als attraktiv ansiehst, kann alle anderen völlig kaltlassen. Für dich hat dieser Mensch aber eine enorme Anziehungskraft. Ähnlich geht es Menschen, die sapiosexuell sind. Für sie hat Anziehungskraft nichts mit Körperlichkeiten oder dem äußeren Erscheinungsbild einer Person zu tun. Sie zieht etwas ganz anderes an.

Definition: Was bedeutet sapiosexuell?

Im Wort sapiosexuell bzw. Sapiosexualität steckt das Wort „Sapio“. Das ist abgeleitet von dem lateinischen Verb „sapere“, was übersetzt so viel wie „denken, wissen“ bedeutet. Wer sapiosexuell ist, findet eben Geist erotisch.

Mehr noch: Besondere Intelligenz ist für sie oder ihn das mit Abstand wichtigste anziehende Merkmal bei einem anderen Menschen. Mit schönen Augen oder einem sexy Äußeren allein kann man bei Sapiosexuellen nicht punkten. Mit klugen Gesprächen hingegen schon.

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Beispielsweise der Schriftsteller Jean Paul Sartre, der nicht wirklich im klassischen Sinn als schön zu bezeichnen war, mit einer Körpergröße von 1,53 m und einem rechten Auge, das mehr und mehr erblindete und nach außen schielte. Aber fing er an zu reden, war es um seine Gesprächspartner geschehen. Um Affären mit Frauen brauchte sich Sarte zeit seines Lebens keine Sorgen zu machen.

​​​​​​Intelligenz kann also unfassbar anziehend wirken und kann es mit jedem Waschbrettbauch und jedem tiefen Ausschnitt locker aufnehmen. Und das sehen sicherlich auch viele Nicht-Sapiosexuelle so. Zumal äußerliche Schönheit ja auch vergänglich ist. Wer sapiosexuell liebt, ist auf lange Sicht also klar im Vorteil.

Laut einer Umfrage von ElitePartner  sagen drei von vier Befragten, dass sie sich Intelligenz bei ihrem Partner bzw. ihrer Partnerin wünschen (78 Prozent). Dennoch muss man natürlich einschränkend sagen: Nicht jeder, der Intelligenz bei potenziellen Partner*innen sucht, würde sich als sapiosexuell bezeichnen. Ganz einfach, weil die Intelligenz einer von etlichen anderen Faktoren ist, der für sie anziehend ist und nicht der alleinige.

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Evolutionstheorie: Sapiosexualität und die männliche Spermaqualität

Es sollen tendenziell mehr Frauen sein, die sich als sapiosexuell bezeichnen. Und das macht laut einer Studie zumindest bei heterosexuellen Beziehungen durchaus Sinn.

Denn die Qualität der männlichen Spermien soll mit zunehmendem IQ besser werden, wie der Evolutionspsychologe Geoffrey Miller in einer Studie aufzeigt. Demnach stehen IQ und Spermaqualität miteinander in Verbindung. Sapiosexuelle Frauen würden also – evolutionstechnisch gedacht – alles richtig machen, wenn sie sich einen intelligenten Partner für ihre Familienplanung suchen.

Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde der Begriff sapio eher durch das Internet, unter anderem durch die Datingplattform ‚OkCupid‘. Dort gibt es eine gleichlautende Kategorie bei den Beschreibungen im Dating-Profil. Und immerhin 0,5 Prozent der ‚OkCupid‘-User bezeichnen sich als sapio.

Auch auf anderen Plattformen wird „sapio“ oder „sapiosexuell“ in den Beschreibungen immer beliebter, wie auch ElitePartner bestätigt. Viele User*innen nutzen die Bezeichnung auch, um klarzumachen, dass sie nicht nur auf Sex aus sind, sondern mehr gefragt ist.

In einer Studie des Dating-Portals ‚Secret.de‘ (Ipsos-Studie, 2017) waren es sogar acht Prozent von 1.000 befragten Deutschen, die sich selbst sapiosexuell nannten. Drei Prozent der Männer und ein Prozent der Frauen sagte sogar, dass ein hoher Intellekt für sie beim Sex alles sei. Und jede zehnte Frau und knapp jeder zehnte Mann sagte von sich, dass er in einer Beziehung Intelligenz erregend finden würde.

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Braucht man den Begriff sapiosexuell wirklich?

Der Begriff sapiosexuell hat jedoch auch ein paar Haken. Zum einen ist es irreführend, dass sapiosexuell so klingt, als sei es eine sexuelle Orientierung wie homosexuell und bisexuell. Und das ist nicht der Fall. Sapiosexualität ist vielmehr Präferenz bei der Partnerwahl bzw. der Wahl einer Partnerin fürs Leben oder auch nur für Körperlichkeiten wie Sex.

Zudem ist es ja wirklich nicht verwunderlich, dass es nun mal Menschen gibt, die auf Intelligenz bei ihrem Partner achten und es absolut abturnend finden, wenn jemand eher „nicht die hellste Kerze auf der Torte“ ist.

Sonst müsste es demnächst auch eine spezielle Bezeichnung für Menschen geben, die dumme Menschen oder Gummibaumbesitzer attraktiv und sexy finden oder die auf Menschen stehen, die Archäologie studiert haben und solche mit Zahnlücken. Aber vielleicht kommt das ja auch noch.

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Auch wenn sapiosexuell keine sexuelle Orientierung bezeichnet: Wenn man den Begriff nicht zu ernst nimmt und ihn da für sich nutzt, wo er Sinn macht, ist alles gut. Und das wäre eben auf dem Spielfeld von Liebe und Partnersuche.

Denn in einem Datingprofil macht es durchaus Sinn, schon im Vorfeld seine Vorlieben und Wünsche zu nennen, um so die Spreu vom Weizen zu trennen. Oder um aufgrund dieser Gemeinsamkeit ins Gespräch zu kommen.

Den oder die Richtige zu finden, ist ja so schon schwer genug. Allen Menschen auf Partnersuche sei der Begriff sapiosexuell also mehr als gegönnt.

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