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Mental Health: Das passiert, wenn du anfängst, über deine Psyche zu sprechen

Frau vor gelber Mauer
Traurig, aber wahr: Oft schämen sich Menschen, wenn sie psychische Probleme haben und trauen sich nicht, sich jemandem mitzuteilen. Credit: GettyImages

Sind wir körperlich krank, gehen wir zum Arzt. Ist jedoch unsere Psyche instabil, tun wir uns weitaus schwerer, uns von einem Fachmann helfen zu lassen. Irgendwie ist das Thema tabuisiert und kompliziert. Dabei sollte uns eine gesunde Psyche genauso wichtig sein wie ein gesunder Körper.

Inhaltsverzeichnis

Statistisch gesehen ist jeder Dritte in Deutschland mindestens einmal in seinem Leben von einer psychischen Krankheit betroffen. Und laut einer Umfrage von Ipsos gab jede*r Zweite in Deutschland (Stand Sommer 2022) an, im letzten Jahr mindestens einmal das Gefühl gehabt zu haben, mit dem alltäglichen Stresslevel nicht mehr klarzukommen.

Wenn man das mal bedenkt, wundert man sich, warum es immer noch ein Tabu ist, wenn jemand psychische Probleme hat und sich in therapeutische Behandlung begibt.

Psychische Krankheiten sollten kein Tabu sein

Wenn die Psyche Probleme macht, spricht man nicht darüber. Nicht, dass einen die anderen für meschugge und nicht belastbar halten oder dass das Ganze einem Probleme bei der nächsten Jobsuche bereitet.

Und auch als Nicht-Betroffener reagiert man recht unbeholfen, wenn man jemandem begegnet oder kennt, der psychische Probleme hat. Bei jedem Blinddarm oder Magengeschwür fragt man offen nach, aber darf man nachfragen, wenn jemand in Behandlung ist, weil er Panikattacken oder eine Depression hat?

Da gibt man schon mal so begrenzt kluge Ratschläge wie: Gönn dir mal was. Entspann dich mal so richtig. Fahr mal in Urlaub. Schalt mal so richtig ab. Alles gut gemeinte Ratschläge, aber gut gemeint ist eben doch auch meist komplett vorbei an der Sache. So auch in diesem Fall.

Diese Unsicherheit auf beiden Seiten hat einen recht simplen Grund. Anders als beispielsweise in Amerika, wo eine Therapie zu machen fast schon zum guten Ton gehört, ist das Thema in unserer Gesellschaft ein Tabu.

„Leider werden psychische Erkrankungen immer noch mit Schwäche in Verbindung gebracht“, erklärt Psychotherapeutin und Buchautorin Lena Kuhlmann. „Menschen mit psychischen Störungen dürfen weder herabgewürdigt, oder (in)direkt als schwach dargestellt werden.“

Warum Prävention wichtiger ist als Intervention

Ganz egal, in welcher Phase eines Lebens sich ein Mensch befindet: Die mentale Gesundheit ist die Voraussetzung für alles, was er tut. Nur, wer sich geistig gesund fühlt, hat die Energie, einen Alltag mit all seinen Herausforderungen und Perspektiven zu bewältigen.

In Deutschland erkranken „jährlich 5,3 Millionen (allein der erwachsenen) Menschen an einer unipolaren oder anhaltenden depressiven Störung“ (Quelle: Stiftung Deutsche Depressionshilfe).

Aber kaum jemand spricht über Prävention: Wie verhindern wir, dass es so vielen Menschen in unserem Umfeld nicht gut geht? Darum geht es im spannenden Panel beim FFF Day 2023 am 21. Oktober in der Arena Berlin.

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Wann Hilfe holen?

Wenn die Psyche nicht mehr mitspielt, sind es vor allem die Frauen, die sich ein Herz nehmen und sich in ärztliche Behandlung begeben. Das verwundert jetzt nicht. Frauen sind beim Theme Ärzte und Vorsorge ja eh beherzter als Männer. Bei den Männern dürfte die Dunkelziffer deshalb recht hoch sein.

Auf Platz eins der psychischen Erkrankungen liegt die Depression, danach folgen Angststörungen, Zwangsstörungen, Alkoholismus und körperliche Symptome, aufgrund von psychischer Belastung (sogenannte somatoforme Störungen).

Meist werden wir erst aktiv, wenn uns die Krankheit zunehmend im Alltag belastet und einschränkt und der Leidensdruck zu stark wird. Spätestens dann wird der Gang zum Fachmann unabdingbar.

Wer also merkt, dass er zunehmend die Lust an Dingen verliert, die ihm früher Freude bereitet haben, niedergeschlagen und depressiv ist oder Ängste entwickelt, die ihn beispielsweise im Alltag auf dem Weg zur Arbeit oder in der Freizeit einschränken, der sollte sich durchaus einen professionellen Rat einholen.

Es ist eben schwer, selbst einzuschätzen, was noch OK ist und was uns belastet und einschränkt. Die Grenze zwischen psychisch gesund und psychisch krank verläuft leider fließend.

Wer sich unsicher ist, ob er professionelle Hilfe braucht und wenn ja welche, der kann die psychotherapeutische Sprechstunde nutzen, die über die kassenärztlichen Vereinigungen vermittelt wird. (Auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums erfahrt ihr mehr dazu).

Dafür ruft man bei einer Terminservicestelle an, und erhält dann innerhalb von vier Wochen einen Termin bei einem Psychotherapeuten in der Nähe. Eine Überweisung ist nicht nötig.

Die Psyche sollte eine Hauptrolle bekommen

Die Berührungsängste auf allen Seiten (Betroffenen, aber auch ihrem Umfeld) und die Unwissenheit, wo man Hilfe bekommt, war auch der Antrieb für Lena Kuhlmann, ein Buch über die Psyche und psychische Gesundheit zu schreiben.

„Ich finde, es ist an der Zeit, dass die Psyche die Hauptrolle in einer Geschichte bekommt. Ohne Psyche läuft nämlich gar nichts. Und ich will aufräumen mit Vorurteilen über psychisch kranke Menschen, die Psychiatrie und über uns Therapeuten. Es würde mich sehr freuen, wenn das Buch Anlass zu Diskussionen gibt.“

Ihr Rat: Betroffene, aber auch alle anderen sollten sich angewöhnen, ihrer Psyche genauso viel Aufmerksamkeit wie ihrem Körper zu gönnen. Immer wieder zu schauen: Wie geht es mir heute eigentlich? Diese Achtsamkeit auf das seelische Gleichgewicht ist ein guter Weg.

Und wer nicht so auf Sinnieren und Meditieren steht, der kann das sogar mit Apps oder extra Planern machen oder ganz klassisch einem Tagebuch oder einer Skala von 1 bis 10, auf der man täglich notiert, wie man sich fühlt.

Und noch etwas sollten wir uns angewöhnen: Auf die Frage, wie es uns geht, nicht mehr automatisch mit einem „Gut, und dir?“ zu antworten. Vielleicht wäre es hier mal ein Ansatz, kurz zu überlegen, was wirklich in einem vorgeht. „Muss“ ist in keinem Fall die richtige Antwort. Unsere Psyche sollte es uns wert sein.

Ansprechpartner für den Notfall

Eine Anlaufstelle im Notfall ist die psychiatrische Ambulanz oder die psychiatrische Abteilung einer Klinik, der eigene Hausarzt, ein niedergelassener Psychiater oder Psychotherapeut, der ärztliche Bereitschaftsdienst (116117), die Polizei (110) oder der Rettungsdienst (112).

Anonym, kostenlos und rund um die Uhr kann man auch die Telefonseelsorge erreichen (08001110111). Sie eignen sich jedoch eher für kleinere Krisen.

Hilfe findet ihr auch auf der Seite der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Buchtipps:
Lena Kuhlmann: Psyche? Hat doch jeder. Eden Books.16,95 Euro
Die Psychotherapeutin und Bloggerin Lena Kuhlmann räumt mit Vorurteilen über psychische Krankheiten auf und berichtet, wie es in psychiatrischen Einrichtungen heute wirklich aussieht.

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Wichtiger Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel dienen lediglich der Information und ersetzen keine Diagnose beim Arzt. Treten Unsicherheiten oder dringende Fragen auf, solltet ihr euren Arzt kontaktieren.

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