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Verlustangst: Wie sie deine Beziehung zermürbt und was ihr tun könnt

Verlustangst: Was sind die Gründe und was kann man dagegen tun?
© unsplash.com / Taylor Harding

Vorab im Video: Verlustängste: Spielen Erlebnisse in der Kindheit eine Rolle?

Niemand möchte einen geliebten Menschen verlieren. Dennoch gibt es Menschen, die besonders stark an Verlustangst leiden. Anhand welcher Symptome zeigt sich Verlustangst? Und vor allem: Wie geht man damit um?

Inhaltsverzeichnis

Sicherlich geht es den meisten Menschen so, dass sie Angst haben, ohne den geliebten Menschen an ihrer Seite sein zu müssen. Dass diese Person sie plötzlich nicht mehr liebt, dass man sich entzweit und einer sich abwendet. Auch wenn sicherlich viele dieses Gefühl kennen werden, so geht es bei Verlustangst um weit mehr als das. Es geht um ein Extrem, das die Beziehung in der Regel sehr belastet.

Das ist ein wenig so wie mit dem Thema Eifersucht. Auch wenn sich sicher viele als eifersüchtig bezeichnen mögen, so ist doch extreme bzw. krankhafte Eifersucht etwas komplett anderes.

Wer unter Verlustangst leidet, tendiert jedoch nicht nur dazu, die Person an seiner Seite einzuengen, sondern steht auch selbst unter einem enormen Leidensdruck. Die Angst, der Partner oder die Partnerin könnte nicht mehr da sein, ist allgegenwärtig und bestimmt Gedanken und Handeln auf eine belastende Art und Weise.

Die gute Nachricht: in beiden Fällen, sowohl bei krankhafter Eifersucht, als auch bei Verlustangst, kann man an sich arbeiten.

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Woher kommt die Verlustangst?

Die Gründe für die Verlustangst liegen meist nicht in der aktuellen Partnerschaft selbst begründet. Vielmehr geht es oft um Muster, die in der Kindheit erlernt wurden. Oft haben Menschen, die an Verlustangst leiden, eine ähnliche Biografie.

Zum Beispiel, dass sie als Kind den Verlust einer nahen Person erleiden mussten, z.B. weil die Eltern sich getrennt haben. Wird dieses Trauma nicht verarbeitet bzw. zeigt man dem Kind nicht, wie es damit umgehen kann, kann das durchaus Verlustangst auslösen und im späteren Leben dafür sorgen, dass jemand auch im Erwachsenenalter Probleme mit seinen Ängsten hat, sobald er eine enge Beziehung zu jemandem aufbaut.

Wohlgemerkt: Nicht jedes Scheidungskind muss unter Verlustangst leiden. Es geht hier nicht um das Problem an sich. Wenn beide Elternteile verständnisvoll sind und dem Kind bei der Bewältigung der Situation helfen, kann es unbeschadet alles überstehen. Es geht hier vor allem darum, dass das Umfeld des Kindes nicht in der Lage ist, seine Ängste zu erkennen und ihm zu helfen, damit klar zu kommen.

Wenn man als Kind einen solchen Verlust nicht gut wegstecken konnte, läuft man Gefahr, dass sich dieses Muster auch im späteren Leben wiederholt. Zum Beispiel wenn ein Jugendlicher, der eh schon unter Verlustangst leidet, weitere Tiefschläge erleidet, sei es, dass die beste Freundin wegzieht, dass die Jungendliebe auseinander geht, dass der andere fremdgeht etc., dann kann das die Ängste aus der Kindheit vertiefen bzw. wieder aufleben lassen.

Verlustangst bezieht sich übrigens nicht unbedingt nur auf den Beziehungspartner oder -partnerin, sondern kann auch jede andere Person, wie die Eltern, eigene Kinder, Freunde etc. betreffen.

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Weitere mögliche Gründe für Verlustangst

Es gibt jedoch noch weiter Faktoren, die Verlustängste begünstigen können. Hier einige Anhaltspunkte über mögliche verstärkende Faktoren:

  • Wenn die Eltern extrem übervorsichtig und ängstlich sind.
  • Wenn die Eltern einem keine Liebe und Geborgenheit geben konnten.
  • Wenn die Eltern hilflos waren und ihrem Kind nicht beistehen konnten.
  • Wenn man an Depressionen leidet.
  • Hilflosigkeit der Bezugspersonen
  • Wenn man unter einem geringen Selbstwertgefühl leidet.
  • Wenn man betrogen wurde von seinem Partner.
  • Wenn in der Familie nicht über Ängste und Gefühle gesprochen wurde.
  • Wenn die Eltern das Kind wenig gestärkt und selbständig haben werden lassen.
  • Wenn jemand nie gelernt hat, mit Trauer und Angst umzugehen.

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Was sind typische Symptome für Verlustangst?

Es gibt verschiedene Symptome, an denen du erkennen kannst, ob du oder dein*e Partner*in unter Verlustangst leidet.

Wer also nach Symptomen für Verlustangst sucht, der kann sich an folgenden Punkten orientieren:

Starkes Klammern:
Die ständige Sorge, verlassen zu werden, sorgt dafür, dass Menschen mit Verlustangst sich sehr abhängig von ihrem Partner oder ihrer Partnerin machen. Sie brauchen die Nähe, die Aufmerksamkeit und die ständige Bestätigung, dass die Person sie liebt und nicht vorhat, sich zu trennen. Dieses Klammern kann den anderen sehr stark einschränken und die Beziehung so auf Dauer belasten.

Kontrollzwang und Misstrauen:
Auch das ist ganz typisch für Menschen mit Verlustängsten: Sie haben so eine Panik vor einer Trennung, dass sie anfangen, ihren Partner oder ihre Partnerin ständig zu kontrollieren. Sie sind misstrauisch und so wird jeder Anruf und jede Frage zum Verhör.

Selbst wenn der andere sich gar nichts zu Schulden hat kommen lassen, wird er auf Schritt und Tritt beobachtet, immer in dem Glauben, dass das Misstrauen berechtigt sei.

Extreme Eifersucht:
Mit dem ständigen Misstrauen geht natürlich auch sie einher: die extreme Eifersucht. Kaum jemand, der sich dem Partner oder der Partnerin nähern darf, ohne dass es für Betroffene zur inneren Krise kommt.

Bei jedem Kontakt schrillen die Alarmglocken, denn jeder könnte ihn oder sie dazu verleiten sich abzuwenden. Was meist absolut unbegründet ist. Denn Menschen mit Verlustangst müssen gar nicht betrogen werden, um diese Eifersucht zu entwickeln.

Wenn jemand ständig Bestätigung durch den anderen braucht:
Menschen mit Verlustangst besitzen nicht das Gefühl von Sicherheit in ihrer Beziehung. Für sie ist die Partnerschaft stets fragil und gefährdet.

Deshalb kommt es auch häufig vor, dass Betroffene ständig die Bestätigung brauchen, dass alles in Ordnung ist, dass sie noch geliebt werden, dass die Angst verlassen zu werden unbegründet ist. Auch das kann den Partner bzw. die Partnerin stark überfordern.

Wenn jemand emotional stark abhängig ist:
Auch ganz typisch für Menschen mit Verlustangst: Sie sind emotional stark von ihrem Gegenüber abhängig. Das Stärkeverhältnis ist in diesen Partnerschaften komplett im Ungleichgewicht.

Nicht, dass einer den anderen mehr lieb. Sondern dass Betroffene die Liebe des anderen extrem für ihr Selbstverständnis brauchen und sich ohne diese Emotionen wertlos und leer fühlen.

Bindungsangst:
Auch eine ganz häufige Strategie, um sein Herz vor weiteren Enttäuschungen zu schützen: die Bindungsangst, die oftmals, so absurd es klingt, mit der Verlustangst einhergeht. Denn obwohl sie gerade die Bindung so sehr suchen, bleiben Betroffene in ihren Beziehungen zu anderen Menschen auf Distanz, um sich vor Verletzungen zu schützen.

Tipps: Verlustangst überwinden

Ja, es mag ermüdend sein, es immer wieder zu lesen, aber in einer Beziehung zwischen zwei Menschen kommt man um eine offene Kommunikation nicht herum. So auch, wenn einer von beiden unter Verlustangst leidet.

Wer betroffen ist, sollte sich offenbaren, sonst wird er die Beziehung mit seinem Verhalten nur weiter belasten. Das kann natürlich auch vom Partner oder von der Partnerin ausgehen. Wichtig ist, dass beide das Gespräch suchen und dass beide Verständnis für die Situation des jeweils anderen haben.

1. Der erste Weg zur Besserung ist immer die Erkenntnis, dass man ein Problem hat und das klar formulieren kann. Das kann im Gespräch mit dem Partner aber auch mit anderen nahestehenden Personen sein.

2. Betroffene sollten versuchen, ihre eigenen Verhaltensmuster zu erkennen. Hier hilft ein Tagebuch, in dem typische Situationen aufgeschrieben werden. So kann man Muster erkennen und das Ganze mit etwas Abstand betrachten und so reflektieren.

3. Wer an Verlustangst leidet, sollte versuchen, Dinge, die er bislang immer negativ für sich gesehen hat, mal positiv zu bewerten. Oftmals nimmt das Negative in der eigenen Sicht derart Überhand, dass man die positiven Dinge gar nicht mehr wahrnimmt. Hier muss man versuchen, seinen Blickwinkel wieder zu ändern. Zur Not, indem man jeden Tag abends aufschreibt, was positiv war. Klingt simpel, aber es funktioniert.

Man muss sich immer überlegen: Die negative Sicht auf die Dinge hat man jahrelang perfektioniert und automatisiert. Hier kann man nur mit Ausdauer lernen, das Negativ-Muster zu kippen.

4. Betroffene sollten zudem an ihrem Selbstwertgefühl arbeiten. Und zwar nicht, indem sie das weiterhin von der Gunst ihres Gegenübers abhängig machen, sondern indem sie auch für sich selbst als Person Dinge finden, die gut und besonders an sich sind. Nur so kann man Vertrauen in sich selbst aufbauen, das dabei hilft, sich liebenswert zu finden – und somit nicht ständig die Gefahr sieht, verlassen zu werden.

5. Ursachen in der Vergangenheit bzw. Kindheit in einer Therapie erforschen und aufarbeiten ist wichtig. Da die Ursachen meist recht tiefgehend sind, ist eine Psychotherapie das Mittel der Wahl. Das alles mit sich allein auszumachen, gelingt nicht jedem. Man darf und sollte sich hier helfen lassen.

6. Auch die intensive Beziehungsarbeit mit dem Partner oder der Partnerin kann Betroffenen helfen, also beispielsweise indem gemeinsam eine Therapie gemacht wird. Der Blick von außen auf typische Streit- und Angstsituationen kann einem sehr die Augen öffnen.

Wichtig: Wer selbst nicht aus seiner Verlustangst herauskommt, der sollte sich therapeutische Hilfe suchen. Das sollte kein Tabu mehr sein, und sich professionelle Hilfe zu suchen machen mehr Menschen, als man denkt. Eine Psychotherapie macht bei Verlustangst absolut Sinn.

Die Aufarbeitung von alten Verhaltensmustern und den Ursachen bzw. Traumata wird sicherlich nicht von heute auf morgen abgehakt sein, aber nur sie kann dafür sorgen, dass man sich seinen Verlustängsten stellt, um sie zu überwinden.

Damit man später eine normale Beziehung aufbauen kann, ohne ständig Angst zu haben, den Menschen an seiner Seite zu verlieren und um seinem Partner oder Partnerin sowie allen Menschen, zu denen man eine Beziehung aufbaut, auch wieder vertrauen zu können.

Linktipp: Infos zu den ersten Schritten auf der Suche nach einem passenden Psychotherapeuten findet ihr hier beim Berufsverband der deutschen Psychologinnen und Psychologen.

Auch lesen: 8 Warnsignale: Woran ihr erkennt, dass euer Partner euch manipuliert

Tipps: Was tun, wenn die Partnerin oder der Partner unter Verlustangst leidet?

Wichtig ist, die Probleme und die Angst von Betroffenen ernst zu nehmen und mit ihnen offen darüber zu sprechen. Gleichzeitig müssen Angehörige auch immer aufpassen, dass sie nicht komplett mit hineingezogen werden.

Sie sollten sich also immer wieder Freiräume suchen, um dem Kontrollzwang oder dem besitzergreifenden oder klammernden Verhalten des Partner oder der Partnerin auch mal entgehen zu können.

Ansprechpartner für den Notfall

Eine Anlaufstelle im Notfall ist die psychiatrische Ambulanz oder die psychiatrische Abteilung einer Klinik, der eigene Hausarzt, ein niedergelassener Psychiater oder Psychotherapeut, der ärztliche Bereitschaftsdienst (116117), die Polizei (110) oder der Rettungsdienst (112).

Anonym, kostenlos und rund um die Uhr kann man auch die Telefonseelsorge erreichen (08001110111). Sie eignen sich jedoch eher für kleinere Krisen.

Hilfe findet ihr auch auf der Seite der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.


Noch etwas Wichtiges zum Schluss: Dieser Artikel ist nur zur Information gedacht. Zögert nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn ihr massive Probleme und Sorgen habt. Niemand muss alle schwierigen Phasen des Lebens alleine durchstehen. In diesem Sinne: Alles Gute und passt auf euch auf!