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Paar bleiben trotz Alltag: Essenzieller Tipp vom Beziehungs-Experten

Frau: Kollage mit einem Mann
© Getty Images / gofeminin

Vorab im Video: Nähe braucht Distanz: Wie du in einer Langzeitbeziehung du selbst bleibst

Jeder kennt sicher die Empfehlung für Paare, man solle mehr miteinander reden. Aber es gibt, laut Experten, noch einen mindestens genauso wichtigen Punkt.

Wer länger in einer Beziehung ist und gemeinsam den Alltag meistert, mit Job, To do-Listen und womöglich eigenen Kindern, wird es nur zu gut wissen: All das, Stress, Sorgen, Zeit- und Schlafmangel, zehren nicht nur an den Nerven, sondern hinterlassen auch Spuren in der Partnerschaft.

Meist wird Paaren geraten, immer klar und offen miteinander zu sprechen, was sie im Alltag vermissen, was sie stört und was sie gerne ändern möchten. Und ja, das ist ein wichtiger Punkt, der auf jeden Fall zu einer ausgeglichenen und glücklichen Partnerschaft beiträgt. Einfach, weil man sich öffnet und klar kommuniziert, was in einem vorgeht.

Dennoch, so der Psychotherapeut und Autor Wolfgang Krüger, sollte das nicht der alleinige Kern unseres Augenmerks sein. Denn selbst die beste Streitkultur und Gesprächsroutine zwischen zwei Menschen allein funktioniert auf Dauer nicht.

„Das miteinander reden kann seine Wirkung erst dann entfalten, wenn wir es auch lernen, körperlich zu kommunizieren. Schließlich können wir in Gesprächen unsere Beziehung zwar reflektieren und ihr eine Orientierung geben, aber erst Berührungen verleihen ihr eine emotionale Tiefe und Festigkeit.“

Noch wichtiger als Reden: körperlich sein

Laut Krüger sind Umarmungen, körperliche Nähe, Kuscheln und Küssen die wichtigsten Sprachen der Liebe. Und wenn wir ehrlich sind: Bei nicht wenigen Paaren ist die körperliche Nähe im Wirrwarr des Alltags irgendwann verloren gegangen. Oder wird auf das Wochenende verschoben.

Nicht selten wird dann der Abschiedskuss am Morgen (wenn es ihn denn noch gibt) zu einem reinen reflexartigen Ritual. Und Umarmungen reduzieren sich auf wenige, seltene Momente, in denen die Zeit dazu bleibt. Wilde und ungezügelte Küsse gibt es dann oftmals nur noch, als Startschuss für Sex, so der Experte.

Laut einer von Wolfgang Krüger zitierten Jacobs-Glücksmomente-Studie küssen sich nur 50 Prozent der Deutschen mehrfach am Tag. Und jeder zweite Mann fühlt sich nicht genügend umarmt. „Diese Zahlen stimmen nachdenklich, da Berührungen in einer Partnerschaft für das Fundament der Nähe entscheidend sind. Sie schaffen Vertrauen, reduzieren Stress und vermitteln ein Gefühl von Geborgenheit.“

Zum Glück besagt eine andere Studie den Deutschen zumindest bessere Kuss-Quoten: So küssen sich zwei Drittel der Paare mindestens einmal täglich – und das auch noch nach Jahren in einer Beziehung.

Gut so, denn, so der Experte: „Körperliche Botschaften gehen unter die Haut, so dass sich beide direkter erreichen als durch Gespräche, in denen man sich gegenüber sitzt.“ Berührungen können sehr viel mehr sagen als Worte das manchmal tun. Durch intime, zärtliche Berührungen findet eine Partnerschaft immer wieder ihr Zentrum und schenkt beiden emotionale Sicherheit.

Und das muss gar nicht die Kuschel-Stunde auf dem Sofa sein. Krüger nennt hier ganz kleine, alltägliche Beispiele, die ausreichen, um diese Wirkung zu haben: „Eine sanfte Berührung zeigt, dass man sich wieder annähern will, ein zärtlicher Händedruck signalisiert, dass man zur Versöhnung bereit ist.“

Die amerikanische Autorin und Psychotherapeutin Virginia Satir hat einmal gesagt: „Wir brauchen vier Umarmungen pro Tag, um zu überleben, acht Umarmungen, um uns gut zu fühlen und zwölf Umarmungen, um uns weiterentwickeln zu können.“

Deshalb: Auch wenn der Alltag uns Kraft und Zeit beschneidet, bleibt bei euch und feiert eure Nähe. Es müssen nicht zwölf Umarmungen am Tag sein, ihr müsst keine Quoten erfüllen, der Alltag ist voll genug davon. Aber habt einfach einen Blick dafür, inwieweit euch körperliche Nähe und ein zärtlicher Umgang im Alltag zusammenhält als Paar. In diesem Sinne: Wir sollten uns alle viel mehr küssen und umarmen!

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