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Nähe-Distanz-Problem: Was tun, wenn beide unterschiedlich ticken?

Zwei Hände, die sich halten vor einer Wiese
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Über Nähe und Distanz in der Liebe

Die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz zu finden, kann ganz schön schwierig sein. So findest du heraus, was für dich am besten passt.

Inhaltsverzeichnis

Wer schon mal eine Beziehung hatte, wird es kennen: das gute alte Nähe-Distanz-Problem. Wenn Partner*innen ein komplett unterschiedliches Bedürfnis nach Nähe bzw. Distanz haben, wird sich einer von beiden immer abgelehnt fühlen, während dem anderen die Luft zum Atmen fehlt. Ein Dilemma, das viele Beziehungen scheitern lässt.

Zum Glück kann man das Problem durch die richtige Partnerwahl und einige Beziehungsregeln in den Griff kriegen. Was genau das heißt, weiß der Berliner Diplom-Psychologe Dr. Wolfgang Krüger. Wer sagt, was Paare in dem Fall tun können, um eine entspannte Beziehung zu führen und worauf jeder achten sollte.

Anfangsphase: Frisch verliebt kann es nicht nah genug sein

Klar. In der Phase der Verliebtheit kennen wir keine Angst vor zu viel Nähe in der Beziehung. Meist möchte man so viel Zeit wie möglich mit dem anderen verbringen. Doch Beziehungen wandeln sich. Was am Anfang noch sehr erfüllend ist, kann schnell einengend werden. Deshalb muss nach einigen Monaten das Verhältnis von Nähe und Distanz neu ausgelotet werden.

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Phase 2: Nähe und Distanz und alltägliche Probleme

Die ersten Konflikte zeigen sich oft schon in kleinen, ganz alltäglichen Missverständnissen: „Sie will mit ihm reden, er fühlt sich bedrängt. Abends will er mit ihr schlafen, nun will sie nicht mehr. Das sind die alltäglichen Konflikte in der Liebe.

Wichtig ist, dass wir die individuellen Distanzwünsche unseres Partners nicht missachten“, sagt Diplom-Psychologe Wolfgang Krüger. Sind beide in der Lage, sich gegenseitig Freiraum zu lassen, ist das eine erste gute Voraussetzung für die Partnerschaft.

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So sehr beeinflusst das Nähe-Distanz-Denken unsere Partnerwahl

Es empfiehlt sich, schon bei der Partnerwahl darauf zu achten, wie der andere tickt. Liebt er seine Freiheit oder setzt er eher auf eine extrem innige Bindung? Wie steht er zu Nähe und Distanz in einer Beziehung?

Braucht er bzw. sie genauso viel Freiraum wie ich selbst oder steht der erste Konflikt im Raum, weil beide hier unterschiedliche Ansichten haben? „Wir achten bei der Partnerschaftswahl sehr genau auf die Signale des anderen“, erklärt Dr. Krüger.

Will heißen: Wir achten auf den Blick, die Bewegungen, die Ausstrahlung, den Klang der Stimme unseres Gegenübers. Denn das alles zeigt uns indirekt, welches Nähemodell unser Gegenüber hat. „Ist dieser Mensch ein Kuscheltyp oder ein Jäger, reserviert oder mit einem großen Bedürfnis nach Nähe? Wir verlieben uns, wenn dies im Groben mit unserem eigenen Nähe-Distanz-Drehbuch übereinstimmt“, so der Experte.

Nähe-Distanz-Problem: Goldene Regeln für Paare

Um das unterschiedliche Nähebedürfnis nicht zum ständigen Konfliktherd in der Partnerschaft werden zu lassen, bedarf es Näheregeln, zum Beispiel das Gummibandprinzip. Dieses Prinzip besagt: Ziehe ich mich zurück, kommt der Partner bzw. die Partnerin nach. Und umgekehrt.

So entsteht ein Geben und Nehmen und die Erkenntnis: Wenn ich meinem Gegenüber Freiraum gebe, kommt er bzw. sie trotzdem zu mir zurück. Freiwillig und ohne Diskussion und Drama.

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Wichtig: Eine ehrliche Eigenanalyse

Wem es schwerfällt loszulassen, weil er ein sehr großes Bedürfnis nach Nähe hat und zum Klammern neigt, der sollte zusätzlich an sich selbst arbeiten, indem er die Nähemuster der Kindheit reflektiert.

Dr. Krüger: „Ich muss mich fragen, warum ich so empfindlich bin, wenn mein Gegenüber allein etwas unternehmen will. Vielleicht bin ich als Kind vom Bruder entthront worden und reagiere gekränkt, sobald mich der andere nicht mehr wahrnimmt. Ich muss sehr bewusst diese Nähemuster in meiner Partnerschaft reflektieren.“

Eigenständiges Leben neben der Partnerschaft

Um einen Nähe-Distanz-Konflikt erst gar nicht aufkommen zu lassen, müssen beide Partner*innen in der Beziehung eigenständig bleiben und ihre Bedürfnisse klar formulieren. Wer seinem Beziehungsmenschen das Gefühl gibt, dass er ohne ihn nicht sein kann, der erzeugt ungewollt Druck.

Eigene Freund*innen treffen, eigene Hobbys haben – all das ist wichtig. Auch wenn in der anfänglichen Verliebtheit manches vernachlässigt wird: Beruf, Freizeit, Freunde und natürlich auch die gemeinsame Zeit als Paar sollten ihre Daseinsberechtigung nebeneinander haben.

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Bindungsunfähige Partner*in

Klar. In der Phase der Verliebtheit kennen wir keine Angst vor zu viel Nähe in der Beziehung. Meist möchte man so viel Zeit wie möglich mit einander verbringen. Doch Beziehungen wandeln sich. Was am Anfang noch sehr erfüllend ist, kann schnell einengend werden. Deshalb muss nach einigen Monaten das Verhältnis von Nähe und Distanz neu ausgelotet werden.

Wenn man allerdings an einen Menschen mit Nähe-Ängsten geraten ist, endet bereits hier die Beziehung. Dieser wird dann mitteilen, dass er noch Altlasten hat, sich nicht einlassen könne oder nicht treu sein kann„, so der Experte.

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Vorsicht bei distanzierten Partner*innen

Wolfgang Krüger rät: „Finger weg von Menschen, die nicht beziehungsfähig sind. Viele Frauen lieben beispielsweise Männer, die wie ein einsamer Wolf durchs Leben gehen. Solche Männer wirken geheimnisvoll, sie haben eine gewisse Melancholie an sich. Frauen glauben oft: Ich liebe ihn so sehr, mit mir wird alles anders.“

Nicht selten ein schmerzlicher Irrtum. „Letztlich kann eine Frau einen wirklich distanzierten Menschen nicht ändern. Denn hinter seiner Distanz steckt ein Sicherheitsdenken, das sich nicht so leicht lösen lässt. Die Frau klagt später zu Recht: Du lässt zu wenig Nähe zu. Das ist dann ein ständiger Konflikt in der Liebesbeziehung.“

Jedes Paar muss irgendwann erkennen, dass es in der Liebe nicht nur um Nähe geht. „Die Kunst der Liebe besteht darin, dass man eine stabile Nähe herstellt, dem anderen aber ausreichend Freiheit lässt“, sagt Wolfgang Krüger. Das Nähe-Distanz-Problem ist mit Sicherheit kein leichter Balanceakt – aber einer, der sich lohnt.

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