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Warum es unsinnig ist, dass Männer sich vom Feminismus bedroht fühlen

Das Männerbild in der modernen Gesellschaft
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Vorab im Video: Was steckt hinter dem TikTok-Trend Micro Feminismus?

Viele Männer haben Sorge, ihre gewohnte Stellung und ihre Privilegien zu verlieren, wenn sie den Feminismus unterstützen. Dabei würden sie davon profitieren.

Zugegeben: Männer haben es heute nicht immer leicht. Jahrtausende lang waren sie privilegiert und mächtig, ohne dafür großartig reglementiert zu werden – und dann kommt es doch plötzlich anders.

Während Frauen mehr und mehr Ungleichheiten anprangern und den Feminismus entdeckt haben, suchen einige Männer im Scherbenhaufen des alten Rollenbildes noch immer nach ihrem Selbstverständnis.

Irgendwie, so finde ich, wirkt es in Gesprächen über Feminismus mit Männern oft so, als würden sie sich wenig damit auseinandersetzen und das auch gar nicht wollen. Und im Verlauf der meisten Gespräche habe ich dann das Gefühl, als würde alles, was ich sage, abgeblockt und kritisch hinterfragt werden.

Dass es hier Berührungsängste geben mag, ist per so durchaus verständlich. Intersektionaler Feminismus, Equal Pay Day, Women’s March, #metoo und der Kampf gegen Sexismus – all das hat eben nicht nur dafür gesorgt, dass Frauen sich mehr und mehr aus dem veralteten Korsett befreien, sondern auch dafür, dass das Männerbild ins Wanken und auch in die Kritik geraten ist.​

Aber letztlich geht Veränderung nicht einseitig. Wie sollen wir eine Gesellschaft verändern, wenn nicht alle Bestandteile darin an einem Strang ziehen? Es ist unerlässlich, die Männer für mehr Gleichberechtigung mitzunehmen. Und sie werden nicht einfach an den Pranger gestellt, wie es oftmals gesehen werden mag. Es geht um Veränderung. Gemeinsame Veränderung.

Wir müssen auch über Male Privilege reden dürfen, ohne dass Männer den Tisch verlassen

Aber offene Worte und Kritik müssen dabei möglich sein. Wenn wir wirklich in einer gleichberechtigten Gesellschaft leben wollen, kommen wir nicht umhin, die strukturelle Benachteiligung von Frauen und allen anderen marginalisierten Gesellschaftsgruppen anzusprechen.

Und dann kommt man nicht an der Tatsache vorbei, dass Männer laut Werkseinstellung bei ihrer Geburt schon privilegierter sind als Frauen. Stichwort Male Privilege. Auch das müssen wir ansprechen dürfen.

Schaut man sich nur mal den Alltag von vielen Menschen in Deutschland an. Früher ging der Mann arbeiten, die Frau blieb zuhause, war Mutter und Hausfrau. Das hat sich geändert. Aber eben nicht in Gänze: Denn auch wenn Frauen heute Karriere machen und ihrem Job nachgehen, so hat das Ganze dennoch einen Haken: Sie haben den Part der Hausfrau und Mutter immer noch mehrheitlich auf ihrer To do Liste. Job und Karriere sind lediglich hinzugekommen.

Mit ganz konkreten Folgen: Überlastung, Teilzeitfalle, Altersarmut bei Frauen, Gender Pay Gap und viel zu wenig Frauen in Führungsetagen.

Kein Wunder also, dass Kritik an den Männern aufkommt und das müssen sie dann auch einfach mal ertragen. Und ich unterstelle den Männer jetzt einfach mal, dass sie sich Gedanken über ihre Rolle machen, wenn die Frau gleichfalls Job, Karriere und Unabhängigkeit für sich einfordert.

Zäh, aber möglich: Das männliche Rollenbild wandelt sich

Und genau das zeigt auch die Studie „Männer-Perspektiven – Auf dem Weg zu mehr Gleichstellung?“ des Bundesfamilienministeriums. Hierfür wurden 3.000 Männern und Frauen zum Rollenbild des Mannes in der Gesellschaft befragt. Sagten 2015 noch 79 Prozent, Gleichstellung sei wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, so sagten das 2023 bereits 84 Prozent.

Dabei zeigt sich auch ein Generationswechsel an. Unter den heute 70-Jährigen sind lediglich 20 Prozent der Meinung, dass ein Mann seine Arbeitsstunden zu Gunsten seiner noch kleinen Kinder runterfahren sollte. Bei den 30-Jährigen sagen das knapp 60 Prozent.

Ein weiteres positives Fazit der Studie: „Etwas mehr Männer als 2015 zeigen heute eine Distanz zu maskulistischen bzw. antifeministischen Einstellungen und Haltungen. Der Anteil überzeugter Antifeministen ist kleiner geworden.“ Aber, und das besagt die Studie auch: „mehr als 30 Prozent der Männer sind für solche Haltungen empfänglich.“

Dennoch: Es gibt noch viel zu tun

Noch ein weiteres Alltags-Beispiel: Seit 2007 gibt es das Elterngeld und die Möglichkeit, dass sich Mutter und Vater die Elternzeit aufteilen. Das wurde am Anfang arg belächelt, ist aber mittlerweile in der Gesellschaft angekommen.

Und siehe da: Einem Mann, der sich auch in die Erziehung seiner Kinder einbringt und dafür ein paar Monate zuhause bleibt, werden heute eher Soft Skills zugesprochen. Mittlerweile liegt die Anzahl der Väter, die Elternzeit in Anspruch nehmen und Elterngeld beziehen, bei 46,2 Prozent – ein neuer Höchstwert laut den Zahlen des Statistischen Bundesamts.

Dennoch ist noch Luft nach oben, um es mal nett auszudrücken. Allein die Kita-Öffnungszeiten orientieren sich in der Regel an den Arbeitszeiten von Teilzeitbeschäftigten – und das sind eben öfters Frauen. Das legt in Vollzeit berufstätigen Vätern und Müttern ganz konkret Steine in den Weg.

Zudem gleicht die Elternzeit des Mannes, die meist kürzer ist als die Zeit, die die Frau übernimmt, eher einem längeren Urlaub oder Sabbatical, als einer Erziehungszeit. Langfristig sind es immer noch die Mütter, die ihre Karriere hinten anstellen für das Wohl ihrer Kinder.

Auch wenn also die Grundtendenz erfreulich ist, so sind es dennoch mehrheitlich die Frauen, die Care-Arbeit übernehmen. Und das nicht nur für den Nachwuchs, sondern auch für die eigenen Eltern. „Frauen leisten im privaten Kontext durchschnittlich 43,4 Prozent mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer (Statistisches Bundesamt 2025)“, so die Bundesstiftung Gleichstellung.

Kindererziehung: Zwei Welten in Pink und Heldenblau

Letztlich müssen wir früher ansetzen. Denn gerade in der Erziehung halten sich die alten Rollenbilder immer noch. Da werden Mädchen gelobt, wenn sie mitfühlend und verständnisvoll sind. Jungen hingegen wird signalisiert, dass sie keinen Schmerz zeigen sollen.

Auch das Spielzeug von kleinen Jungs und Mädchen ist zum Haare raufen. Man schaue sich nur mal einen Spielzeugkatalog von einem x-beliebigen Kaufhaus an oder die Kinderabteilung von einem Klamottenladen. Pink, süß und Glitzer vs. Superheld und wildem Kerl.

Wie soll man da als Junge vorbereitet sein auf seine späteren Begegnungen im Leben, wenn vor ihm irgendwann eine junge Frau steht, die keinen Superheld will, sondern einen Partner, mit dem man auf Augenhöhe über alles reden kann, der auch mal schwach ist, auch mal ein Anti-Held?

Lesetipp: „Ich bin nicht niedlich!“ – Was wir unseren Kindern vorleben und mitgeben

Wie soll er nun sein, der moderne Mann?

Wie sieht er also aus, der perfekte Mann von heute? Die Bereitschaft, etwas gegen die strukturelle Benachteiligung anderer Bevölkerungsgruppen in der Gesellschaft zu tun. Die klare Ablehnung von Frauenhass und Sexismus.

Dazu sollte er ein empathischer Partner sein, der seine Gefühle und Befindlichkeiten kommunizieren kann und dazu noch ein guter Papa, der nicht nur ein bisschen Care-Arbeit leistet, sondern seinen Teil leistet – und der ist bei einem Kind letztlich 50 Prozent für jeden Elternteil. Und ja: Das ist alles nicht mal so easy und leicht von heute auf morgen geschafft.

Aber mal ganz ehrlich: Frauen geht es letztlich nicht anders. Sie sollen erfolgreich im Job sein, eigenständig und finanziell unabhängig, sie sollen sich um ihre Kinder kümmern, aber auch auf sich selbst achten, Alltag und Job spielend unter einen Hut bekommen und dazu noch eine entspannte und verständige Partnerin sein. Auch nicht so easy und leicht. Aber, hey – vielleicht nennt man das ja Gleichberechtigung.

Den Feminismus als Chance für alle Geschlechter sehen

Leider fühlen sich noch immer viele Männer vom Feminismus bedroht. Sie haben Sorge, ihre gesellschaftliche Stellung zu verlieren und ein paar ihrer Privilegien abgeben zu müssen. Und natürlich werden sie das tun müssen, wenn wir eine gleichberechtigte Gesellschaft haben wollen.

Aber davon profitieren sie im Endeffekt auch. Denn die Rolle des Mannes in der Gesellschaft ist auch für ihn selbst nicht nur positiv und einfach. Der Druck, den viele Männer empfinden, stark und hart sein müssen, immer zu funktionieren, all das, was noch immer in vielen Köpfen rumschwirrt, macht ja auch etwas mit ihnen. Viele Männer sind sich gar nicht bewusst, wie sehr auch sie Opfer der bestehenden Strukturen sind.

Ganz klar: Auch Jungs und Männer würden von einer Veränderung profitieren. Das zeigen allein schon Zahlen wie die des Statistischen Bundesamts. So werden in Deutschland etwa 75 bis 80 Prozent der Suizide von Männern begangen. Dass hier ein hoher Druck auf Männern lastet und gleichzeitig oft nicht gelernt wurde, mit Ängsten und Gefühlen umzugehen und sie zu thematisieren, ist eine toxische Kombination.

Die Grundannahme im Feminismus ist es letztlich, dass alle Geschlechter gleichwertig sind und deshalb auch gleichberechtigt in einer Gesellschaft leben können sollten. So strebt der Feminismus eben nicht an, Männer zu entmachten, zu bestrafen oder einzuschränken, wie an manch einem Stammtisch gemutmaßt wird, sondern er strebt eine gerechtere Gesellschaft für alle an. Das mitzutragen sollte sich für jeden Menschen – egal welchen Geschlechts – doch verdammt richtig anfühlen.