Ist die erste Phase der großen Leidenschaft vorüber, muss sich jede Beziehung bewähren. Erst dann zeigt sich, wer wirklich zueinander passt und ob sich echte Gefühle entwickeln. Ein Test, den nicht jede Partnerschaft besteht: Einige Paare leben nur noch nebeneinander her oder verfangen sich im täglichen Kleinkrieg.
Einen Schlussstrich zu ziehen, fällt dennoch nicht immer leicht. Man sollte sich aber klar machen: Ich belüge nicht nur mich, wenn ich an einer zerrütteten Beziehung festhalte, sondern auch meinen Partner bzw. meine Partnerin.
Falls es dir ähnlich geht, du dir unsicher bist, was die Aufrichtigkeit deiner Gefühle und der deiner Beziehungsperson angeht, dann sollte dir dieser Artikel helfen.
Hier einige typische Anzeichen dafür, dass sich zwei Menschen in einer Beziehung auseinandergelebt und von einander entfernt haben:
Ihr habt keine Streitkultur mehr
Wer sich Konflikten mit seinem Partner oder Partnerin nicht mehr stellt, sondern alles fleißig runterschluckt, zeigt damit, wie wenig ihm der andere noch bedeutet.
Eine Beziehung zu führen heißt auch, in sie zu investieren. Sich unbequemen Gesprächen auch mal zu stellen. Unsicherheiten und Unzufriedenheit anzusprechen, um etwas zum Guten zu verändern für beide Seiten. Denn das bedeutet eben auch, dass der andere es mir wert ist, mich mit ihm und seinen Eigenheiten auseinanderzusetzen.
Zunehmende Gleichgültigkeit
Wenn man sich nicht mehr für den anderen interessiert, für seine Sorgen, Ängste und Wünsche, kann das ein Ende der Liebe und damit der Beziehung anzeigen.
Wer einander kaum mehr zuhört, einfach, weil es ihn nicht mehr interessiert, der sollte sich ernsthaft überlegen, warum das so ist. Und seine Konsequenzen daraus ziehen. Sprich: Entweder etwas ändern und auf einander zugehen, oder eben die Beziehung beenden.
Böse Absichten unterstellen
Niemand ist perfekt und wir alle machen Fehler. Aber wenn ich dem anderen wirklich bösartige Absichten unterstelle, zeigt das, dass eine Grenze schon lange überschritten wurde.
In einer Beziehung sollte es beiden wichtig sein, dass es dem jeweils anderen gut geht. Hat einer von beiden das Gefühl, dass der andere das Gegenteil möchte, dann geht es hier um alles möglich – nur nicht um Liebe.
Angst vorm Alleinsein?
Test: Schließe die Augen und stell dir vor, wo du in fünf oder zehn Jahren sein wirst. Ist der Partner Teil des Zukunftstraums? Falls nein, könnte es sein, dass es aktuell vor allem diffuse Ängste sind, die dich in der Beziehung verharren lassen.
Viele Menschen bleiben in Beziehungen, die ihnen nicht gut tun oder vielleicht sogar schaden, nur weil sie Angst vor dem Alleinsein haben.
Fremdflirten wird salonfähig
Wer plötzlich wieder in den Singlemodus schaltet und andere Menschen sieht, mit ihnen flirtet und sich vorstellt, wie es wäre, mit ihnen zusammen zu sein, der sollte eine Alarmglocke schrillen hören. Denn das ist oft ein Zeichen, dass einem in der aktuellen Beziehung etwas fehlt.
Hier sollte man sich ehrlich fragen, ob einem noch genug an der aktuellen Beziehung liegt, ob man etwas vermisst und ob es Möglichkeiten gibt, gemeinsam etwas zu ändern, damit beide wieder mehr auf die Beziehung fokussiert sind, statt auf andere Reize von außen. Die Augen nicht vor anderen tollen Menschen zu verschließen, sollte natürlich völlig normal sein. Aber es gibt eine Grenze, die jeder für sich am besten weiß.
Sex? Fehlanzeige
Natürlich muss man nicht ständig wilden Sex haben. Spätestens, wenn Kinder da sind, kann das Sexualleben schon mal etwas in den Hintergrund treten. Wichtig ist nur, dass Körperkontakt sich nicht auf Dauer verabschiedet – und zwar im weitesten Sinne gesehen.
Also es geht um Körperlichkeit allgemein – seien es Küsse, Umarmungen oder ein zärtliches Streicheln. Das alles ist der Kit für eine liebevolle Beziehung. Nicht jeder braucht Körperlichkeit gleichermaßen, viele Paare kommen sicher auch ohne Sex aus, aber ein wenig körperliche Nähe stärkt eine Partnerschaft doch sehr.
Fehlender Respekt
Kleine Sticheleien gibt es in jeder Beziehung. Aber man sollte niemals respektlos miteinander umgehen. Eine Grenze, die meist unbemerkt überschritten wird. Ist der Umgangston rau, wirft einem der Partner oder die Partnerin verletzende Dinge an den Kopf, dann sollte man sich fragen, ob dies der Mensch ist, mit dem man sein Leben teilen möchte.
Wenn der schlechte Umgang miteinander mehr als eine üble Phase ist, helfen nur entsprechende Konsequenzen. Gewalt umfasst auch psychische Gewalt. Und die sollte niemand hinnehmen.
Charakterzüge nerven plötzlich
„Warum ist mir das früher nie aufgefallen?“ Plötzlich sind da Charakterzüge und Verhaltensweisen am Partner oder der Partnerin, die massiv nerven und regelrecht aggressiv machen. Vieles, was man vorher liebevoll hingenommen oder gar übersehen hat, tritt plötzlich zutage und sorgt für Zündstoff in der Beziehung.
Hier sollten beide das offene Gespräch suchen und sich darüber klar werden, dass sich etwas verändert hat. Mit Beziehungsarbeit und einer guten Kommunikation und dem Willen, die Beziehung zu retten, kann man vieles ändern. Und manchmal liegt der Grund für die plötzliche Genervtheit ganz woanders.
Jeder, dem ernste Zweifel an seiner Beziehung kommen, sollte sich folgende Fragen stellen:
- Überwiegen in meiner Beziehung die positiven oder die negativen Aspekte?
- Gehen wir respektvoll miteinander um?
- Fühle ich mich gut in der Beziehung? Macht mich mein Partner bzw. meine Partnerin glücklich oder eher unglücklich?
- Fühle ich mich emotional sicher und geborgen?
- Fühle ich mich körperlich sicher und geborgen?
- Sind da noch auf beiden Seiten Gefühle füreinander?
- Sehe ich eine Zukunft mit diesem Menschen?
- Arbeiten wir beide daran, dass es wieder besser wird? Oder sind beide bereit, etwas für die Beziehung zu tun?
- Macht die Beziehung Fortschritte oder ist sie nur noch ein trauriger Abklatsch der einstigen Liebe? Besteht die Aussicht und die Bereitschaft, daran gemeinsam etwas zu ändern?
Kämpft, wenn es Sinn macht
Das Problem zu erkennen, ist der erste Schritt. Eine Krise bedeutet nicht zwangsläufig die Trennung. Aber man sollte sich ehrliche Gedanken über Veränderungen machen. Dennoch sollte niemand kampflos seine Beziehung aufgeben, wenn beide eigentlich noch Gefühle füreinander haben.
Manchmal kostet der Alltag viel Kraft. Der Spagat zwischen Job und Familie, Alltag und To dos ist anstrengend und manchmal verliert man dann das aus dem Blick, das einem bislang immer die Kraft für all das gegeben hat. Den Menschen an der Seite, der einem viel bedeutet.
Deshalb sollten all diese Anzeichen, dass etwas im Argen liegt, nicht bedeuten, dass die Beziehung am Ende ist. Es bedeutet lediglich, dass man ehrlich sein muss und dann klar für sich sagen muss, ob man bereit ist, für seine Liebe zu kämpfen, Dinge zu ändern und aktiv etwas dafür zu tun. Denn dann kann man sehr viel reparieren. Oft mehr als man glaubt.
