Veröffentlicht inJob & Geld, Job & Karriere

Darf man krankgeschrieben Urlaub machen? Was erlaubt und was verboten ist

© Getty Images

Krankgeschrieben- was darf ich?

Unsere Rechtsexpertin Nicole Mutschke klärt auf - Was darfst du tun, wenn du krankgeschrieben bist?

Wer krankgeschrieben ist, sollte im Bett bleiben und sich ausruhen – so die gängige Annahme. Aber ist das wirklich so, oder darf ich trotz Krankschreibung sogar in den Urlaub fahren? Hier erfährst du die überraschende Antwort.

Wer krank ist, hat in der Regel kein Bedürfnis rauszugehen und etwas zu unternehmen. Die meisten wollen im Bett liegen bleiben und Erkältung, Grippe und Co. schnellstmöglich auskurieren. Doch es gibt Erkrankungen, bei denen man nicht völlig ausgeknockt ist und durchaus in der Lage wäre, etwas zu unternehmen.

Aber ist das überhaupt erlaubt? Was darf man eigentlich, wenn man krankgeschrieben ist? Wir klären auf, was erlaubt und was verboten ist und in welchen Fällen dir sogar die Kündigung drohen könnte. Und als kleiner Spoiler vorab: Du wirst überrascht sein, was alles möglich ist.

Auch lesen: Sabbatical: Welche Modelle gibt es & habe ich einen Anspruch auf die berufliche Auszeit?

Krankgeschrieben: Das ist erlaubt

Wer krankgeschrieben ist, sollte sich ausruhen, um wieder gesund zu werden. Nicht erlaubt ist alles, was den Genesungsprozess verhindert oder negativ beeinflusst. Ein kurzer Einkauf im Supermarkt oder ein Spaziergang an der frischen Luft behindern den Heilungsprozess in der Regel nicht und sind daher so gut wie immer möglich.

Frische Luft zum Beispiel wirkt sich in vielen Fällen positiv auf deine Gesundheit aus. Natürlich solltest du im Winter bei einer Erkältung nicht im T-Shirt herumlaufen, aber das sollte jedem klar sein. Wurde dir von deinem Arzt oder deiner Ärztin allerdings strikte Bettruhe verordnet, musst du dich auch daran halten.

Wenn du aber mit Freund*innen ins Kino gehen willst, kommt es auf den Einzelfall und vor allem auf den Grund deiner Krankschreibung an. Hast du dir einen Arm gebrochen und kannst deiner Arbeit aus diesem Grund nicht nachgehen, steht einem Kinobesuch grundsätzlich nichts im Wege. Hast du aber eine infektiöse Erkrankung, solltest du zu Hause bleiben. Bevor es zu einer Kündigung kommt, wirst du in der Regel vorab abgemahnt, solltest du genesungswidrig gehandelt haben.

Lest auch: Zweitjob: Muss ich meinen Arbeitgeber um Erlaubnis bitten?

Darf ich trotz Krankschreibung in den Urlaub?

Wenn du krankgeschrieben bist, weil du unter einer psychischen Erkrankung, wie zum Beispiel Depressionen oder Burnout leidest, können Treffen mit Freund*innen oder Spaziergänge förderlich für deine Genesung sein.

Sogar ein kurzer Urlaub am Meer ist nicht verboten, wenn der Kurztrip der Genesung dient. An dieser Stelle solltet ihr aber vorsichtig sein. Ein Urlaub ist zwar nicht verboten, es wäre aber sinnvoll, sich vorab vom Arzt oder der Ärztin die Bestätigung zu holen, dass der Urlaub für die Genesung förderlich ist.

Achtung: Wer besonders unvernünftig handelt und trotz Krankschreibung anstrengenden Aktivitäten nachgeht, könnte mit einem ganz anderen Vorwurf konfrontiert werden: Nämlich, dass er die Erkrankung nur vorgetäuscht hat. Die Vortäuschung einer Erkrankung würde eine fristlose Kündigung nach sich ziehen.

Lest auch: AU seit dem 1.1. abgeschafft: Das musst du über die elektronische Krankmeldung wissen

Darf ich trotz Krankschreibung arbeiten?

Auch wenn du krankgeschrieben bist, darfst du arbeiten. Es gibt auch keine „Gesundschreibung“. Bei der Krankschreibung durch den Arzt oder die Ärztin handelt es sich um eine Prognose, wie lange du voraussichtlich ausfällst. Das heißt aber nicht, dass du nicht schon früher wieder arbeiten kannst. Im Gegenteil, sollte es dir früher wieder besser gehen, kannst du deiner Arbeit wieder wie gewohnt nachgehen. Was du aber natürlich nicht machen solltest, ist arbeiten, obwohl du noch nicht gesund bist.

Du musst für deinen Arbeitgeber bzw. für deine Arbeitgeberin auch nicht erreichbar sein, wenn du krank bist. Dein Chef bzw. deine Chefin darf dich aber kontaktieren, wenn es um eine dringende berufliche Angelegenheit geht. Wenn du zum Beispiel der oder die Einzige bist, die Auskunft über eine wichtige Frage geben kann, ist es erlaubt, dich zu kontaktieren. Dennoch sollte das die absolute Ausnahme sein, da sich die Arbeit nicht unbedingt günstig auf deine Genesung auswirkt.