Veröffentlicht inBaby & Kleinkind, Familie, Kind & Teenager

So baust du Schritt für Schritt die innere Stärke deines Kindes auf

Junge als Superheld verkleidet.
So nutzt du das Zitronen-Prinzip, um dein Kind innerlich stark zu machen. Credit: Image taken by Mayte Torres

Stellt man sich nur vor, in eine Zitrone zu beißen, reagiert der Körper sofort. Diese mentale Stimulation lässt sich auch in der Erziehung nutzen.

Stell dir vor, du hältst eine aufgeschnittene Zitrone in deiner Hand. Nimm dir ein bisschen Zeit. Nun riechst du daran. Ganz kräftig. Und schließlich beißt du hinein.

Und? Ist dir jetzt sprichwörtlich das Wasser im Mund zusammengelaufen? Und das, obwohl du weißt, dass du gar keine Zitrone in der Hand hast? Was hier passiert, ist Neurobiologie. Dein Gehirn reagiert auf etwas, als wäre es real.

Genau dieses Prinzip kannst du in der Erziehung nutzen. Ich nenne es, das Zitronen-Prinzip. Und es ist mächtiger, als viele Eltern ahnen.

Auch lesen: Erziehung: Wie Selbstständigkeit dein Kind emotional stabiler macht

Warum Gedachtes wie Erlebtes funktioniert

Ganz wissenschaftlich betrachtet spricht man von ‚mentaler Stimulation‘. Das bedeutet, dein Gehirn aktiviert ähnliche Netzwerke, egal ob du etwas tatsächlich tust, oder, wie im Fall unserer imaginären Zitrone, es dir nur vorstellst.

Ein bisschen erinnert das auch an den Pawlowschen Reflex, von dem du bestimmt schon mal gehört hast. Hierbei hat der russische Physiologe Iwan Pawlow Hunde so lange mit einer Glocke und Futter konditioniert, bis die Glocke allein den Hund zum speicheln brachte, obwohl noch gar kein Fressen in Sichtweite war.

Auch in der Soziologie gibt es einen solchen Effekt, die sogenannte ’self-fulfilling prophecy‘. Das bedeutet, das unsere Erwartungen unser Handeln beeinflussen und damit genau das Ergebnis erzeugen, das man erwartet hat.

Kurz gesagt: Unser Gehirn glaubt, was wir ihm oft genug erzählen. Und genau das trifft auch auf unsere Kinder zu.

Lesetipp: Diese 7 vermeintlichen „Schwächen“ deines Kindes sind eigentlich echte Superkräfte

Selbstbewusstsein beginnt im Kopf

Viele von uns glauben, dass Selbstbewusstsein etwas mit Erfolg zu tun hat. Gelingt uns etwas, auch nach vorangegangenen Fehlversuchen, wachsen wir an beidem. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn Selbstbewusstsein entsteht auch, wenn ein Kind sich innerlich als kompetent erlebt, sogar, bevor der Erfolg sichtbar wird.

Und du ahnst es bereits, genau hier kommt das Zitronen-Prinzip ins Spiel. Wenn dein Kind immer wieder hört:

  • „Du findest einen Weg.“
  • „Du kannst das lernen.“
  • „Ich traue dir das zu.“

…dann entsteht in ihm drin bereits Kompetenz. Sein Gehirn ist davon überzeugt, dass etwas gelingt. Dein Kind hat ein positives Selbstbild von sich und seinen Fähigkeiten. Es wird den Mut haben, Dinge auszuprobieren und das Durchhaltevermögen, sie zu meistern.

Lies auch: Glückliche Kinder erziehen: 5 Sätze, die wirklich jedes Kind hören sollte!

Das Zitronen-Prinzip im Alltag

Jaja, ich weiß, Zitronen-Prinzip klingt nach einem netten Gedankenspiel aber mehr nicht. Aber es ist wirklich ein Werkzeug. Und sogar eines, das du jeden Tag benutzt, ob nun bewusst oder unbewusst. Denn jedes Mal, wenn du über dein Kind sprichst, baust du an seinem Selbstbild mit.

Wenn dein Kind etwas geschafft hat und du sagst, „Gut gemacht“, dann freut es sich. Aber nur kurz. Sagst du stattdessen, „Du bist jemand, der dran bleibt, auch wenn es schwierig wird“, passiert etwas anderes. Dann beschreibst du nicht nur eine Handlung, sondern eine Eigenschaft, eine Stärke. Und die wirkt tiefer. Sie wird gespeichert, wiederholt und verinnerlicht.

Das heißt, Kinder entwickeln ihr Selbstbewusstsein nicht nur aus einzelnen Erfolgen, sondern aus der Geschichte, die sie über sich selbst glauben. Und diese Geschichte entsteht aus vielen kleinen Momenten.

Vorsicht vor der Gegenrichtung

Das funktioniert leider auch in die andere Richtung. Wenn ein Kind zum Beispiel immer wieder hört, „Du bist schüchtern“ oder „Mathe war noch nie dein Ding“, dann entsteht auch eine mentale Stimulation. Allerdings ist die sehr einschränkend. Denn das Gehirn speichert hier, „So bin ich eben“ und ein Kind wird sich dann entsprechend verhalten.

Was wir sagen und wie wir es sagen entscheidet also auch darüber, wie selbstbewusst unser Kind sein kann.

Dein Kind wird, was es innerlich übt

Erlebt ein Kind immer wieder, dass es handlungsfähig ist, kann echtes Selbstbewusstsein entstehen. Und genau darin liegt unsere Rolle als Eltern. Wir sind keine Motivationscoaches und wir müssen unsere Kinder auch nicht für jede Kleinigkeit loben, aber wir können ihre innere Stimme, ihr Selbstbewusstsein ganz aktiv mitgestalten.

Weitere Themen: