Wer ein selbstständiges Kind erziehen möchte, muss früh anfangen. Viele denken, wenn das Kind sich mit Beginn der Pubertät von den Eltern löst, ist das der Startschuss Richtung Selbstständigkeit. Den sollte man jedoch viel früher setzen.
Denn Dinge in die Hand nehmen und eigenständig lösen können, beruht auf Erfahrungen, positiven wie negativen, Durchhaltevermögen, Mut und viel Geduld. All das sollte man nicht erst in der Pubertät lernen. Denn das wäre zu spät. Nur wer schon als Kind Handlungsspielräume hat und Situationen erlebt, in denen etwas ausprobiert, entschieden und gelöst werden kann, wächst daran.
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Wer als jüngeres Kind schon selbst sein Brot schmiert, einen Konflikt auf dem Spielplatz ohne Hilfe von Mama und Papa löst oder ganz allein für das Packen des Ranzens zuständig ist, ist vielleicht noch nicht bereit, auszuziehen, aber auf dem besten Weg, das eines Tages ohne Bauchschmerzen tun zu können.
Lass dein Kind Probleme lösen
Es heben die von euch die Hand, die sich gänzlich vom Helikoptern freisprechen können. Ansonsten würde ich uns Millennial-Eltern einfach unterstellen, dass wir schnell mit unserer Hilfe herbeieilen, wenn unser Nachwuchs Probleme und Sorgen hat. Ihn scheitern zu sehen ist nämlich eine unserer größten Herausforderungen als Eltern. Und doch müssen wir genau das tun, wenn wir selbstständige Kinder erziehen wollen.
Wer seinem Kind nämlich fortwährend Lösungen liefert, nimmt ihm die Möglichkeit, eigene Strategien zu entwickeln. Das bedeutet selbstverständlich nicht, das Kind einfach ins Verderben laufen zu lassen. Doch statt sofort einzugreifen, sollten wir es unterstützen, selbst eine Lösung zu finden, indem wir zum Beispiel nachfragen, „Was könntest du jetzt tun?“ oder „Welche Idee hast du?“
Gib deinem Kind Verantwortung
Je früher man seinen Nachwuchs in den Alltag einbezieht, umso schneller entwickelt er Verantwortungsgefühl. Tisch decken und abräumen, Kleinigkeiten alleine einkaufen oder das Haustier morgens und abends füttern, sind Dinge, die Kinder ab dem Grundschulalter fest übernehmen können. Das sind ihre Aufgaben und am besten an jedem Tag.
Dabei sollte es weniger darum gehen, dass sie alles immer richtig und perfekt machen, sondern mehr darum, ihnen Verlässlichkeit beizubringen.
Hilf ihm, Geld zu verstehen
Finanzielle Selbstständigkeit, im Sinne der kompletten Selbstversorgung, ist ein weiter Weg. Aber auch den kann man bereits starten, wenn das Kind noch kleiner ist, spätestens aber, wenn es mit 12-13 Jahren in die Pubertät kommt. Das eigene Taschengeld ist ein optimales Mittel, Kindern den Wert von Geld zu vermitteln.
Dafür muss ein Kind regelmäßig Taschengeld bekommen und es alleine und ohne Einmischung der Eltern ausgeben dürfen. So lernt es, was Geld wert ist, was passiert, wenn man alles auf einmal ausgibt und wie doof man sich auch mal fühlt, wenn man es für richtigen Quatsch ausgegeben hat.
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Lass es Frustration aushalten
Im Leben läuft selten alles nach Plan. Mit Rückschlägen, Verspätungen und Fehlern umgehen zu können, lernt man am besten als Kind. Es ist deshalb wichtig, dass ein Kind auch mal ein Spiel verliert, dass es mal eine schlechte Note schreibt oder das es nicht wie seine Freund*innen auf eine Party eingeladen wird.
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Dass sind ohne Zweifel keine einfachen Erfahrungen und sie tun auch weh, aber sie lassen ein Kind wachsen. Und das Kind diese negativen Gefühle fühlen zu lassen, ist nicht gleichbedeutend damit, es die alleine aushalten zu lassen. Wir Eltern haben die Aufgabe, unsere Kinder in diesen schweren Momenten aufzufangen und zu begleiten. So lernen sie, dass nach Rückschlägen Fortschritt folgt und es kein Grund ist, aufzugeben.
Lass es Entscheidungen treffen
Je jünger Kinder sind, desto mehr Entscheidungen treffen wir für sie. Das bedeutet aber auch, dass wir ihnen mit zunehmendem Alter mehr eigene Entscheidungen zugestehen sollten. Dafür sollte ein Kind vor allem Zeit haben. Wer nämlich von einem Hobby zum nächsten kutschiert wird, wer immer feste Zeiten für Hausaufgaben hat und wer nie überlegen muss, was man als nächstes machen könnte, muss über nichts nachdenken oder entscheiden.
Gebt eurem Kind deshalb Freizeit, lasst es sich langweilen und alleine aus der Langeweile finden. Lasst es Treffen mit Freund*innen vereinbaren, sein Taschengeld für Quatsch ausgeben und auch mal nicht zum Fußballtraining gehen. Gesteht ihm Entscheidungen zu und lasst es Konsequenzen seiner Entscheidungen spüren.
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Schenk ihm Vertrauen
Kinder spüren, ob Eltern ihnen etwas zutrauen. Wer schnell eingreift, kontrolliert und korrigiert, vermittelt seinem Kind, dass es alleine nicht fähig ist. Wer sein Kind hingegen ermutigt, Dinge auszuprobieren, etwas selbst und alleine zu machen, hilft ihm, Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten aufzubauen.
Und das ist am Ende die wichtigste Fähigkeit, um eines Tages auf eigenen Beinen stehen zu können und selbstständig zurechtzukommen.
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