Jacken neben der Garderobe auf dem Fußboden, dreckiges Geschirr auf der Spülmaschine und Schultaschen, die irgendwo im Wohnzimmer rumstehen, das sind nur drei der alltäglichen Dinge, die mir zu Hause begegnen und die mich ärgern. Sehr oft habe ich nämlich das Gefühl, dass ich die einzige hier zu Hause bin, die sieht, was gemacht werden muss.
Warum funktioniert das mit der Eigenverantwortung bei meinen beiden Teenagern überhaupt nicht?
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Sind (meine) Teenager faul?
Auch wenn es sich manchmal genau danach anfühlt, ist die Antwort nicht ganz so einfach. (Meine) Teenager sind nicht per se faul, sie fühlen sich für vieles schlichtweg nicht verantwortlich. Und daran sind sehr wahrscheinlich wir Eltern ’schuld‘. Mist.
Zum einen, weil wir Alltagsaufgaben wie das Spülmaschine einräumen oder auch mal den Müll raus- oder die Wäsche runterbringen, nie richtig als Aufgabe an unsere Kinder übergeben haben. Auch deshalb, weil ‚mitdenken‘ etwas ist, das sich noch entwickelt. Und nicht zuletzt deshalb, weil Dinge bei uns eben nicht einfach liegen bleiben, sondern sehr oft Mama und Papa einspringen.
Es gibt für (unsere) Teenager deshalb eigentlich keinen Grund, etwas zu ändern.
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Ich bin das System!
Es ist nicht so, dass mein Sohn und meine Tochter Dinge nicht erledigen, wenn ich sie darum bitte. Aber ich muss eben erst mal bitten. Und genau das ist das Problem. Ich erinnere, ich denke voraus und ich halte die Dinge am Laufen.
Aber genau das sorgt dafür, dass meine Teenager sich zurücklehnen können. Bestimmt nicht bewusst. Aber ungelegen kommt ihnen mein Eifer vermutlich auch nicht.
Wenn ich aber weiterhin immer einspringe und ihnen (ihre) Sachen sprichwörtlich hinterhertrage, wird sich nichts ändern.
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Was es fast noch schlimmer macht
Damit nicht alles an mir hängen bleibt, fordere ich meine Teens natürlich auch zur Mithilfe auf. Beinah täglich höre ich mich Dinge sagen wie:
- „Kannst du bitte noch deine Sachen wegräumen?“
- „Räum das Geschirr doch bitte gleich in die Spülmaschine.“
- „Denkst du dran, deine Brotdose noch auszupacken?“
- …
Und kurzfristig funktioniert das. Die Arbeitsanweisungen werden umgesetzt. Aber auch nur in dem Moment und schon am nächsten Tag scheinen sie alles wieder vergessen zu haben.
Denn meine Kinder haben sich daran gewöhnt, von mir daran erinnert zu werden, was sie zu tun haben. Sie handeln erst auf Ansage. Eigeninitiative ist so gar nicht nötig.
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Was jetzt hilft
Ich weiß theoretisch ganz genau, was zu tun ist, damit meine Kinder mehr Eigeninitiative zeigen. Ich weiß aber auch, dass ich das schwächste Glied in der Kette zum Erfolg bin. Ich wohne nämlich auch hier und ich will, dass alles seine Ordnung hat.
Aber rein theoretisch muss ich folgendes tun:
1. Zuständigkeiten fest verteilen
Statt meine Kinder heute und morgen und an jedem anderen Tag darum zu bitten, dieses und jenes zu erledigen und mal „kurz zu helfen“, muss ich ihnen feste Aufgaben geben: „Der Müll ist dein Bereich.“ oder „Wenn der Wäschekorb voll ist, trag ihn in den Keller und stell die Maschine an.“
Je klarer die Aufgabe formuliert ist, desto größer ist die Chance, dass sie irgendwann wirklich von alleine übernommen wird.
2. Einmal klären
Wir führen dieselben Gespräche immer wieder. Um das ständige Diskutieren über Aufgaben zu beenden, müssen wir klare Absprachen treffen und konkrete Erwartungen formulieren.
Und dann wirklich dabei bleiben. Und nicht jeden Tag neu anfangen.
3. Aushalten, dass es nicht läuft
Genau dieser Punkt ist mein absoluter Endgegner, denn es fällt mir unfassbar schwer, unerledigte Dinge auszuhalten. Doch das ist der Knackpunkt.
Der Müll wird also stehen bleiben. Die Spülmaschine wird leer, die Spüle dafür voll sein und Taschen, Schulmaterialien und Schuhe werden sich im Wohnzimmer türmen.
Es wird sich aber nichts ändern, wenn ich das Chaos beseitige. Vermutlich muss ich das zu meinem Mantra machen.
4. Verantwortung heißt Folgen spüren
Gebe ich meinen Kindern die Verantwortung für die eine oder andere Haushaltsaufgabe, werde im ersten Schritt vor allem ich mit den Folgen leben müssen. Ich hab aber die Hoffnung, dass auch sie früher oder später merken, dass sie beispielsweise nichts zum Anziehen mehr im Schrank haben.
Wer Dinge vergisst, muss die Konsequenz selber erleben oder spüren. Das ist nicht unfair oder hart, das ist die Essenz von Lernen.
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Was uns Eltern hilft
Kein Elternteil sollte sich dafür zuständig fühlen müssen, dass alles läuft oder ordentlich ist. Wofür wir aber verantwortlich sind, ist, unseren Kindern beizubringen, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Am besten Schritt für Schritt.
Das wird auf jeden Fall unbequem. Aber irgendwann muss man da wohl durch. Kein Teenager wird eines Tages aufspringen und einem Aufgaben förmlich aus der Hand reißen.
Hören wir Eltern aber auf, sie ständig zu erinnern und schaffen es, unsere Erwartungen klar zu formulieren und das Chaos auszuhalten, wird sich langfristig etwas verändern. Hoffe ich.
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