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Warum Teenager riskante Dinge tun

Junge Frau steht hinter einer Rauchwolke ihrer E-Zigarette.
© Getty Images/ Francesco Carta fotografo

Vorab im Video: Warum dein Sohn kaum noch was sagt

Und warum das nicht gegen euch Eltern gerichtet ist.

Bei Teenagern geht es oft um Anerkennung und Coolsein. Sie wollen dazugehören und machen dafür manchmal fragwürdige Dinge.

Es gibt diese Momente als Teenagermama, da bleibt einem kurz das Herz stehen. Wenn der Sohn davon erzählt, dass jemand aus der Clique nachts über Zäune, Mauern und abgestellte Züge geklettert ist. Wenn Videos von waghalsigen Mutproben auf dem Handy auftauchen. Oder wenn das eigene Kind plötzlich Dinge tut, bei denen man sich fragt: Was hat es sich dabei gedacht?

Die ehrliche Antwort ist wohl: nicht besonders viel.

Es ist nicht so, dass Jugendliche verantwortungslos oder leichtsinnig sein wollen. Sondern ihr Gehirn funktioniert noch anders, schließlich steckt es mitten im Umbau. Das Risiko ist deshalb ihr unbewusster Begleiter. Mehr, als uns Eltern lieb sein mag.

Das Teenie-Gehirn

Wer mit Teenagern zusammenlebt, kann den Eindruck bekommen, sie hätten zwei völlig verschiedene Modi:

In ruhigen Momenten können sie erstaunlich reflektiert sein. Sie diskutieren klug über Politik, planen ihre Zukunft oder erklären einem geduldig die neue App.

Und dann gibt es die Situationen, in denen sie Entscheidungen treffen, die uns Erwachsene kopfschüttelnd zurücklassen.

Der Grund dafür liegt tatsächlich im Gehirn. Der Bereich, der die Impulskontrolle, Planung und Risikoabschätzung regelt, ist noch in der Entwicklung. Und das sogar bis in die frühen 20er hinein. Das Belohnungssystem hingegen arbeitet besonders intensiv in der Pubertät. Alles, was Spannung, Anerkennung oder Nervenkitzel verspricht, fühlt sich verlockender an.

Und genau das führt zu viel Neugier und nicht selten Übermut. Es fehlt vielen Teenagern schlichtweg die innere Bremse.

Gruppendruck hat große Macht

Für Teenager ist ihre Freundesgruppe enorm wichtig. Mit ihren Freund*innen verbringen sie nicht nur viel Zeit, sie sind auch eine Art Spiegel für jeden und jede innerhalb der Gruppe. Sie zeigen einander, wer sie sein könnten und wie sie wahrgenommen werden.

Deshalb können Freund*innen und Cliquen auch verändern, was ein Teenager tut und nicht tut. Dinge, die ein Jugendlicher alleine nie machen würde, scheinen in der Gruppe, wenn Freund*innen zugucken, reizvoller. So reizvoll, dass man auch mal über das Ziel hinausschießt.

Denn Jugendliche wollen dazugehören, sie wollen mutig und cool wirken und auf gar keinen Fall langweilig. Und genau dieses Anliegen kann die Vernunft ganz weit wegschieben.

Risiko gehört zur Pubertät

Ein gewisses Maß Risiko gehört auch, wie sollte es anders sein, zur Entwicklung dazu. Jugendliche müssen testen können, wo ihre Grenzen sind. Sie müssen erleben, wie sich Freiheit anfühlt. Und sie müssen erfahren, welche Konsequenzen Entscheidungen haben.

Das bedeutet natürlich nicht, dass jedes riskante Verhalten harmlos ist. Es erklärt aber, warum Teenager so stark nach neuen Erfahrungen suchen. Sie testen sich, ihre Fähigkeiten und ihren Mut, um ihren Platz in der Welt zu finden.

Die Suche nach sich selbst

Die Sache mit der Identitätsfindung ist auch etwas, das die Pubertät bestimmt. „Wer bin ich?“, „Wie sehen mich andere?“, „Wo gehöre ich hin?“ sind Fragen, die viele Teenager beschäftigen. Wenige stellen sie laut, die große Mehrheit beschäftigt sich alleine und im Stillen damit.

Manche finden recht schnell Antworten darauf durch Hobbys oder Freundschaften. Andere finden Antworten darauf in der Musik, Kunst, Mode oder Politik. Und manche eben auch über Mutproben oder riskante Aktionen. Was alle Antworten gemein haben, dass sie dem Teen das Gefühl geben, stark zu sein, unabhängig und vielleicht auch ein bisschen besonders.

Social Media

Eine zusätzliche Rolle spielt das Internet. Mutproben und Challenges finden heute nicht mehr nur im Freundeskreis statt, binnen weniger Sekunden sind sie über diverse Kanäle veröffentlicht und der ganzen Welt zugänglich gemacht. Auch dabei geht es um Zuspruch und Anerkennung, aber eben in Form von Likes, Shares und Kommentaren.

Das kann eine enorme Motivation sein, denn die Anerkennung für Videos oder Fotos kommt in der Regel sofort und von vielen gleichzeitig. Das birgt natürlich Tücken. So verschwimmt die Grenze zwischen Spaß und Gefahr schnell.

Was Eltern (und Teen) helfen kann

Teenager brauchen Freiheit und auch Orientierung. Sie müssen spüren, dass sie eigene Erfahrungen machen dürfen, aber sie brauchen auch Erwachsene, die nachfragen und bei Bedarf Grenzen setzen.

Das ist manchmal leichter gesagt als getan, denn die Angst beim Loslassen ist für Eltern allgegenwärtig. Besonders, wenn das Kind einen Freundeskreis pflegt, den man vielleicht nicht so super findet.

Es ist trotzdem kontraproduktiv, zu versuchen, seinen Teenager zu kontrollieren. Was man aber machen kann, ist im Gespräch bleiben und Interesse zeigen. Dabei kann man auch deutlich machen, dass man dem Kind gewisse Dinge zutraut, dass Sicherheit aber immer an erster Stelle stehen sollte.

Und die beste Nachricht zum Schlusss: Das riskante Verhalten verschwindet wieder. Je älter Kinder werden, desto ruhiger und überlegter handeln sie. Vieles verliert seinen Reiz. Und die meisten Teenager finden irgendwann ihren Weg.

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