Digitale Assistenten wie ChatGPT, Gemini, Meta AI oder Copilot, gehören heute für die meisten von uns zum Alltag. Sie helfen beim Lernen, beantworten Fragen und können auch in einsamen Momenten helfen.
Doch genau da, wo hilfreiche Technologie auf die (verletzliche) Entwicklungsphase von Kindern und Jugendlichen trifft, liegt eine Gefahr, die Eltern nicht ignorieren sollten. Denn die KI, besonders in Form von Chatbots, hat großes Potenzial, birgt aber auch große Risiken.
Wir wollen deshalb erklären, was Eltern unbedingt wissen und beachten sollten, wenn das eigene Kind selbstständig im Netz unterwegs ist, wie Gefahren entstehen und wie sie ihrem Kind verantwortungsvoll helfen können, sicher mit KI umzugehen.
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Warum Chatbots mehr sind als nur Technik
KI-Chatbots sind digitale Gesprächspartner, die auf Mustererkennung und großen Datenmengen basieren. Sie können in natürlicher Sprache antworten, Erklärungen liefern, Texte schreiben und, je nach Modell, auf emotionale Signale reagieren.
Das macht sie faszinierend, aber auch sehr komplex. Und genau das kann für Kinder und Jugendliche zur Gefahr werden, da sie sich kognitiv, sozial und emotional noch entwickeln.
Viele junge Menschen und Kinder nutzen KI schon in ihrem Alltag. Nicht nur für Fragen, zum Beispiel die Schule betreffend, sondern auch für emotional schwierige Situationen. Sie nutzen Chatbots als Ersatz für reale Unterhaltungen, als Ersatz für Beziehungen. Und genau das, so Experten, ist einer der größten Risikofaktoren bei der Nutzung solcher Systeme.
Vertrauen vs. Wahrheit
Ein generelles Problem der meisten Künstlichen Intelligenzen ist, dass sie Antworten geben, die plausibel klingen. Aber die nicht immer korrekt sind. Sie können falsche Informationen wiedergeben, unvollständige Antworten geben und auch stark vereinfachte Sichtweisen darlegen. Erkennbar ist das für viele jüngere Nutzer jedoch nicht, denn das Umfeld scheint vertrauenswürdig.
Kindern und Jugendlichen fehlt es oft an Erfahrung, um zwischen belegten Fakten und Texten zu unterscheiden, die keine echte Grundlage haben. Und Untersuchungen zeigen, dass viele jüngere Nutzer Chatbots für vertrauliche Themen und wichtige Entscheidungen nutzen. Die neigen jedoch dazu, ungenaue oder widersprüchliche Antworten zu geben.
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Wenn Bots zur emotionalen Stütze werden
Schwierig ist dabei, dass die Bots heute schon in der Lage sind, wie eine ‚echte Person‘ zu wirken und zu antworten. Manche vermitteln Zustimmung, Mitgefühl und Verständnis. Aber das tun sie nicht, weil sie tatsächlich fühlen, sondern weil der Algorithmus darauf programmiert ist, Anteilnahme zu zeigen.
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Im schlimmsten Fall kann das dazu führen, dass sich Nutzer*innen in verletzlichen Momenten nicht mehr an echte Menschen, sondern an die Maschine wenden. Dass sie einem Chatbot mehr Vertrauen schenken als vertrauten Personen.
Die Maschine gibt, wenn sie darauf programmiert ist, zuverlässige Antworten. Sie stimmt zu, akzeptiert und schenkt so Vertrauen. Für ein Kind, das sich im realen Leben von Eltern, Freunden und Bekannten unverstanden fühlt, kann das sehr viel Trost sein.
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Gefährliche Inhalte und unsichere Antworten
Auch der am besten programmierte Chatbot ist nicht gefeit davor, Inhalte auszuliefern, die ungeeignet oder schädlich für Kinder und Jugendliche sind. Trotz fester Richtlinien können KI-Systeme sexualisierte Anspielungen, verstörende Szenarien oder falsche Ratschläge geben. Denn es gibt keine echte und sichere Methode zur Altersüberprüfung des oder der Nutzer*in.
Und Chatbots sind so programmiert, dass sie das Gespräch fortwährend vorantreiben. Sie binden den Nutzer durch ‚eigene‘ Fragen regelrecht an sich. Sich dem zu entziehen kann Kinder überfordern.
Kein Datenschutz
Die KI ‚lernt‘ ständig dazu, heißt es gerne. Das bedeutet aber auch, wenn Kinder (und jeder und jede andere Nutzer*in) mit der KI interagieren und dabei unbekümmert persönliche Daten wie Namen, Interessen, Gewohnheiten oder Probleme preisgeben, werden all diese Daten gespeichert und ausgewertet. Einmal eingegeben kann die Information weitergegeben werden. Alles hinterlässt Spuren im Netz.
Und ja, viele Dienste haben Datenschutzhinweise. Diese sind jedoch unklar, schwer verständlich und zum Teil schwer zugänglich. Eine Trennung zwischen erwachsenen und jugendlichen Nutzern erfolgt in der Regel auch nicht.
KI-Bots simulieren Gespräche
KI-Bots simulieren Gespräche. Dinge, die ein echtes Gespräch ausmachen, wie Blickkontakt, Tonfall, Gestik und Mimik, kann die KI (noch) nicht lesen. Sie antwortet generisch und nicht persönlich.
Das kann auch auf die soziale Entwicklung eines Kindes Einfluss haben. Häufige und längere Gespräche mit der KI können die Fähigkeiten für Empathie, Konfliktlösung oder soziale Bindung schwächen. Denn KI-Modelle sind darauf ausgelegt, dem Nutzer oder Nutzerin zuzustimmen. Sie diskutieren nicht, fordern nicht heraus oder appellieren an das Gewissen.
Wie du deinem Kind einen sicheren Umgang beibringst
Auch wenn es bis hier her so klingen mag: KI ist nicht per se schlecht. Sie kann ein Werkzeug sein, das beim Lernen, Forschen und kreativen Arbeiten unterstützt. Wenn man gelernt hat, richtig damit umzugehen.
Praktische Strategien für die KI-Nutzung
- Aufklärung statt Verbot
Wer weiß, wie eine KI funktioniert, weiß auch, wo die Gefahren und Risiken liegen. Erkläre deinem Kind deshalb, dass eine Künstliche Intelligenz Dinge nicht einfach weiß, sondern dass sie Muster erkennt und aus einem riesigen Datensatz die passende Antwort sucht. Die stimmt aber nicht immer. - Begleitete Nutzung
Setzt euch gemeinsam an den PC, nutzt die KI eurer Wahl, besprecht danach die Antwort(en) und vor allem, überprüft sie. Besonders dann, wenn ihr Fragen zu Gesundheit oder Zwischenmenschlichem gestellt habt. - Leg klare Regeln fest
Legt gemeinsam Zeitlimits fest und Bereiche, in denen dein Kind die KI nutzen darf. Sprecht darüber, dass (emotionale) Probleme nie ins Internet gehören und ihr, Freunde und Verwandte immer die besseren Ansprechpartner seid. - Stärke die Medienkompetenz deines Kindes
Zeig deinem Kind, wie es Antworten überprüfen kann und woran es echte und gute Quellen erkennen kann. Es sollte Antworten der KI immer kritisch hinterfragen. Das wird ihm helfen, zwischen Fakt und Fiktion zu unterscheiden. - Bleibt im Gespräch
Sprich regelmäßig mit deinem Kind über seine Erfahrungen im Netz. Und achte auf Verhaltensänderungen bei deinem Kind, die ein Warnsignal sein können.
KI-Chatbots sind keine Monster. Sie sind Werkzeuge, deren Gebrauch man lernen muss. Wer versteht, wie sie funktionieren, kann auch ihre Antworten einordnen und sie sicher nutzen. Für dich als Elternteil heißt das, immer informiert zu bleiben, aufmerksam zu sein und am besten gemeinsam mit deinem Kind zu lernen, wie man künstliche Intelligenz klug und sicher nutzt.
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