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Geschwisterrivalität in der Pubertät: Warum Teenager anders streiten als kleine Kinder

Bruder und Schwester sitzen nebeneinander auf dem Sofa und streiten um die Fernbedienung.
© Getty Images/ Anchyiy

Vorab im Video: So wirkt sich die Geburtenreihenfolge auf die psychische Gesundheit von Kindern aus

Warum Konflikte deiner Kinder tiefer gehen, wenn sie in der Pubertät sind und was du als Elternteil vermeiden und tun solltest.

Streiten Teenager, ist das alles ein bisschen komplizierter. Bei Geschwisterrivalität in der Pubertät geht es selten (nur) um Dinge. Es geht um Status. Um Anerkennung. Um Identität. Und nicht selten auch um Macht. Anders als bei kleinen Kindern. Da weiß man schnell, worum es geht: das Lego-Set, die größere Portion Nudeln, den Platz neben Mama.

Was sich früher also lautstark im Kinderzimmer entladen hat, sucht sich bei Teenagern ein viel subtileres Ventil. Dabei geht es oft verletzend her. Teenager sparen nicht mit abwertenden Kommentaren, fiesen Blicken und gezielten Seitenhieben, gerne auch vor Freund*innen.

Man selbst sitzt buchstäblich dazwischen und weiß nicht recht, was man tun soll. Früher hat man das Streitobjekt im Zweifel einfach entfernt. Und heute? Was macht man heute?

Warum Rivalität bei Teenagern stärker wirkt

Teenager sind auf der Suche nach ihrer Identität. Sie wollen wissen, wer sie sind und was sie gut können. Nicht zu vernachlässigen ist außerdem ihre Suche nach Zugehörigkeit. Der Status innerhalb einer Freundesgruppe ist ihnen enorm wichtig. Die meisten Teenager wollen einfach irgendwo dazugehören.

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Ist da also jemand, ein Bruder oder eine Schwester, der oder die einem durch die Familie irgendwie auferlegt ist, der oder die ähnliche Interessen verfolgt, vielleicht gleiche Freund*innen hat, entsteht automatisch Vergleichsdruck.

Teenager konkurrieren nicht mehr um Spielzeug oder andere materielle Dinge (meistens), sondern um Anerkennung, Freiheiten, Vertrauen, Aufmerksamkeit und Leistung. Alles Dinge, die automatisch Auswirkungen auf ihren Selbstwert haben.

Gleichbehandlung wird Thema Nr. 1

Während kleinere Kinder recht einfach gestrickt sind und in der Regel immer gleich viel wollen, haben Teenager ein besonderes Gespür für Fairness. „Warum darf er länger raus?“, „Warum schaut ihr bei mir immer so genau hin?“, „Warum durfte er das jetzt, ich aber nicht?“

Sind Geschwister unterschiedlich alt, ist das Thema Fairness allgegenwärtig. Darf das ältere Kind Dinge, die dem jüngeren noch verwehrt bleiben, stößt das oft auf Unverständnis beim jüngeren Kind. Und genau das steigert die Rivalität zu Schwester oder Bruder.

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Warum Vergleiche immer verkehrt sind

„Deine Schwester war in deinem Alter schon viel selbstständiger“ oder „Warum kannst du nicht ein bisschen mehr sein wie dein Bruder“, waren Klassiker in der Erziehung, als wir jünger waren. So ein Satz kann aber wirken wie ein Stempel. Vor allem, wenn Kinder in der Pubertät sind und noch sensibler als üblich sind.

Was beim Teenager ankommen kann, wenn Eltern den direkten Vergleich mit Geschwistern äußern ist:

  • „Ich bin nicht genug“
  • „Ich bin nicht gut“
  • „Ich bin das schwierige Kind“

Das kann nicht nur zu einer noch größeren oder offen ausgetragenen Konkurrenz führen, sondern zu seelischen Verletzungen.

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Wann sollten Eltern einschreiten?

Streit unter Geschwistern und kleine Machtkämpfe sind ganz normal. So lange sie nicht aus dem Ruder laufen. Problematisch wird es, wenn

  • ein Kind dauerhaft abgewertet wird
  • Konflikte fast nur noch destruktiv verlaufen
  • ein Teenager sich stark zurückzieht
  • Bloßstellungen zunehmen
  • ein deutliches Machtgefälle entsteht

Kommt es so weit, geht es zwischen Geschwistern oft nicht mehr nur darum, wer der stärkere, klügere, beliebtere ist, sondern dann ist die emotionale Sicherheit des betroffenen Teens in Gefahr. Die jedoch braucht jeder.

Was jetzt hilft (und was nicht)

Teenager wollen vor allem verstanden werden. Deshalb ist es wichtig, ihre Gefühle erst zu nehmen und sie nicht zu relativieren. Teenager übertreiben (in ihren eigenen Augen) nicht, sondern wollen ernstgenommen werden. Was neben der Anerkennung von Gefühlen wichtig ist:

  • Individualität betonen – jedes Kind brauchr seinen eigenn Raum
  • unterschiedliche Regeln sollten einfach erklärt werden
  • Streit morderieren, damit Kinder lernen, wie man konstruktiv streitet

Rivalität bedeutet auch Bindung

Geschwister sind gezwungen, miteinander zu leben. Ihre Streitereien zeigen dabei auch, dass sie in Beziehung zueinander stehen. Konflikte zwischen Geschwistern zeigen also auch, dass man einander nicht egal ist, sonst würde man sich mit Gleichgültigkeit behandeln.

Eltern haben deshalb nicht die Aufgabe, Streit immer sofort zu schlichten oder jede Andeutung von Spannung sofort zu unterbinden. Stattdessen schaffen sie den Rahmen, damit der Respekt füreinander bleiben kann.

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