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Kind krank: Was berufstätige Eltern wissen müssen

Was müssen berufstätige Eltern beachten, wenn sie wegen eines kranken Kindes nicht arbeiten können?
Was müssen berufstätige Eltern beachten, wenn sie wegen eines kranken Kindes nicht arbeiten können? Credit: AdobeStock/ Tomsickova

Beim Zubettgehen am Abend war alles in Ordnung, doch am Morgen wacht das Kind krank auf. Es muss zu Hause bleiben. Was tun als Eltern, wenn doch eigentlich die Arbeit ruft?

Inhaltsverzeichnis

Kind krank: Was berufstätige Eltern wissen müssen

Kann das Kind aufgrund von Krankheit nicht in den Kindergarten oder die Schule gehen, bleibt in der Regel ein Elternteil mit ihm zu Hause. Zumindest dann, wenn das Kind sich noch nicht alleine versorgen kann.

Aber welche Regeln gelten für berufstätige Eltern, wenn das Kind krank ist? Wie lange können sie der Arbeit mit einem kranken Kind fernbleiben? Welche Rechte, aber auch Pflichten haben sie? Und werden sie weiterhin normal bezahlt, wenn sie wegen eines kranken Kindes nicht arbeiten können?

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Die wichtigsten Fragen und Antworten zu diesem Thema haben wir für euch zusammengetragen.

Wann kann ich bei der Arbeit fehlen?

Zunächst gibt es eine gesetzliche Regelung: Jeder Elternteil darf zu Hause bleiben, wenn das Kind krank ist, sofern ein ärztliches Attest dazu vorliegt. Diese Regelung gilt ab Tag eins der Erkrankung.

Zum Schutz vulnerabler Gruppen, wie es in der Coronapandemie hieß, wurden die Kinderkrankentage in den zurückliegenden Monaten erhöht. Bis Ende 2023 gilt, dass ein Elternteil 30 Tage pro Kind, ein*e Alleinerziehende*r 60 Tage pro Kind in Anspruch nehmen kann. Bei mehreren Kindern hat ein Elternteil bis zum Ende 2023 Anspruch auf bis zu 65 Tage. Alleinerziehende haben Anspruch auf bis zu 130 Tage.

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Anspruch auf Krankentage vor Corona

Vor Ausbruch der Corona Pandemie galten kürzere Regelungen. Es ist zu erwarten, dass diese ab 1.1.2024 wieder gelten. Dann kann ein Elternteil insgesamt zehn Arbeitstage im Jahr als Kinderkrankentage beanspruchen, für die er eine Lohnfortzahlung oder Kinderkrankengeld erhält. Alleinerziehende haben Anspruch auf die Gesamtzahl, das heißt 20 Tage im Jahr.

Bei zwei Kindern verdoppelt sich die Anzahl der Krankheitstage. Bei mehr als zwei Kindern gibt es dann allerdings eine Obergrenze: Diese liegt bei 25 Tagen pro Elternteil und 50 Tagen bei Alleinerziehenden pro Jahr.

Generell gilt immer: Ehepaare können sich die Tage gegenseitig überschreiben: Ist das Kind krank, aber die Tage des Vaters aufgebraucht, kann er die Resttage der Mutter nutzen. Manchmal lohnt sich auch der Blick in den Arbeitsvertrag, denn viele Arbeitgeber*innen bieten ihren Mitarbeitenden zusätzliche Tage.

Wenn das Kind krank ist: Werde ich weiter bezahlt?

Eltern haben den Anspruch, zu Hause bleiben zu dürfen, wenn das Kind krank ist. Um für diese Fehltage trotzdem Lohn zu erhalten, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.

Eine Lohnfortzahlung gibt es, wenn:

> das Kind jünger als zwölf Jahre ist (wobei diese Regelung nicht zu streng gesehen wird, denn auch die Erkrankung eines älteren Kindes kann eine Betreuung zwingend notwendig machen)

> ein Arzt bescheinigt hat, dass das Kind krank ist und zuhause gepflegt werden muss. Dieses Attest muss bereits ab dem ersten Tag der Krankheit an den Arbeitgeber gehen.

> die Betreuung des kranken Kindes durch eine andere Person nicht möglich ist. Wichtig: Hier geht es nur um Personen, die auch mit in eurem Haushalt leben, z.B. Verwandte oder Au Pairs – nicht aber die Nachbarn, auch wenn diese sehr nett sind.

> die Freistellung nicht länger als fünf Arbeitstage dauert.
Achtung: Seht hier nach, was in eurem Arbeitsvertrag steht. Hier kann auch eine abweichende Regelung stehen.

Gut zu wissen: Ein*e Arbeitgeber*in ist zur Fortzahlung des Lohns verpflichtet, wenn der oder die Arbeitnehmer*in mit einem kranken Kind zu Hause bleiben muss (Paragraf 616 BGB). In der Praxis jedoch werden viele Angestellte auf das Krankengeld verwiesen, so Jurist Daniel Brügger gegenüber dem Spiegel.

Wann bekomme ich Kinderkrankengeld statt Lohn?

Zahlt der Arbeitgeber für diese Tage keinen Lohn, hat man Anspruch darauf, dass die gesetzliche Krankenkasse Kinderkrankengeld zahlt. Das beläuft sich zwischen 70 und 90 Prozent des Nettogehalts. Aber nur, wenn das Kind auch in der gesetzlichen Krankenversicherung ist und keine andere Person einspringen kann. Das Krankengeld muss bei der Versicherung beantragt werden.

Auch beim Kinderkrankengeld gilt bis April 2023 noch eine pandemiebedingte Sonderregelung. So können Eltern Kinderkrankengeld beantragen, auch wenn ihr Kind gesund ist, aber nicht anders betreut werden kann. Beispielsweise, weil der Kindergarten aufgrund von Krankheit geschlossen hat.

Bekomme ich Kinderkrankengeld auch im Homeoffice?

Im Zuge der Corona-Pandemie haben viele Arbeitsstätten das Home-Office möglich gemacht. Viele Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen nehmen das Angebot aktuell noch in Anspruch. Auch hier gilt, wenn das Kind ärztlich attestiert krank ist und Betreuung erfordert, kann man der (Homeoffice-) Arbeit fern bleiben und erhält dennoch weiterhin Lohn oder eben Kinderkrankengeld.

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Übrigens: Eine Kündigung, weil ihr euer krankes Kind pflegt, müsst ihr im Normalfall nicht befürchten.

Gibt es auch eine Notfallbetreuung für kranke Kinder?

Leider lassen sich nicht alle Termine immer verschieben. Und auch die Kinderkrankentage können irgendwann aufgebraucht sein. In vielen Großstädten gibt es dafür eine Notfallpflege, etwa in München, Hamburg, Köln oder Berlin. Die Ortsverbände des Kinderschutzbunds und auch der Notmütterdienst Familien- und Seniorenhilfe e.V. bieten Notfallbetreuung an.

Eine Übersicht über alle Regelungen im Krankheitsfall des Kindes bietet das Familienministerium.

Wichtiger Hinweis zum Schluss: Dieser Artikel soll dir einen Überblick geben, welche Rechte, aber auch Pflichten du als Arbeitnehmer*in hast, wenn du mit einem kranken Kind zu Hause bleiben musst. Idealerweise suchst du in unklaren Situationen das Gespräch mit deinem oder deiner Vorgesetzten. Konkrete Fragen zum Kinderkrankengeld richtest du am besten an deine Krankenversicherung.