Ich wollte nie diese Mutter sein. Diejenige, die scheinbar entspannt auf dem Spielplatz sitzt, in der einen Hand einen Kaffee hält und mit einem freundlichen Lächeln die anderen Eltern grüßt, während sie gleichzeitig ganz genau registriert, welches Kind schon ohne Hilfe schaukeln kann, wer bereits ganze Sätze spricht und wer vielleicht schon weiter ist als das eigene.
Ich hatte mir immer vorgestellt, dass ich anders sein würde. Ich wollte gelassener, sicherer und überzeugter davon sein, dass jedes Kind seinen eigenen Weg und sein eigenes Tempo hat. Und das glaube ich auch heute noch. Zumindest in der Theorie. In der Praxis sieht das manchmal ganz anders aus.
Aber warum vergleichen wir unsere Kinder immer (oder oft) untereinander, obwohl wir das eigentlich gar nicht wollen? Und wir ja auch wissen, dass das totaler Quatsch ist und uns nur unter Druck setzt?
Die leise Stimme im Kopf
Es sind oft die unscheinbaren Momente, in denen sich die innere Stimme meldet. Ein beiläufiges Gespräch mit anderen Müttern, oder ein Satz, der eigentlich gar keine große Bedeutung haben sollte. „Deiner schläft immer noch nicht durch?“ oder „Unsere hat das schon mit sechs Monaten geschafft.“ Es sind diese kleinen Bemerkungen, die sich unbemerkt festsetzen und etwas in den Köpfen der Eltern auslösen, das sich nicht bewusst steuern lässt.
Nach außen hin bleibt man ruhig, lächelt, antwortet gelassen oder wechselt das Thema. Doch innerlich passiert etwas ganz anderes. Eine leise, hartnäckige Stimme meldet sich zu Wort und stellt Fragen, die man sich als Elternteil eigentlich nicht stellen möchte: Sollte mein Kind nicht auch schon so weit sein? Haben wir etwas übersehen oder vielleicht sogar falsch gemacht?
Und obwohl Eltern wissen, dass solche Gedanken unfair sind (dem Kind gegenüber und sich selbst) lassen sie sich nicht einfach abschalten. Sie kommen ungefragt und bleiben oft länger, als einem lieb ist.
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Stolz oder Zweifel: Was überwiegt?
Es gibt sicherlich viele Tage für Eltern, an denen sie einfach stolz sind. Auch ich kenne das. Das sind diese Tage, an denen ich mein Kind anschaue und mich über jede noch so kleine Entwicklung freue. Über jedes neue Wort, jede Geste, einfach jeden Fortschritt. In solchen Momenten vergleiche ich nicht. Es gibt keine Konkurrenz.
Doch dann gibt es auch diese Tage, die plötzlich da sind. Ohne große Vorankündigung. Das sind die Tage, an denen ich zweifele, ohne dass ich genau sagen kann, warum. Die Zweifel sind einfach da. Ich beginne mich zu fragen, ob ich genügend für mein Kind da bin, ob ich mein Kind ausreichend fördere oder ob ich vielleicht zu viel von ihm verlange. Ich überlege, ob ich etwas hätte anders machen sollen.
Es ist ein ständiges Auf und Ab zwischen Vertrauen und Unsicherheit, die sicher jedes Elternteil kennt. Der Spagat zwischen, alles richtig machen, und der Angst, etwas Entscheidendes zu verpassen. Und genau dann kommen Vergleiche ins Spiel.
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Druck kommt von außen
Ein Teil dieses Drucks kommt nicht nur aus einen selbst, sondern auch von außen. Wir leben in einer Welt, in der Entwicklung nicht einfach nur passiert, sondern beobachtet, dokumentiert und auch bewertet wird. Es gibt Tabellen, Apps, Ratgeber und unzählige Meinungen darüber, wann ein Kind was können „sollte“.
Immer wieder müssen sich Eltern Sätze anhören wie: „Das ist aber spät.“ oder „Wow, das ging ja schnell.“ Selbst wenn sie freundlich gemeint sind, haben sie eine Wirkung. Sie setzen Maßstäbe, an denen gemessen wird. Sie machen aus individuellen Entwicklungen scheinbar vergleichbare Leistungen.
Sich davon komplett zu lösen, ist unglaublich schwer. Selbst dann, wenn man sich bewusst vornimmt, sich nicht beeinflussen zu lassen, merkt man, wie sehr die äußeren Stimmen doch in einem nachhallen.
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Kinder sind keine Projekte
Was mich letztlich als Mama am meisten beschäftigt, ist nicht der Vergleich an sich, sondern das Gefühl das danach bleibt. Dieses unangenehme, drückende schlechte Gewissen, das sich leise bei mir meldet. Denn tief in mir weiß ich genau: Mein Kind ist kein Projekt, das optimiert werden muss. Es geht nicht darum, schneller oder besser in der Entwicklung zu sein als andere.
Kinder sind eigenständige Menschen mit einer ganz eigenen Persönlichkeit. Sie haben Stärken und Schwächen, und entwickeln sich in einem individuellen Tempo, das sich nicht in Tabellen oder Vergleichen abbilden lässt.
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Genießt die alltäglichen Momente
Mit der Zeit habe ich gelernt (oder bin zumindest dabei) meinen Blick wieder bewusst zu lenken. Weg von den anderen, dem vermeintlich „richtigen“, und hin zu dem, was wirklich zählt. Nämlich die kleinen Momente im Alltag, die so schnell untergehen, wenn man nur vergleicht. Das gemeinsame Lachen, die liebevollen Umarmungen und die kleinen Rituale, die unseren Alltag zu etwas Besonderem und etwas Wertvollem machen.
Mein Kind muss nicht schneller oder besser sein als andere. Es muss einfach es selbst sein. Mit allem was dazugehört. Und wir als Eltern müssen lernen, genau das zu sehen und zu schätzen, ohne ständig nach einem Maßstab zu suchen.
Denn hinter all diesen Vergleichen steckt am Ende etwas sehr Menschliches: Liebe, Sorge und der tiefe Wunsch, unsere Kinder bestmöglich auf ihrem Weg zu begleiten.
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