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Lerntechniken für Kinder: So lernen Kinder leichter

Junge sitzt nachdenklich am Schreibtisch.
Wie kann man einem Kind helfen, das Lernen richtig zu lernen? Credit: Getty Images/ Catherine Delahaye

Welche Lerntechniken helfen Kindern wirklich? Erfahre, wie Kinder leichter lernen und wie Eltern ihr Kind bei Hausaufgaben, Lesen, Schreiben und Motivation unterstützen.

Inhaltsverzeichnis

Hausaufgaben am Küchentisch, ein genervtes Kind und irgendwann fließen Tränen. So oder so ähnlich erleben viele Familien Hausaufgaben und Vorbereitungen für Klassenarbeiten. Die Nerven bei Eltern und Kind liegen dann oft blank. Dass sich das Kind so schwer tut mit dem Lernen, liegt aber oft nicht an ihm, sondern daran, dass es nicht weiß, wie es richtig lernt.

Lerntechniken für Kinder helfen genau hier: Sie zeigen, wie Kinder Wissen besser verstehen, behalten und anwenden können. Ohne stundenlanges Pauken und ohne täglichen Stress.

Lies auch: Warum es wichtig ist, dass dein Kind alleine spielen lernt und ab wann das klappt

Was sind Lerntechniken für Kinder?

Lerntechniken sind konkrete Strategien, mit denen Kinder Inhalte aufnehmen, verarbeiten und abrufen. Sie helfen also dabei, Informationen zu verstehen, zu speichern und später wieder anzuwenden.

Wichtig ist die Abgrenzung:

  • Lerntechnik: konkrete Methode (z.B. Karteikarten, laut erklären)
  • Lernmethode: übergeordneter Ansatz (z.B. visuelles Lernen)
  • Lernroutine: regelmäßiger Ablauf (z.B. feste Lernzeit am Nachmittag)

Viele Kinder scheitern oft nicht am Stoff selbst, sondern daran, dass sie nie gelernt haben, wie Lernen eigentlich funktioniert.

Wichtig ist außerdem: Das Lernen verändert sich mit zunehmendem Alter eines Kindes. Was beispielsweise im Kindergarten spielerisch funktioniert, braucht in der Schule mehr Struktur.

Lies dazu auch: Wichtig für die kindliche Entwicklung: Diese Fähigkeiten lernen Kinder in der Kita

Welche Lerntechniken gibt es für Kinder?

Es gibt nicht die eine Methode, die für alle Kinder funktioniert. Es gibt jedoch Techniken, die sich in der Praxis immer wieder als erfolgreich erweisen.

Lernen in kleinen Etappen

Kinder lernen am besten in kurzen Intervallen. Das Gehirn kann Informationen so besser verarbeiten als in langen Sitzungen.

Wiederholen (mit Karteikarten)

Eine bewährte Lernmethode ist die regelmäßige Wiederholung. Ob die Inhalte auf Karteikarten, in einem Fließtext oder in einer App wiederholt werden, spielt dabei keine Rolle. Entscheidend ist, dass sie regelmäßig wiederholt werden und kleine Pausen zwischen den Lerneinheiten sind.

Eselsbrücken nutzen

Manche Daten, Vokabeln, Begriffe oder Formeln lassen sich einfach nicht stur auswendig lernen. Kreative Verknüpfungen können hier helfen. Je ungewöhnlicher die sogenannten Eselsbrücken sind, umso einfacher merkt sich das Gehirn diese Inhalte.

Mindmaps und visuelles Lernen

Wer bei komplexen Themen schnell den Überblick verliert, sollte unbedingt Mindmaps erstellen, in denen Verknüpfungen, Überschneidungen und Zusammenhänge sprichwörtlich sichtbar gemacht werden.

Laut erklären

Wer Dinge laut und verständnisvoll erklären kann, ohne dabei auf einen Spickzettel zu schauen, hat sie wirklich verstanden. Besonders bei Kindern ist das eine erfolgreiche und effektive Technik.

Lernen mit Bewegung

Rechnen beim Ballspielen, Buchstaben in den Sand(kasten) malen, wer Lernen mit Bewegung kombiniert, aktiviert zusätzliche Gehirnbereiche.

Lernplan und feste Zeiten

Routinen und Struktur geben Kindern Sicherheit, auch beim Lernen. Kinder profitieren deshalb sehr davon, wenn das Lernen einen festen Platz im Alltag hat.
Warum der Zeitpunkt beim Lernen entscheidend über Erfolg und Miserfolg ist, liest du hier: Lernen nach der Schule: Diese Uhrzeit bringt den größten Erfolg, sagt die Wissenschaft

Abwechslungsreich üben

Stoisch die immer gleichen Aufgabentypen zu machen langweilt und kann so den Lernrfolg mindern. Wer Aufgaben variabel gestaltet, hilft dem Gehirn, am Ball zu bleiben.

Lesen, Schreiben, Sprechen kombinieren

Je mehr Sinne man beim Lernen aktiviert und nutzt, umso leichter fällt das Lernen. Gerade am Anfang der Schulzeit, wenn Lesen und Schreiben noch gelernt werden.

Im Alltag lernen

Lernen kann man jeden Tag, ohne am Schreibtisch oder über Büchern sitzen zu müssen. So können das Rechnen beim Einkaufen oder das laut Vorlesen beim gemeinsamen Kochen das Lernen greifbar machen.

Wenn du noch tiefer in das Thema Lernmethoden einsteigen willst, findest du hier einen Überblick: Individuelles Lernen: Die besten Methoden für jeden Lerntyp

Wie man ein Kind beim Lernen unterstützt

Jedes Kind ist anders und deshalb braucht auch jedes Kind andere Unterstützung. Oder manchmal auch gar keine. Probiert einfach aus, was euch dabei hilft.

In ruhiger Atmosphäre lernen

Oft hilft Kindern ein fester, aufgeräumter Platz, an dem sie ohne Ablenkung und konzentriert lernen können. Das muss nicht immer der Schreibtisch in ihrem Zimmer sein. Auch liegend auf dem Teppich in ihrem Zimmer, am Tisch in der Küche oder dem Wohnzimmer lässt es sich gut lernen.

Ziele realistisch einschätzen

Das Erreichen von Zielen ist, was Kinder zum Lernen motiviert. Arbeitet deshalb in vielen kleinen Schritten und vielen kleinen Teilerfolgen am großen ‚Endziel‘, bspw. am Endjahreszeugnis.

Eltern sind keine Lehrer

Meistens zumindest nicht. Deshalb sollte man als Eltern sein Kind begleiten und unterstützen, aber nicht zum Ersatzlehrer mutieren. Kinder müssen auch Gelegenheit haben, selbst Lösungen finden zu können.

Anstrengung loben (nicht nur Ergebnisse)

Manchmal kann auch viel und intensives Lernen nur in einer mittelmäßigen oder schlechteren Leistung enden. Es wäre aber fatal, die investierte Arbeit des Kindes nicht trotzdem zu loben. Oft im Leben ist nämlich der Weg das eigentliche Ziel. Wer auch für die erbrachte Arbeit gelobt wird, ist motivierter, die zu wiederholen.

Die passende Lernzeit finden

Vormittags Schule, nachmittags lernen, das funktioniert nur begrenzt bei vielen Kindern. Ganz einfach deshalb, weil sie erst mal Pause machen müssen. Ein Mittagessen, ein kurzer Nap oder 30 Minuten Bewegung an der frischen Luft und schon ist wieder etwas Platz im Kopf. Zwischen 15 und 18 Uhr lernt es sich rein wisschenschaftlich am besten. Mehr dazu kannst du hier nachlesen: Diese Uhrzeit bringt den größten Erfolg beim Lernen

Pausen, Pausen, Pausen

Es ist zwar lobenswert, wenn ein Kind sich den ganzen Nachmittag und Abend in die Bücher hängt, sehr erfolgsversprechend ist diese Methode aber nicht. Damit wir uns Inhalte gut merken können, muss unser Gehirn Zeit haben, diese zu verarbeiten. Und das passiert in Pausen. Regelmäßige Pausen zwischen 15 bis 30 Minuten müssen also sein. Besonders in lernintensiven Phasen vor großen Prüfungen.

Selbstständigkeit fördern

Auch beim Lernen profitieren Kinder von einer gewissen Selbstständigkeit. Lernen sie nämlich aus eigenem Antrieb, bleibt der Stoff besser im Kopf.

Konflikte um Hausaufgaben entschärfen

Wenn Lernen ständig Streit bedeutet, blockiert das den Lernerfolg. Wie lange Hausaufgaben in welchem Alter dauern sollten, und was Eltern tun können, wenn ihr Kind in der Zeit wiederholt nicht fertig wird, lest ihr hier: Experten-Tipps: Wann und wie lange dein Kind am besten Hausaufgaben macht

Typische Lernfehler und wie Eltern helfen können

Klar meinen wir Eltern es gut, wenn wir den Nachwuchs zum Lernen, den Hausaufgaben oder anderen Schulvorbereitungen überreden wollen. Damit erzeugen wir aber auch immer Druck. Und zu viel davan kann ein Kind blockieren lassen oder sogar Angst erzeugen. Druck ist also ein absolutes No-go für Eltern.

Auch andere Strategien können vom Lernerfolg ins Gegenteil umschlagen. So zum Beispiel:

  • zu lange Lerneinheiten
  • Vergleiche mit anderen Kindern
  • ständige Korrekturen
  • die falsche Lernzeit
  • kurzfristiges, intensives Lernen

Wir Eltern haben viel zu oft den Blick auf die Leistung des Kindes gerichtet, statt den gesamten Lernprozess mit einzubeziehen. Denn genau der ist entscheidend um das Lernen richtig und gut zu lernen.

Mehr dazu, welche Dinge Kinder heute nicht mehr lernen und warum das problematisch sein kann, liest du hier: Diese einfachen Dinge überfordern viele Kinder heute

Welche Lerntechnik passt zu welchem Kind?

Eine universelle Lerntechnik, die für alle Kinder gleichermaßen erfolgsversprechend ist, gibt es leider nicht. Aber in der Regel gibt es eine für jedes Kind. Man muss ’nur‘ herausfinden, wie das eigene Kind am einfachsten lernen kann:

  • Manche Kinder lernen besser über Bilder und Visualisierungen,
  • andere über das Hören
  • und wieder andere durch Bewegung und Widerholung.
  • Oft lernen Kinder auch mit einer Mischform aus den eben genannten Methoden am besten.
  • Nicht zu vernachlässigen sind Lern-Apps, die auf Alter und Fach abgestimmt sind
    Lies dazu auch: Die besten kostenlosen Lern-Apps vom Vorschulalter bis in die Oberstufe

Genau deshalb sind starre Lern-Modelle oft überholt. Oft wirkt eine Kombination aus verschiedenen Ansätzen am besten. Deshalb gilt: Ausprobieren, beobachten und anpassen.

Auch die Selbstständigkeit spielt beim Lernen eine große Rolle. Kinder, die schon früh lernen, sich selbst zu beschäftigen, tun sich später oft leichter beim Lernen. Lies dazu auch: Warum es wichtig ist, dass dein Kind alleine spielen lernt und ab wann das klappt

FAQ’s zu Lerntechniken für Kinder

Welche Lerntechniken gibt es für Kinder?

Zu den wichtigsten gehören das Lernen in kleinen Etappen, Wiederholen mit Karteikarten, visuelles Lernen (z.B. mit Mindmaps), Dinge mit eignen Worten erklären, Bewegung beim Lernen und feste Lernzeiten.

Wie lernen Kinder in der Grundschule am besten?

Am effektivsten lernen Kinder durch eine Mischung aus aktiver Wiederholung, Anwendung und alltagsnahen Übungen. Ergänzt wird das idealerweise durch regelmäßige Pausen und feste Routinen.

Was sind die 10 besten Lernmethoden?

Es gibt kein festes Ranking, denn jedes Kind lernt anders gut. Bewährt haben sich Karteikarten, Mindmaps, abwechslungsreiche Übungen, Lernen in kleinen Einheiten, Sachverhalte in eigenen Worten wiedergeben und viele mehr. Auch Apps können sehr hilfreich sein.

Wie kann ich mein Kind beim Lernen unterstützen?

Indem du ihm hilfst, eine Struktur zu finden, Druck vermeidest, Anstrengung (und nicht nur Ergebnisse) lobst und deinem Kind Raum für eigene Lösungswege lässt.

Wann sollten Kinder das Einmaleins auswendig lernen?

In der Regel wird das kleine Einmaleins in Klasse 2 eingeführt. Das große Einmaleins (Multiplizieren mit Zahlen bis 20) folgt im 2. Halbjahr der dritten oder mit Start der 4. Klasse.

Wie lange sollte ein Grundschulkind am Stück lernen?

In Klasse 1 und 2 reicht die Konzentration von Kindern oft nur für 15 bis 20 Minuten. Später kann ein Grundschulkind auch 30 bis 45 Minuten am Stück an etwas arbeiten, danach sollte aber immer eine Pause folgen. >> Experten-Tipps: Wann und wie lange dein Kind am besten Hausaufgaben macht

Lerntechniken können den Unterschied machen

Ob ein Kind gerne lernt oder ständig kämpft, hängt zu einem kleinen Teil von Talent ab, einfach, weil es manchen Kindern leichter fällt als anderen. Zu einem großen Teil ist Lernerfolg aber abhängig von der richtigen Strategie.

Die entscheidenden Punkte sind sehr häufig:

  • kleine Lerneinheiten schaffen, statt Marathon-Sessions
  • aktiv Methode nutzen, statt stumpfes und passives Lernen
  • Unterstützung statt Druck

Lernen ist keine Frage von Begabung, sondern der Technik und der richtigen Begleitung.

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