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Warum ältere Eltern entspanntere Kinder haben

Mutter mit ihrem Kleinkind, das Kuscheltiere in der Hand hat.
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Vorab im Video: Ist dein Teenager reif genug fürs Alleinereisen?

Sind die Kinder jüngerer Eltern öfter aggressiv? Eine Studie liefert nun spannende Ergebnisse, die für eine späte Elternschaft sprechen.

Sind Kinder von Eltern jenseits der 35 öfter verhaltensauffällig? Laut einer Studie ist das Gegenteil der Fall. Was das für junge Eltern bedeutet und welche Vorteile eine späte Elternschaft haben kann, erfährst du hier.

Spät Mama oder Papa geworden? Dann haben deine Kinder laut Studie weniger Wutausbrüche

Forschende fanden im Rahmen einer niederländischen Studie1 heraus, dass Kinder von älteren Eltern deutlich weniger externalisierende Verhaltensprobleme hatten, als die Kinder jüngerer Eltern. Mit externalisierendem Verhalten sind Gefühlsausbrüche gemeint, die nach Außen getragen werden. Kinder wirken dabei eher „laut“, „störend“ oder „auffällig“.

Bei internalisierendem Verhalten hingegen richten Kinder ihre Gefühle nach innen. Diese Kinder geraten oft „unter den Radar“, weil sie nicht stören und ihre Probleme versteckter sind.

In der Studie wurde der Zusammenhang zwischen dem Alter der Eltern und Verhaltensauffälligkeiten der Kinder analysiert. Sowohl Regelbrüche, impulsives oder störendes Verhalten, oder auch Aggression der Kinder sind bei einer späten Elternschaft seltener aufgetreten.

Medizinisch spricht man von einer späten Elternschaft, wenn Väter und Mütter 35 Jahre oder älter sind.

Alter der Eltern gibt keine Rückschlüsse auf internalisierendes Verhalten

In Bezug auf internalisierende Verhaltensweisen konnten die Forschenden keinen Zusammenhang zwischen dem Alter der Eltern und auffälligem Verhalten feststellen. Die Kinder von älteren Eltern waren also nicht mehr und nicht weniger ängstlich oder depressiv als die Kinder jüngerer Eltern.

Die Wissenschaftler*innen betonten jedoch, dass sie nur externalisierendes und internalisierendes Verhalten untersuchten, sodass die Studie keine Rückschlüsse über den Zusammenhang zwischen einer späten Elternschaft und anderen Verhaltensweisen zulässt.

Die Forschenden2 untersuchten im Rahmen der Studie 32.892 Kinder im Alter zwischen 10 und 12, die nach 1980 geboren wurden. Die Daten stammen aus vier etablierten Kohorten.3 Eltern und Kinder, die an der Studie teilnahmen, kamen aus unterschiedlichen Bildungsschichten und Regionen und hatten verschiedene Familienhintergründe.

Warum sind Kinder älterer Eltern weniger aggressiv

Doch woran könnte es liegen, dass sich eine späte Elternschaft positiv auf die Gelassenheit der Kinder auswirkt? Laut Dorret Boomsma, Professorin für biologische Psychologie und Verhaltensgenetik an der Vrije Universiteit Amsterdam, könnten die Ergebnisse damit zutun haben, dass ältere Mütter und Väter über ein höheres Bildungsniveau verfügen und mehr Ressourcen haben. Gänzlich ließen sich die Ergebnisse damit jedoch nicht erklären.

In Deutschland entscheiden sich Männer und Frauen immer später dafür, Eltern zu werden. Aktuell sind Mütter beim ersten Kind im Schnitt 30,4 Jahre und Väter 33,3 Jahre alt. Vor 30 Jahren waren Mütter 26 bzw. 27 Jahre und Väter zwischen 29 und 30 Jahren alt, als sie ihr erstes Kind bekamen.

Mehr Lesestoff:

  1. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift Child Development, herausgegeben von der Society for Research in Child Development (SRCD). ↩︎
  2. Die Studie ist eine Kooperation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Utrecht University Vrije, Universiteit Amsterdam, Erasmus Medical Center und der University Medical Center Groninge. ↩︎
  3. „Generation R“,“ the Netherlands Twin Register“, the Research on Adolescent Development and Relationships-Young Cohort (RADAR-Y) und „the Tracking Adolescents’ Individual Lives Survey“. ↩︎