Wenn unsere Haare am Ansatz plötzlich grau nachwachsen und sich immer mehr von diesen andersfarbigen Härchen dazugesellen, dann ist es offiziell: Die Pigmentzellen in unseren Haarwurzeln bilden zu wenig oder gar kein Melanin mehr – also Farbpigmente, die unseren Haaren ihre natürliche Farbe verleihen.
Das passiert bei den einen früher, bei den anderen später. Die Ursachen sind vielfältig. Das Ganze gehört aber zum natürlichen Alterungsprozess dazu (Lies auch: Wie entstehen graue Haare?) und ist absolut kein Makel. Selbstverständlich entscheidest du aber für dich selbst, ob du deine grauen Haare akzeptierst oder lieber kaschierst.
Fällt deine Entscheidung auf das Akzeptieren, steht fest: Graue Haare brauchen besondere Pflege. Weshalb das so ist und wie die richtige Pflege aussieht, weiß Florian Ferino. Wir haben den international bekannten Hair- und Make-up-Artist zu dem Thema befragt.
So verändert sich die Haarstruktur, wenn die Haare grau werden
Durch die fehlenden Farbpigmente werden die Haare nicht nur Grau, sondern sie verändern auch ihre Struktur. Graue Haare fühlen sich in der Regel anders an als pigmentierte Haare. „Graues Haar ist oft trockener, härter und hat eine drahtigere Struktur“, erklärt Hair- und Make-up-Artist Florian Ferino.
Dass sich die Struktur der Haare verändert und trockener wird, hängt zum einen mit dem Melanin-Verlust zusammen, zum anderen aber auch mit einer geringeren Talgproduktion.
Mit zunehmendem Alter werden die Talgdrüsen der Kopfhaut nämlich weniger aktiv. Wenn Haare weniger Talg produzieren, werden die Kopfhaut und die Haare trockener, da der schützende und feuchtigkeitsspendende Ölfilm fehlt.
Ohne die schützende Fettschicht ist zudem die äußere Hülle des Haares, die Schuppenschicht, aufgeraut. „Dieses aufgeraute Haar reflektiert Licht weniger gut, wodurch es stumpf und glanzlos erscheinen kann“, erläutert Ferino.

Unser Experte: Florian Ferino
Florian Ferino ist ein international bekannter Hair- und Make-up-Artist. Der Kölner arbeitet regelmäßig mit prominenten Persönlichkeiten wie Heidi und Leni Klum zusammen. Er ist nationaler Experte der Luxus-Haarpflegemarke Kérastase sowie Brand Ambassador für die Marke Dyson Beauty.
Wie pflege ich graue Haare am besten?
Graue Haare müssen weder strohig noch spröde aussehen. Mit der richtigen Balance aus Feuchtigkeit, UV-Schutz, sanftem Styling und passenden Silberprodukten kann graues Haar dagegen richtig strahlen.
1. Versorge deine Haare mit viel Feuchtigkeit
Graue Haare neigen zu Trockenheit, daher sind feuchtigkeitsspendende Shampoos, reichhaltige Conditioner und Leave-in-Produkte ideal. „Öle glätten die Schuppenschicht und sorgen für Glanz, Keratin füllt die Struktur auf, Proteine kräftigen und verbessern die Elastizität“, weiß Haar-Experte Ferino.
2. Verwöhne die Haare ab und zu mit Masken oder Kuren
Ein- bis zweimal pro Woche freuen sich die Haare über eine intensive Pflege. Masken oder Kuren mit Keratin, Biotin, Argan- oder Kokosöl stärken das Haar, verbessern seine Elastizität und bringen Glanz zurück.
4. Bringe deinen natürlichen Farbton zum Strahlen
„Graues Haar nimmt leichter oxidierte Farbstoffe auf und durch Umweltverschmutzung, UV-Strahlung, Mineralien und Hitzestyling entstehen gelbliche Reflexe“, erklärt der Haar-Experte. „Dagegen hilft vor allem Silbershampoo mit violetten Pigmenten, um den Gelbstich auszugleichen.“
Diese Produkte empfiehlt Florian Ferino zur Pflege von grauem Haar:
Welche typischen Pflege-Fehler gibt es bei grauem Haar?
Auch wenn graues Haar oft robuster wirkt, reagiert es besonders sensibel auf falsche Produkte. Deshalb lohnt es sich, einen genauen Blick auf die Inhaltsstoffe zu werfen.
„Vermeiden sollte man Shampoos mit aggressiven Tensiden oder Produkte mit hoher Alkoholkonzentration wie z. B. Haarsprays, das trocknet stark aus und macht das Haar stumpf und rau. Ebenfalls verzichten sollte man auf nicht auswaschbare Silikone und Ammoniak in Haarfarben.“
Diese Stoffe entziehen dem Haar Feuchtigkeit, können die Struktur zusätzlich aufrauen und verhindern, dass Pflegewirkstoffe richtig eindringen. Besser sind milde Formulierungen, die Feuchtigkeit spenden, die Haaroberfläche glätten und das natürliche Grau zum Strahlen bringen. So bleibt das Haar geschmeidig, glänzend – und deutlich leichter zu stylen.
Wie style ich graue Haare am besten?
„Graues Haar braucht tatsächlich ein etwas anders Styling, weil sich seine Struktur und seine Elastizität verändern. Verwende vor dem Föhnen am besten eine Leave-In-Pflege oder ein Öl-Serum“, rät der Experte.
Damit die Haare beim Stylen nicht zusätzlich strapaziert werden, spielt Hitze eine entscheidende Rolle. Graues Haar reagiert empfindlicher, weshalb Föhn, Glätteisen und Lockenstab nur auf mittlerer Temperatur verwendet werden sollten. So bleibt die Haaroberfläche geschont und das Grau behält seinen natürlichen Glanz.
Auch beim Finish gibt es Tricks, die das Styling erleichtern. „Rundbürsten mit Naturborsten helfen, die Oberfläche zu glätten und Glanz zu erzeugen“, sagt Ferino. Sie verteilen die natürliche Pflege gleichmäßig im Haar und sorgen für ein geschmeidiges, lebendiges Ergebnis.
Welche Haarschnitte lassen graue Haare besonders lebendig wirken?
Graues Haar profitiert besonders von Haarschnitten, die seine natürliche Strahlkraft betonen.
„Am besten eignen sich fließende, stufige Schnitte, die das Licht besser reflektieren. Zu lange und ungestufte Haare wirken schneller stumpf und flach. Klare Konturen wie z. B. bei einem Bob wirken elegant und lassen das Licht an den Kanten reflektieren, das lässt das Grau gezielt leuchten“, sagt Haar-Experte Ferino.
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