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Halb leeres Glas: Was tun, wenn jemand ständig nur negativ denkt?

zwei Frauen blicken ernst in die Kamera
Nur das Negative sehen? Oft tendieren Menschen dazu. Credit: Getty Images

Jemanden, der das Glas immer halb leer sieht, dazu zu bringen, es halb voll zu sehen, ist wahrlich nicht einfach. Aber es ist nicht unmöglich.

Ihr kennt sie sicher auch. Die ewig Nörgelnden. Die Berufspessimisten. Die Miesepeter dieser Nation. Die, denen du einen guten Morgen wünschst, und die dir darauf mit einem riesen Seufzer antworten. Die du fragst, wie es ihnen geht, und die erstmal in einen langen Monolog über negative Dinge in ihrem Leben verfallen.

Das ist in Maßen und Situationen, die definitiv bescheiden sind, absolut ok. Aber wenn jemand dazu tendiert nur noch das Negative zu sehen, obwohl doch eigentlich auch viel Gutes um ihn herum ist, darf man durchaus versuchen, diesem Menschen die Augen zu öffnen. Zu seinem eigenen Guten. Und wohlgemerkt es geht hier nicht um Menschen, die depressiv sind und psychische Probleme haben, sondern um die Personen, die sich einfach angewöhnt haben, alle Gläser halbvoll zu sehen.

Natürlich sollte niemand missioniert werden. Und der Satz „Sei doch nicht immer so negativ“ dürfte eine Erfolgsquote von exakt Null haben. Und man will sich ja auch nicht ungefragt in das Leben anderer einmischen. Da hilft wie so oft die simple Taktik des Sich-Reindenkens in die Situation des Anderen. Dann erkennt ihr: Das würdet ihr euch selbst nämlich auch nicht gefallen lassen.

Mammuts oder warum Negatives stärker bleibt

Zur Rechtfertigung aller Negativ-Denker: Unser Gehirn ist seit Urzeiten darauf trainiert, vor allem auf das Negative im Leben zu achten. Einfach um sicher zu sein und nicht vom erst besten Mammut gefressen zu werden. Kein Wunder also, dass unser Gehirn sensibler für Gefahren, Nöte und Sorgen ist, als für die schönen Dinge des Lebens.

Aber zum Glück können wir das ach so negativ gepolte Gehirn auch ein wenig erziehen. Durch Übung vor allem. Denn jemanden, der in der Regel negativ gestimmt ist, wird man nicht von heute auf morgen zur optimistischen Frohnatur machen. Aber auch der lange Weg ist es wert zu gehen.

Die negative Gedankenspirale abschalten

Negativ denkende Menschen grübeln meist den ganzen Tag. Sie finden sich mit den Dingen nicht ab, fragen nach dem Warum, hadern mit ihrem Schicksal. Oft lässt sich die negative Gedankenspirale gar nicht mehr abstellen. Und dann breitet sich diese Denkweise irgendwann in alle Bereiche aus und bewirkt, dass man kaum mehr einen heiteren Gedanken fasst.

Wenn Betroffene erkennen, dass dem so ist, dann ist das schon mal der erste Weg da rauszukommen. Man muss selbst seine negativen Denkmuster erkennen. Als Freund*in kann man hier nur Hilfestellung leisten. Aber auch das bitte nicht mit der Brechstange, sondern mit kleinen, aber feinen Hinweisen.

Führt ehrliche Gespräche

Viele negative Menschen merken gar nicht, wie oft sie vor sich hin seufzen, fluchen oder stöhnen. Wie negativ all ihre Äußerungen auch auf ihr Umfeld wirken. Und darauf darf man einen Menschen, der einem nah ist, durchaus hinweisen.

In einem offenen, ehrlichen Gespräch, in dem man ihm erklärt, dass diese ständigen negativen Äußerungen die gesamte Umwelt mit runterziehen. Euch inbegriffen. Dessen sind sich viele Menschen nämlich gar nicht bewusst.

Setzt Grenzen als Kummerkasten

Wenn euer persönlicher Pessimist bei jedem Treffen und jedem Gespräch von seinem Leid, seinem Ärger oder was auch immer erzählen will, dann sagt auch mal offen, wenn es für euch gerade nicht passt. „Das ist schlimm, aber bitte lass uns auch noch über etwas anderes sprechen“. Manchmal muss man auch Grenzen setzen, wenn einem Dinge nicht gut tun.

Helft den Erinnerungen auf die Sprünge

Wenn euer Pessimist euch nur von negativen Dingen berichtet, also von Krankheiten, schlechtem Essen, verregneten Reisen und kaputten Beziehungen, dann fragt ihn, welche positiven Erlebnisse er trotz all dem auf der Reise durchs Leben hatte.

Erinnert ihn an schöne gemeinsame Unternehmungen in letzter Zeit, die ihr gemacht habt. Es gibt hundertpro Dinge und Momente, bei denen auch euer Gegenüber zugeben muss, dass sie schön waren.

Den passenden Moment finden

Es ist immer eine Frage des richtigen Moments, wenn man jemandem gegenüber Kritik oder Sorgen äußern möchte. Versucht eure Kritik an seinem Verhalten aus der Ich-Perspektive zu begründen. Wie das ständige Negative auf euch wirkt und wie es euch damit geht. Sagt auch offen, dass ihr euch Sorgen macht.

Aber gebt eurem Gegenüber auch den Raum, sich diesem Gespräch auch erstmal zu entziehen. Oft ist es nicht der richtige Zeitpunkt oder es fällt Menschen schwer, so grundlegende Kritik annehmen zu können. Manchmal wirken Gespräche auch länger nach und bewirken dann durchaus sehr viel.

Noch etwas Wichtiges zum Schluss: Dieser Artikel ist nur zur Information gedacht. Zögert nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn ihr massive Probleme und Sorgen habt. Niemand muss alle schwierigen Phasen des Lebens alleine durchstehen. In diesem Sinne: Alles Gute und passt auf euch auf!

Ansprechpartner für den Notfall

Eine Anlaufstelle im Notfall ist die psychiatrische Ambulanz oder die psychiatrische Abteilung einer Klinik, der eigene Hausarzt, ein niedergelassener Psychiater oder Psychotherapeut, der ärztliche Bereitschaftsdienst (116117), die Polizei (110) oder der Rettungsdienst (112).

Anonym, kostenlos und rund um die Uhr kann man auch die Telefonseelsorge erreichen (08001110111). Sie eignen sich jedoch eher für kleinere Krisen.

Hilfe findet ihr auch auf der Seite der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.