Vielleicht ist es soweit, und deine Kinder werden flügge und wollen ausziehen? Vielleicht ziehst du selbst aus einer bestehenden familiären Konstellation in eine eigene Wohnung? Eine eigene Bude hat natürlich nicht nur einige unschlagbare Vorteile, sondern auch ein paar Randerscheinungen, die man so gar nicht auf dem Schirm hatte.
Denn es gibt einige Dinge, die man erst durch das Leben alleine lernt, die einem vorher so gar nicht bewusst waren. Dinge, die aber sehr wichtig sind, weil man durch sie mehr über das Leben und über sich selbst erfährt und weil man eigenständig wird. Zum Beispiel diese acht Dinge:
1. Das Chaos lebt und muss allein bezwungen werden
Die erste Erkenntnis, nachdem man ein paar Wochen alleine wohnt: Niemand räumt auf oder putzt, wenn man es nicht selbst macht. Die ersten Wollmäuse lachen einem bereits aus den Ecken entgegen und auch die Bettwäsche roch sonst irgendwie besser. Wer hätte gedacht, wie viel Arbeit so ein Haushalt macht?
Lektion 1: Wir entscheiden selbst, wie sauber oder wie dreckig es ist. Spätestens wenn die beste Freundin das erste Mal zu Besuch kommt, überlegen wir uns zweimal, ob wir weiterhin als Putzmuffel leben wollen.
2. Die 100. Fertiglasagne schmeckt gar nicht mehr so gut
Am Anfang macht es noch Spaß Fertiggerichte und Prosecco im Kühlschrank zu horten, und all dem, was man „essen sollte“, weil es so gesund ist, die rote Karte zu zeigen. Schließlich bestimmen jetzt nur wir selbst, was auf den Tisch kommt.
Aber mit der Zeit stellt sich die Frage: Immer nur die heißgeliebte Fertiglasagne? Auch die hängt einem irgendwann zum Halse raus. Irgendwann beginnt man Wochenenden und Feiertage vorzuplanen, Preise und Angebote zu vergleichen und – auch das – zu kochen. Und das gar nicht mal so schlecht.
3. Aus dem Zuhause einen Ort für die Liebe schaffen
Ein besonderer Moment: Wenn man das erste Mal den neuen Menschen in seinem Leben zu sich einlädt. Gemeinsam in der Küche hocken und stundenlang reden, auf dem Sofa knutschen und am nächsten Morgen nebeneinander aufwachen – das ist jetzt dein Reich und dein Gast soll sich so wohlfühlen wie du.
Plötzlich ist man alleinige*r Gastgeber*in und will alles tun, damit sich der andere bei einem wohlfühlt. Anfangs verhält man sich wie eine Mischung aus nervösem Staatsoberhaupt und fürsorglicher Mutter Teresa. Aber mit der Zeit schafft man aus seinen vier Wänden einen gemütlichen Ort für die Liebe.
4. Man lernt die Stille lieben
Wer in einer großen Familie aufgewachsen ist, weiß, wie viel Trubel und Hektik das bedeuten kann. Wohnt man plötzlich alleine, ist niemand mehr da, der einem den Platz vor dem Fernseher oder das größte Stück vom Kuchen streitig macht. Kein Streit, keine Ermahnungen, kein Mucks. Stille.
Ein Fakt, an den man sich erst gewöhnen muss. Kann aber auch dafür sorgen, dass man mehr zu sich selbst findet und die Ruhe und die Muße hat, auch mal in sich reinzuhorchen. Stille ist durchaus etwas Schönes.
5. Alleine sein heißt nicht einsam sein
Kein Freund und keine Freundin hat Zeit, die Geschäfte sind schon zu und auf Netflix kommt nur Mist? Plötzlich ist man auf sich allein gestellt und merkt: Ich muss mich selbst entertainen. Das mag am Anfang schwer sein, aber mit der Zeit liebt man diese Extra-Zeit, in der man auf sich selbst gestellt ist.
Zeit, um alte Fotos anzusehen, Zeit, ein Buch zu lesen, Zeit, sich einfach eine Tasse Tee zu machen, aus dem Fenster zu schauen und die Gedanken fliegen zu lassen. Und ganz schnell merkt man, dass man sich alleine sehr gut beschäftigen kann. Wie selig kann Nichtstun sein.
6. Wäsche-Strategien und Lieblings-Klamotten
Ständig das Outfit wechseln und den Pulli nach einem Mal Tragen in die Wäsche legen war gestern. Gebügelte und frisch duftende Wäsche, die eigenständig in den Schrank schwebt, auch. Immer ist genau das Lieblingsshirt dreckig, wenn man es braucht, und alle Socken in der Wäschetonne.
Verzweifelter Anruf bei Mama: „Vollwaschmittel oder Colorwaschmittel? Und warum duftet deine Wäsche immer so gut und meine nicht?“ Plötzlich wird man Fachfrau bzw. Fachmann für Kochwäsche, Schleudergang und Farbtrennung (leider erst nach der ersten Katastrophe, wenn der rote Pulli in die Weißwäsche gelangt ist).
7. Shoppen ganz anders
Auch das ist neu: Plötzlich stehen auf der Einkaufsliste Dinge wie Wischmop, Klopapier, Spüli und Wasserenthärter statt Winterpulli shoppen und neusten Thriller besorgen. Früher stand alles bequem im Vorratskeller und füllte sich wie von Geisterhand immer wieder neu auf.
Da blutet einem schon ein wenig das Herz, für welch schnöden Mammon man sein mühsam verdientes Geld ausgeben muss. Winterpulli und Thriller jedenfalls müssen warten. Aber dafür, ja, dafür haben wir uns etwas viel Besseres erkauft: unsere Selbständigkeit. Und das fühlt sich verdammt gut an.
8. Neuer Art der Beziehung zur Familie
Während man früher jeden Morgen am elterlichen Frühstückstisch saß, ständig seine Geschwister um sich rum hatte, so sieht der Alltag komplett anders aus, wenn man alleine wohnt. Das hat viele Vorteile, aber auch Nachteile. Denn natürlich wird man seine Familie auch mehr oder weniger vermissen, wenn sie auf einmal nicht ständig um einen rum ist.
Das sorgt aber auch dafür, dass wir ein völlig neues und in der Regel entspannteres Verhältnis zu unseren Eltern und Geschwistern aufbauen können. Abstand wirkt manchmal Wunder und seine Eltern bewusst zu treffen, sich für einen Nachmittag zu verabreden und sich dann darüber auszutauschen, was man so erlebt hat, kann einen absoluten Zauber haben.



