Wird jemand schwanger, ist die Freude meist groß. Man benachrichtigt die Familie, den Freundeskreis, sein Umfeld. Was oftmals deutlich leiser abläuft, sind hingegen die Fälle, in denen es eben nicht klappt mit dem Kinderwunsch. Man spricht nicht laut darüber, wenn es einen unerfüllten Kinderwunsch gibt oder wenn Frauen gar eine Fehlgeburt durchmachen müssen.
Dabei machen sehr viele Frauen genau diese schwere Erfahrung durch. Viele kennen die lange Zeit der Unsicherheit, kennen den Verlust oder gar den unerfüllten Wunsch. Eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) rückt genau das in den Fokus. Und die Zahlen zeigen, dass sogenannte „Fertilitätsbarrieren“ oder gar Infertilität tatsächlich sehr verbreitet sind.
„Der Begriff Infertilität beschreibt das Auftreten von Problemen beim Versuch schwanger zu werden, sodass eine Schwangerschaft nur verzögert eintritt oder ausbleibt“, so das DeutscheGesundheitsPortal.
Laut der Studie hat etwa jede dritte Frau im reproduktiven Alter in Deutschland eine Erfahrung machen müssen, über die so selten offen gesprochen wird: Seien es Schwierigkeiten, überhaupt schwanger zu werden oder der Verlust einer Schwangerschaft.
Die Studie basiert auf Langzeitdaten von mehr als 1.800 Frauen, die über einen Zeitraum von zehn Jahren begleitet wurden. Das Ergebnis: Rund 28 Prozent der Befragten berichteten von Phasen der Infertilität – also davon, dass eine Schwangerschaft länger auf sich warten ließ oder ganz ausblieb. Weitere neun Prozent der Frauen erlebten laut der Studie mindestens eine Fehlgeburt.
Das zeigt, dass diese schmerzlichen Erfahrungen keine Seltenheit sind, sondern sehr viele Frauen betreffen.
Die entscheidende Rolle des Faktors Zeit
Wichtig ist es, bei diesen Zahlen das Alter der Frauen zu betrachten: Das durchschnittliche Alter von Müttern bei der Geburt ihres ersten Kindes ist immer weiter gestiegen in den vergangenen Jahrzehnten. Heute bekommen Frauen in Deutschland ihr erstes Kind im Durchschnitt mit 30,4 Jahren. Die Väter sind meist noch älter.
Meist liegen die Gründe dafür, sich erst spät für ein Kind zu entscheiden, in den oft diskutierten strukturellen Problemen, längeren Ausbildungszeiten oder dem Wunsch, erstmal den Weg im Leben zu finden. Zudem steht nicht immer mit Ende 30 ein passender Familienvater oder eine passende Lebenspartnerin vor der Tür.
Leider kann der menschliche Körper diese Entwicklung, also die Familienplanung später anzugehen, nicht ohne Folgen mitgehen. Gerade in der Altersgruppe ab Mitte 30 zeigt sich das recht klar: „Ein höheres Alter der Frau und des Mannes stellt einen wesentlichen Risikofaktor für Schwangerschaftsverlust und Infertilität dar“, so die Initiatoren der Studie. „Im Alter ab 35 Jahren hat nahezu jede zweite Frau (47 Prozent) bereits Fertilitätsbarrieren wie Infertilität und/oder Schwangerschaftsverlust erlebt.“ Lediglich acht Prozent der Frauen in diesem Alter hatten keine Erfahrungen mit Fertilitätsbarrieren vor der Geburt ihres ersten Kindes machen müssen.
Zum Vergleich: Bei den jüngeren Frauen in der Altersgruppe von 20 bis 30 gaben immerhin 41 Prozent an, keine Probleme mit Fertilitätsbarrieren gehabt zu haben. Das zeigt, so Dr. Nadja Milewski, Forschungsgruppenleiterin am BiB und Mitautorin der Studie: „Das Risiko, dass Kinderwünsche unerfüllt bleiben, ist bei den Frauen ab 35 Jahren erheblich.“
Was die Studie noch zeigt: Bei der Familienplanung spielen nicht nur Aspekte wie die Vereinbarkeit von Job und Familie eine entscheidende Rolle. Es gibt etliche Faktoren, die sich nicht einfach so planen lassen. Sowohl biologisch-medizinische als auch andere nicht-planbare Faktoren, die sich der individuellen Kontrolle entziehen, können eine Rolle bei der Familiengründung spielen.
Wichtig für Frauen mit Kinderwunsch ist deshalb ein realistisches Verständnis darüber, wie das Alter das Risiko für Schwangerschaftsverlust oder Infertilität beeinflusst. Wichtig wäre es zudem, die Möglichkeiten aber auch die Grenzen der assistierten Reproduktionsmedizin zu kennen.
Quelle:
Milewski, Nadja; Passet-Wittig, Jasmin (2026): Risikofaktor Geburtenaufschub – Schwangerschaftsverlust, Infertilität und Geburt im Lebensverlauf. In BiB.Aktuell 2/2026.
http://https:www.bib.bund.de/Publikation/2026/BiB-Aktuell-2026-2
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient lediglich der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Treten Unsicherheiten, dringende Fragen oder akute Beschwerden auf, solltet ihr eure Ärztin oder euren Arzt kontaktieren oder in der Apotheke um Rat fragen. Über die bundesweite Nummer 116117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst erreichbar.
