Wenn wir an die Teenagerzeit denken, denken wir oft an die großen Veränderungen: die erste Liebe, den Führerschein, den Schulabschluss oder auch den Auszug. Was wir nicht bemerken, sind ganz viele kleine Veränderungen, die viel früher kommen und viel leiser sind.
Und wenn wir sie schließlich bemerken, können wir uns gar nicht mehr daran erinnern, wann wir sie zum letzten Mal gemacht haben und unweigerlich bildet sich da dieser kleine Kloß im Hals.
Die letzte Gute-Nacht-Geschichte
An all die ersten Male können wir Eltern uns allerdings sehr gut erinnern. Als wäre es gestern gewesen, sehen wir das erste Lächeln, die ersten Schritte oder den ersten Besuch im Kindergarten vor unserem inneren Auge. An die letzten Male erinnern wir uns viel schlechter. Oder weißt du, wann du deinem heutigen Teenager die letzte Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen hast?
Irgendwann wollte er lieber selber lesen oder noch kurz etwas hören oder einfach nur schlafen. Das Ritual verschwand nicht von heute auf morgen, sondern wurde stetig weniger. Bis es irgendwann ganz weg war.
Die leere Sofaecke
Es gab eine Zeit, da saß das Kind förmlich rund um die Uhr auf einem. Im Café, dem Wartezimmer oder beim Besuch von Oma und Opa ist es immer auf den Schoß geklettert. Beim Fernsehen hat es sich ganz eng an Mama gekuschelt. Und morgens ist es immer noch mit ins Elternbett geschlüpft.
Und dann kommt die Zeit, in der Nähe anders aussieht. Teenager mögen ihre Eltern (meistens) noch genauso gern wie früher. Aber sie zeigen es anders.
Sie sitzen eben nicht mehr automatisch neben einem auf dem Sofa. Sie greifen nicht mehr selbstverständlich nach Mamas Hand, wenn man zusammen unterwegs ist. Und sie lehnen sich nicht mehr an die Schulter, wenn sie müde sind.
Du erfährst nicht mehr alles
Nach jedem Kita- oder Grundschultag wurde man von seinem Kind ausführlichst ins Bild gesetzt, was alles passiert ist, wer geweint hat, beim Kippeln umgefallen ist oder keine Hausaufgaben dabei hatte.
Heute besteht die Antwort auf die Frage ‚Wie war’s in der Schule?‘ oft nur aus einem Wort, „Gut“. Manchmal auch nur aus einem Schulterzucken.
Klar, erzählen einem Teenager weiterhin Dinge, aber oft sind die ganz genau ausgewählt. Sie haben jetzt kleine und große Geheimnisse, teilen so manche Informationen nur mit bestimmten Freunden und filtern alles, bevor wir Eltern eine Geschichte zu hören bekommen. Und genau das gehört zum Erwachsenwerden dazu.
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Aber als Eltern braucht man einen Moment, um sich daran zu gewöhnen, dass es Bereiche im Leben des Kindes gibt, zu denen man keinen einfachen Zugang mehr hat.
Du wirst von der Managerin zur Beraterin
In den ersten Jahren mit Kind organisieren Eltern (meistens Mama) einfach alles. Arzttermine, Geburtstagsgeschenke, Hobbys, Schulmaterialien, es gibt keinen Lebensbereich, in dem man nicht seine Finger hat.
Und dann wird das Kind groß und größer und man ist zwar nicht nicht involviert, aber in einer ganz anderen Funktion. Hieß es früher, „Mama, kannst du das für mich machen?“, hört man heute eher „Mama, was würdest du an meiner Stelle machen?“
Und manchmal merkt man dabei schon, dass der Teenager Lösungen findet, auf die man selbst gar nicht gekommen wäre und ist ein bisschen stolz.
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Du bist nicht mehr die wichtigste Person
Eltern bleiben wichtig für ihre Kinder, aber sie werden trotzdem irgendwann vom Thron gestoßen. Und dann ist die Meinung der Freundin oder des Freundes, der Partnerin oder des Partners plötzlich wichtiger als die der Eltern.
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Und das fühlt sich seltsam an, schließlich waren es besonders wir Mamas, die für viele Jahre die Ansprechpartnerin Nummer 1 für unsere Kinder waren. Wir haben alles gehört, haben jede Träne getrocknet und als erste über ihre Witze gelacht.
Familienzeit ist rar gesät
Je kleiner Kinder sind, umso mehr Zeit verbringt man ganz automatisch zusammen. Man wohnt zusammen und lebt ja auch irgendwie den selben Alltag.
Anders mit Teenagern. Zwar lebt man immer noch unter einem Dach, führt aber verschiedene Leben. Teenager haben immer mehr eigene Termine. Nach der Schule warten Freund*innen oder Hobbys oder ein Nebenjob.
Würden wir Eltern nicht hin und wieder zu gemeinsamen Mahlzeiten oder Ausflügen rufen, könnte man unter einem Dach leben und würde sich trotzdem nicht sehen. Außer vielleicht zufällig am Kühlschrank.
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Das ‚Kinderzimmer‘ wird zur eigenen Welt
Früher standen alle Türen offen, sogar die zum Badezimmer, egal ob jemand auf Toilette saß oder in der Badewanne. Heute ist sie immer geschlossen, genauso wie die Tür zum einstigen Kinderzimmer. Denn darin wohnt irgendwann ein Teenager, der ganz viel Zeit für sich braucht.
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Nicht etwa, weil er seine Eltern nicht mehr ausstehen kann, sondern weil er an der Zeit mit sich selbst wächst. Beim Musikhören findet er seinen Musikgeschmack, in Gesprächen und Chats mit Freund*innen findet er seine Stimme und allein mit seinen Gedanken findet er heraus, wer er ist oder sein will.
Für uns Eltern fühlt sich dieser Rückzug sehr distanziert an, aber dabei geht es gar nicht um uns, sondern nur um die Selbstständigkeit unseres Kindes.
Die letzten Male erkennt man selten
Vielleicht ist das das Seltsamste an der Teenie-Zeit. Man erkennt die großen Meilensteine, aber all die kleinen Abschiede gehen dabei oft unbemerkt an einem vorbei.
Das letzte Mal gemeinsam einen Kinderfilm schauen. Das letzte Mal das Kuscheltier mit in den Urlaub nehmen. Das letzte Mal mit Mama und Papa in den Freizeitpark oder Zirkus gehen und das letzte mal mit allen Kindern in den Urlaub fahren. Niemand sagt vorher bescheid. Diese Momente verschwinden einfach.
Aus Alt mach Neu
Ein Verlust sind all die kleinen Abschiede aber nicht, auch wenn sie uns manchmal sentimental werden lassen. Zum einen, weil alles, was war, für immer in uns bleibt. Und, wie schon Hermann Hesse wusste, weil in jedem Ende ein neuer Anfang liegt. Während also manches verschwindet, entsteht gleichzeitig etwas neues oder anderes.
Gespräche zum Beispiel, die plötzlich überraschend tief gehen. Diskussionen auf Augenhöhe. Und ein Vertrauen, das nicht mehr auf Fürsorge beruht, sondern auf gegenseitigem Respekt.
Mit Beginn der Teenagerzeit verabschieden wir uns also nicht ausschließlich von unserem Kind, sondern wir lernen den Menschen kennen, der er sein wird.
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